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Coburg

Prozessauftakt im Fall des Toten im Kalenderweg

Ein Mann wird im Oktober 2018 in Coburg erstochen. Bis man seine Identität ermittelt, dauert es. Jetzt sitzt ein ehemaliger Arbeitskollege des Toten auf der Anklagebank.



Coburg - An einem Samstagabend im Oktober des vergangenen Jahres finden Passanten einen schwerverletzten Mann im Kalenderweg. Der Unbekannte stirbt noch in der Nacht im Krankenhaus infolge eines starken Blutverlustes. Gestern hat die Verhandlung des Falls vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg begonnen. Angeklagt ist ein 34-jähriger polnischer Staatsbürger, der sich wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten muss. Aber: "Es kommt auch Totschlag durch unterlassene Hilfeleistung in Frage," sagte der Vorsitzende Richter Christoph Gillot beim Prozessauftakt.

Laut Staatsanwältin Tatjana Winterholer haben sich am Tattag drei Männer in der Wohnung des Angeklagten getroffen und reichlich Bier und Wodka getrunken. Der Angeklagte und das Opfer, ein ebenfalls 34-jähriger Pole und Arbeitskollege, gerieten demnach wegen einer Kleinigkeit aneinander. So soll der Angeklagte die Fans eines Krakauer-Fußballvereins als Deppen bezeichnet haben, die mit Messern herumlaufen. Als sein Landmanns sagte, er habe auch ein Messer, soll die Sache aus dem Ruder gelaufen sein. Der mutmaßliche Täter soll ein Messer aus der Küche geholt haben und die 21 Zentimeter lange Klinge in die Außenseite des Knies und damit in die Knieschlagader seines Landmannes gestochen haben.

Der Mann schleppte sich schwer verletzt auf die Straße, wo er eine große Blutspur hinterließ, bis er bewusstlos vor einem Pkw liegen blieb. Durch den starken Blutverlust geriet der Verletzte in einen Schock. Er konnte nicht mehr gerettet werden.

Der Angeklagte will sich erst zu einem späteren Zeitpunkt zu den Tatvorwürfen äußern, er machte aber Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen. Da der Mann kein Deutsch spricht, stehen ihm zwei Dolmetscher zur Verfügung. Der 34-jährige berichtete von seiner Kindheit in Polen; im Alter von zehn Jahren habe er eine schwere Kopfverletzung erlitten, sei ins Koma gefallen. Zehn Jahre lang habe er in England gelebt und sei dort auch vorbestraft, sagte er. Nach Coburg sei er durch einen Bekannten im vergangenen Jahr gekommen, über eine Vermittlungsfirma habe er bei einem Unternehmen im nordöstlichen Landkreis Arbeit gefunden.

Am ersten Verhandlungstag gab eine Sachverständige mittels 3D-Scanner Einblicke in den Tatort. Auch Beamte der Kriminalpolizei Coburg wurden in den Zeugenstand geholt. Sie legten Bilder vor, die zeigten, dass der getötete Mann schwallweiße Blut verloren haben muss. "Der Mann hat etliche Meter eine hufeisenförmige Blutspur hinterlassen", so der Beamte. Die Beamten verfolgen demnach die Spur zurück bis in die Wohnung des Angeklagten. "Dort gab es Hinweise, dass man versucht hat, die Blutspuren zu verwischen." Den Angeklagten trafen die Beamten später auf der Straße an. "Er war auffallend nervös", so der Beamte.

Die Verhandlung wird am 7. Juni und am 12. Juni je um 9 Uhr am Landgericht Coburg fortgesetzt.

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Gabi Arnold
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Veröffentlicht am:
17. 05. 2019
17:36 Uhr

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Gabi Arnold

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17. 05. 2019
17:36 Uhr



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