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Coburg

Panoramawagen: vom Wrack zum Hingucker

Am Montag beginnt die Instandsetzung des Panoramawagens auf dem Güterbahnhof. Das Fahrzeug soll ein Treffpunkt der besonderen Art werden.



Unter Dach: In der kommenden Wochen beginnen die Sanierungsarbeiten am TEE-Panoramawaggon, der seit zwei Jahren vor der alten Pakethalle steht. Deshalb wurde eine Einhausung gebaut. Im kommenden Jahr soll der Waggon als Veranstaltungsraum zur Verfügung stehen.	Fotos: Norbert Klüglein (2), Stadt Coburg (1)
Unter Dach: In der kommenden Wochen beginnen die Sanierungsarbeiten am TEE-Panoramawaggon, der seit zwei Jahren vor der alten Pakethalle steht. Deshalb wurde eine Einhausung gebaut. Im kommenden Jahr soll der Waggon als Veranstaltungsraum zur Verfügung stehen. Fotos: Norbert Klüglein (2), Stadt Coburg (1)   » zu den Bildern

Coburg - "Erst mal muss der Lack ab. Dann zeigt sich, wie groß die Schäden wirklich sind", konstatiert Joachim Träger. Der Coburger Stadtplaner hat gerade ein Projekt begonnen, das seinesgleichen sucht: die Instandsetzung des TEE-Panoramawagens, der seit knapp zwei Jahren vor der ehemaligen Pakethalle am Coburger Güterbahnhof steht.

Die Geschichte des Panoramawagens

Der Waggon stammt aus dem Lichtenfelser Depot des DB Museums Koblenz und wurde der Stadt Coburg für 20 Jahre überlassen.

 

Gebaut wurde er 1963 zusammen mit vier Wagen gleichen Typs für den TEE-Rheingold-Express. Er verkehrte bis 1976 auf der Strecke Den Haag/Genf.

 

Die Bahn verkaufte den 1. Klasse-Wagen dann an ein Reisebüro, das bis zum Konkurs im Jahr 1982 Sonderzugfahrten damit durchführte.

 

Aus der Konkursmasse erwarb das Schweizer Reisebüro Mittelthurgau den Waggon. Weil er nicht durch alle Tunnel passte, musste das Panoramadach um 50 Zentimeter in der Höhe gekürzt werden. Die beige-rote Lackierung, die der Wagen nach der Instandsetzung wieder erhält, stammt aus dieser Zeit.

 

16 Jahre später verkauften die Schweizer den Waggon nach Schweden, wo ihn ein Hersteller für Outdoor-Kleidung mit Werbung beklebte. Das trug dazu bei, dass die Außenhaut heute stark verrostet ist. Viele neue Bleche sind nötig.

 

Nach dem vierjährigen Werbe-Einsatz in Schweden wurde der Panoramawagen von der Deutschen Bahn zurück gekauft und stand zehn Jahre lang ungenutzt in Koblenz, bevor er nach Lichtenfels überführt wurde.

 

Lange Zeit hatte es den Eindruck gemacht, als dämmere das historische Schienenfahrzeug vor sich hin. Jetzt signalisiert ein mächtiges Gerüst, das über dem Waggon errichtet worden ist, dass sich endlich etwas tut. "In der nächsten Woche beginnen wir mit dem Sandstrahlen", informiert Joachim Träger am Freitag bei einer Pressekonferenz auf dem Güterbahnhofgelände. Schon in einem dreiviertel Jahr - zu den Designtagen 2020 - soll der ehemalige Luxuswagen wieder glänzen, kündigt Rolf Krebs von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt an.

 

Der Weg dahin war lang und ziemlich steinig. "Alle Beteiligten haben sich das etwas einfacher vorgestellt", räumt der Wirtschaftsförderer ein. Es war Mai 2017, als der Panoramawagen auf das Gleisstück vor der Pakethalle gehievt wurde. Die Initiatoren des Projekts verfolgten ursprünglich die Idee, dass, mit Unterstützung örtlicher Handwerker und beruflichen Schulen, die Instandsetzung peu-á-peu vorangetrieben werden könnte. "Da waren wir wohl etwas blauäugig", gibt sich Krebs selbstkritisch. Das Handwerk hatte wegen des Baubooms einfach keine Kapazitäten, die Stadt zu unterstützen. Allein die Glaserei Späth, die in unmittelbarer Nähe der Pakethalle ihre Werkstatt hat, förderte das Projekt nach Kräften, lobt Träger.

Da das ursprüngliche Plan nicht griff, mussten Träger und Krebs einen anderen Weg beschreiten: Man suchte die Zusammenarbeit mit der Hochschule, dem bfz, der Berufsschule und bat Vereine, die historische Schienenfahrzeuge pflegen, um fachlichen Rat. Selbst beim Dampflok-Ausbesserungswerk in Meiningen klopften die Coburger an. "Die hätten den Wagen schon wieder auf die Schiene gebracht", erzählt Rolf Krebs. "Das hätte aber mehr als eine halbe Million Euro gekostet."

Ein derart hohes Budget hat man in Coburg nicht zur Verfügung. Träger und Krebs hoffen, mit Sanierungskosten in Höhe von maximal 150 000 Euro auszukommen. Mittlerweile konnten die städtischen Mitarbeiter sogar die Regierung von Oberfranken überzeugen, dass sie das Projekt unterstützt. 60 Prozent der förderfähigen Kosten in Höhe von 132 000 will Bayreuth übernehmen. Die werden hauptsächlich in die Instandsetzung der Außenhaut und die Aufarbeitung der Inneneinrichtung fließen. Eine neue Schienenzulassung bekommt der Wagen jedoch nicht.

Die Einrichtung der Bar und die Polstersitze haben Krebs und Träger mittlerweile ausgebaut, nachdem Feuchtigkeit in das Wageninnere eingedrungen war und Vandalen im Herbst 2018 den Wagen beschädigt hatten. Für die Auffrischung des Interieurs konnten die Organisatoren der Stadt Coburg mittlerweile kompetente Hilfe erhalten: Alexander Simon. Er studiert Innenarchitektur an der Hochschule Coburg und hat seine Schreiner-Ausbildung bei einem Unternehmen gemacht, das für die Schweizer Bahn einen Speisewagen ausgebaut hat. Ferner wollen Berufsschüler bei der Aufpolsterung der Sitze und Lackierarbeiten helfen.

Nach der Instandsetzung soll der Wagen zum Treffpunkt in dem Quartier werden. "Wir können uns Konzerte und Lesungen, Vorträge oder Seminare an dem ungewöhnlichen Ort vorstellen", erklärt Rolf Krebs. Nur für private Feiern will die Wifög den Panoramawagen nicht öffnen.

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Norbert Klüglein

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Veröffentlicht am:
13. 09. 2019
17:46 Uhr

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Norbert Klüglein

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13. 09. 2019
17:46 Uhr



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