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Plädoyer wider die Angst

In der Wirtschaft herrscht Unsicherheit. Ralph Solveen, Volkswirt der Commerzbank, macht Unternehmern Mut.



Dr. Ralph Solveen, Volkswirt der Commerzbank AG (rechts), gab bei der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Coburg einen Ausblick auf die konjunkturelle Entwicklung; links IHK-Präsident Friedrich Herdan.	Foto: Braunschmidt
Dr. Ralph Solveen, Volkswirt der Commerzbank AG (rechts), gab bei der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Coburg einen Ausblick auf die konjunkturelle Entwicklung; links IHK-Präsident Friedrich Herdan. Foto: Braunschmidt  

Coburg - Dr. Ralph Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank AG, erwartet für 2019 keine globale Finanz- und Wirtschaftskrise, obwohl sich die Konjunktur heuer im Vergleich zu den Vorjahren abgekühlt hat. Vor Mitgliedern der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Coburg sowie Ehrengästen aus Wirtschaft, Politik, Schulen und öffentlicher Verwaltung gab Solveen am Mittwochabend einen Überblick über die konjunkturelle Entwicklung in der Welt, im Euroraum und in Deutschland. Der Leiter Economic Research beschrieb seine Aufgabe bei der Commerzbank AG so: "Volkswirte sind diejenigen, die der Bank und ihren Kunden die Welt erklären sollen, nicht nur konjunkturell, sondern auch politisch."

Das tat er dann auch. Der Deutsche Aktienindex (DAX) ist seit dem Sommer um 15 Prozent gesunken. "Da steckt offensichtlich drin, dass der eine oder andere Anleger nicht mehr so sicher ist, dass es so wie bisher weiter läuft, dass etwas in der Konjunktur in die Hose gehen könnte". Außerdem sei das deutsche Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2018 geschrumpft. "Das war offensichtlich ein Warnsignal." Die Stimmung in Unternehmen verschlechtere sich, das zeigten aktuelle Umfragen. Allerdings, so Ralph Solveen, müsse man hier differenzieren. Es gebe einen "Riesenunterschied zwischen dem Industrie- und dem Dienstleistungssektor".

In der Dienstleistung habe sich in den vergangenen vier Jahren "eigentlich nichts geändert". Es deute vieles darauf hin, dass die Inlandsnachfrage stabil ist, während der Rückgang in der Industrie so stark gewesen sei, wie er vor einer Rezession zu beobachten sei. Dies gehe aber auf Entwicklungen im Ausland, insbesondere in China, zurück. Deshalb, so die Erwartung des Volkswirts, werde die weitere konjunkturelle Entwicklung entscheidend vom Geschehen in Fernost beeinflusst.

Hier sei er aber optimistisch. Denn die chinesische Regierung habe kein Interesse an einem wirtschaftlichen Einbruch. "Die Chinesen gehen wieder in die Verschuldung. Sie werden die Zinsen senken, sie geben wieder Gas." Deutsche Industrieunternehmen könnten erwarten, "dass die Nachfrage aus China steigt. Im Frühjahr sollten wir merken, dass sich die Stimmung eher wieder verbessert". Eine Einschränkung machte der Volkswirt allerdings: Der Aufschwung werde nicht so stark ausfallen wie in den Jahren 2016 und 2017.

Die Analysten der Commerzbank erwarten für 2019 zudem keine Zinserhöhung, "und wenn doch, dann sehr zögerlich". Das Zinsniveau, so die Einschätzung von Ralph Solveen, werde niedrig bleiben, "da wird sich nicht viel ändern". Auch das nutze den Unternehmen.

Ein unsicherer Kantonist im Euroraum sei Italien, dessen Regierung stark in die Verschuldung gehen will. Welche Auswirkungen dies haben wird, könne derzeit niemand abschätzen. Eine Hängepartie sei auch der Brexit. Hier bleibe die Commerzbank bei ihrer Aussage, dass es keinen "harten Ausstieg" der Briten aus der Europäischen Union geben werde, "da bin ich fest von überzeugt".

CSU-Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach sagte, die größten Risiken für die deutsche Wirtschaft lägen im Euroraum, nicht in China oder Amerika. Grund sei die Uneinigkeit der in der EU zusammengeschlossenen Staaten. Das bestätigte Volkswirt Solveen im Grundsatz. In der EU herrsche ein "total unterschiedliches Denken" darüber, "was eine angemessene Wirtschaftspolitik ist; jeder denkt, dass er recht hat". Das zeige sich schon im Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich. In den verschiedenen Auffassungen der Regierenden in Europa sehe der Referent "das ganz große Problem" für die Konjunktur. Grundsätzlich wäre eine Vereinheitlichung der Wirtschaftspolitik geboten. Ralph Solveen: "Das ist eine Aufgabe für Generationen."

Friedrich Herdan, Präsident der IHK zu Coburg, dankte Dr. Ralph Solveen dafür, "dass er uns etwas Licht ans Fahrrad gemacht hat". Zuvor hatte Herdan die IHK Coburg mit ihren rund 8000 Mitgliedsunternehmen sowie den Wirtschaftsraum Coburg als "herausragend starken" Industrie- und Dienstleistungsstandort vorgestellt. Die Exportquote seiner Maschinenbau- und Automobilzulieferunternehmen liege bei rund 70 Prozent. Bei der Steuerkraft nehme die Stadt Coburg den dritten Platz in Deutschland ein. Nur der Landkreis München und Düsseldorf sind hier besser.

Herdan bestätigte, dass sich auch im Wirtschaftsraum Coburg der Blick auf die Konjunkturentwicklung eintrübe. Das liege beispielsweise an Zöllen, die die US-Regierung eingeführt hat, an den Haushaltsplänen der italienischen Regierung, an der Entwicklung in China und am bevorstehenden Abschied Großbritanniens aus der EU, dem Brexit. Dazu werde es immer schwieriger, den Fachkräftebedarf der Unternehmen aus dem Inland zu decken.

Für geboten hielt es der IHK-Präsident, dass die von der Bundesregierung angekündigten Steuersenkungen "längst überfällig sind", damit Deutschland drohenden konjunkturellen Einbrüchen vorbeugend entgegensteuern könne. Zudem seien sie, so Friedrich Herdan, wichtig, damit deutsche Unternehmen international wettbewerbsfähig bleiben können "und wir nicht das Land mit den höchsten Steuersätzen in der OECD werden". Wenn die Politik hier nicht rasch tätig werde, wirke sich "das sicher auf die Investitionstätigkeit unserer Unternehmen aus".

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
06. 12. 2018
18:26 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
06. 12. 2018
18:26 Uhr



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