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Coburg

Reden statt ausgrenzen

Bei der Feierstunde am späten Montagabend fordert der CC, auch Minderheiten in politische Debatten einzubeziehen. Vorher gibt es Proteste gegen den Fackelzug.



Säumten in früheren Jahren beim Fackelzug des Coburger Convent viele Zuschauer die Goethestraße, war das Interesse heuer sehr gering.	Fotos: Braunschmidt
Säumten in früheren Jahren beim Fackelzug des Coburger Convent viele Zuschauer die Goethestraße, war das Interesse heuer sehr gering. Fotos: Braunschmidt   » zu den Bildern

Coburg - Der traditionelle Fackelzug des Coburger Convents (CC) vom Ketschenanger zum Marktplatz am späten Montagabend war von Protesten und einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Grüne und Linke werfen dem CC vor, dass der Fackelzug an Nazi-Aufmärsche erinnere. Dies weist der CC zurück. Der Verband pflichtschlagender Landsmannschaften und Turnerschaften stehe in keiner Weise in der Nähe des Rechtsextremismus, sondern habe sich mehrfach von diesem klar und deutlich distanziert.

10.06.2019 - Coburger Convent 2019 - Fackelzug - Foto: Henning Rosenbusch

Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug
Coburger Convent 2019 - Fackelzug

Am Gräfsblock protestierten nach Polizeiangaben knapp 50 Demonstranten insbesondere gegen das Frauenbild des CC, der ein reiner Männerbund ist. Frauen seien nur "schmückendes Beiwerk", wurde kritisiert. In der Judengasse wurde das Video von Bücherverbrennungen in der Nazizeit gezeigt, an denen Studentenverbindungen beteiligt waren. Zudem skandierten CC-Gegner altbekannte Sprüche wie "Lieber ein Geschwür am After als ein deutscher Burschenschafter" oder "Deutschland ist scheiße". Sie mussten sich aber auch Unmutsbekundungen von Zuschauern des Fackelzugs und Besuchern der Feierstunde gefallen lassen. An einem Haus in der Goethestraße hingen Plakate, die sich gegen den CC richteten.

Der Protest der Gegner des Coburger Convents hielt sich aber, wie schon in den Vorjahren, in Grenzen. In einer ersten Bilanz am Montag kurz vor Mitternacht bezeichnete der Pressesprecher der Polizeiinspektion Coburg, Stefan Probst, den CC-Pfingstkongress 2019 als Veranstaltung ohne größere Störungen.

In seiner Rede zur Feierstunde am Marktplatz, die sich dem Fackelzug anschloss, erinnerte Dr. Matthias Donath von der präsidierenden Landsmannschaft Cimbria Freiburg an die friedliche Revolution in der DDR vor 30 Jahren. Er habe diese Ereignisse, die zum Untergang der DDR und zur Wiedervereinigung Deutschlands führten, als Schüler in Dresden miterlebt und könne sich an die großartige Aufbruchstimmung in den Jahren 1989 und 1990 erinnern. Sie sei getragen gewesen vom Bewusstsein, ein Regime gestürzt zu haben, "das sich für Ewigkeiten eingemauert hatte", und von der Freude, "dass es nun wieder einen deutschen Nationalstaat gab". Das Bewusstsein, Deutscher zu sein - im historischen wie im kulturellen Sinne - "ist auch aufgrund dieser Erfahrung im Osten Deutschlands stärker ausgeprägt als im Westen", betonte Donath.

Er erinnerte daran, dass die Wiedervereinigung für viele Menschen in der alten Bundesrepublik zu einer Worthülse geworden sei, "die politischen Eliten hatten die Teilung akzeptiert". Der Coburger Convent habe hingegen zu den wenigen Stimmen in der Gesellschaft gehört, die sich damit nicht hätten abfinden wollen. Donath: "Die Mahnstunde hier auf dem Coburger Marktplatz war ein mutiges Bekenntnis zur deutschen Einheit zu einem Zeitpunkt, als viele von ihr nichts mehr wissen wollten."

Diese Erfahrung sollte misstrauisch machen, "wenn Mehrheiten über Minderheiten bestimmen und gesellschaftliche Änderungen in Gang setzen, ohne dass ausreichende Debatten über die Grundlagen und Ziele unseres Gemeinwesens stattgefunden haben", sagte der Redner. Die Bundesrepublik sei heute eine andere als die vor 30 Jahren, "und nicht immer ist dieser Wandel so gestaltet worden, dass sich alle gesellschaftlichen Gruppen mitgenommen fühlen". In einem Nationalstaat, der sich laut Grundgesetz auf das "Deutsche Volk" gründet, müsse es möglich sein, "darüber zu diskutieren, wie viel Zuwanderung unser Land verträgt. Gleiches gilt für das Recht, neuen Sprachregelungen und Wertekonstruktionen kritisch gegenüberzustehen", betonte Dr. Matthias Donath.

Gerade unter der Generation, die die friedliche Revolution in der DDR gestaltet und erlebt hat, gebe es viele, die mit dem Zustand der Gesellschaft unzufrieden seien. Auf Augenhöhe könne man sich in einer Demokratie nach Überzeugung Donaths nur begegnen, wenn diese Gefühle ernst genommen und die Stimmen - auch von Minderheiten - Eingang in politische Debatten fänden. Donath: "Gesellschaftlichen Zusammenhalt erreicht man nicht durch Ausgrenzen, sondern durch Miteinanderreden."

Der Redner betonte, die Mitglieder der Landsmannschaften und Turnerschaften des Coburger Convents stünden nicht am Rand der Gesellschaft, sondern kämen aus deren Mitte. "Wir wollen diese Gesellschaft gestalten, wir wollen für sie Verantwortung übernehmen und den Zusammenhalt stärken." Freiheit bedeute Verantwortung. Deshalb dürfe man sich nicht selbst in Nischen zurückziehen, auch wenn dies manchmal bequem erscheine. "Wer dieses Land liebt, muss sich engagieren, in Gemeindevertretungen, Vereinen und Parteien, in der Mitte unseres Gemeinwesens." Der CC bleibe dabei: "Wir lieben Deutschland", und dies "nicht aus nationalistischer Verblendung, sondern aus Verantwortungsgefühl für unsere Gesellschaft und alle, die in ihr leben und sich zu ihren Werten bekennen".

Daher stünden die Turnerschaften und Landsmannschaften zu den Soldaten der Bundeswehr, "die die Freiheit und Sicherheit Deutschlands verteidigen, zu Polizisten, Richtern und Staatsanwälten, die die schwierige Aufgabe haben, auf die Bedrohung unserer Werte im Alltag zu reagieren. Daher stehen wir zu allen, die sich in den christlichen Kirchen, in Vereinen oder Parteien dafür einsetzen, dass unser Wertefundament nicht verloren geht. Daher stehen wir zu allen, die Meinungsfreiheit selbstbewusst für sich beanspruchen", betonte Dr. Donath.

Die Feierstunde endete mit dem Zapfenstreich und der Nationalhymne.

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Wolfgang Braunschmidt

Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
11. 06. 2019
00:56 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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11. 06. 2019
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