Topthemen: Globe TheaterHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

Coburg

Rege Beteiligung und ein wenig Hickhack

In Coburg startet das Volksbegehren "Artenvielfalt". Bis zum Mittag setzten 369 Personen ihre Unterschrift auf die Listen. Nicht alle finden das Wahllokal auf Anhieb.



Toni Münster will die Bienen retten. Er unterzeichnet am Donnerstag im Einwohneramt die Unterstützerlisten des Volksbegehrens "Artenvielfalt". Auf Yasmina Siegel und ihre Kolleginnen von der Stadtverwaltung kommt in den nächsten 14 Tage viel Arbeit zu.	Foto: Norbert Klüglein
Toni Münster will die Bienen retten. Er unterzeichnet am Donnerstag im Einwohneramt die Unterstützerlisten des Volksbegehrens "Artenvielfalt". Auf Yasmina Siegel und ihre Kolleginnen von der Stadtverwaltung kommt in den nächsten 14 Tage viel Arbeit zu. Foto: Norbert Klüglein  

Coburg - Peter Schrickel steht am Donnerstag Punkt 8 Uhr an der Tür zum Ämtergebäude in der Rosengasse. "Damit sichergestellt war, dass die Bürger ordnungsgemäßen Zugang zur den Abstimmungsräumen hatten", erzählt der Leiter des Coburger Einwohneramtes später vor Medienvertretern. Eine Menschenschlange soll es zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben haben. "Rege Beteiligung ist aber schon zu erkennen", stellt Schrickel gegen Mittag fest. Da haben bereits 369 Coburger ihren Namen auf die Unterschriftenlisten des Volksbegehrens "Artenvielfalt - Rettet die Bienen" gesetzt.

Auftakt in Neustadt

In Neustadt b. Coburg besteht die Möglichkeit sich in Zimmer 1, EG in der Austraße 101 b, einzutragen. (Mo., Mi. und Do. 8-16 Uhr; Di. 8-18 Uhr, Fr. 8-13 Uhr; 2. Februar, 10-12 Uhr und 12. Februar bis 20 Uhr) Uhr. Neustadts Kulturbürgermeister Martin Stingl trug sich gestern als Nummer 79 in die Liste für das Volksbegehren ein. "Ich bin der Überzeugung, dass das Insektensterben in der Tat ein großes Problem darstellt. Auf lange Sicht gesehen sogar ein existenzielles", sagte Stingl. In China müssten Bäume schon per Hand bestäubt werden, weil es keine ausreichenden Insektenflug mehr gibt. Soweit dürfe es hier nicht kommen. Wie der Bürgermeister betonte, sollte das Problem aber nicht auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen werden. pet

In Coburg müssen die Unterstützer der Aktion, die von ÖDP, LBV und Grünen landesweit ins Leben gerufen wurde und lokal auch von der SPD mitgetragen wird, ein wenig umdenken, wenn sie das Wahllokal finden wollen. Die Abstimmung findet nämlich nicht im Bürgerbüro im Erdgeschoss des Rathauses statt, sondern im Einwohneramt in der Rosengasse. "Heute standen schon mindestens 15 Leute vor den Büros im Rathaus und wollten wissen, wo sie sich eintragen können", berichtet Stadt-Pressesprecher David Schmitt.

 

Deshalb hatte die Stadtverwaltung am Montag ein großes Banner, das die Unterstützer des Volksbegehrens zur Verfügung stellten, als Orientierungshilfe am Rathausbalkon angebracht. Den Verantwortlichen trug das allerdings Ärger ein. Die Gegner des Volksbegehren betrachteten die Plakatierung als unerlaubte Werbung für die Aktion "Artenvielfalt" und erwirkten die Beseitigung (die NP berichtete) . Im Stadtrecht sei zwar festgelegt, dass keine Werbeanlagen am Rathausbalkon angebracht werden dürften, räumt Stadtsprecher Schmitt am Donnerstag ein. "Das vieldiskutierte Plakat haben wir aber eher als Orientierungshilfe und Kennzeichnung - nicht als Werbung - verstanden."

Um den Streit nicht zu vertiefen, entschließt sich die Stadt dann dazu, kleinere Hinweisschilder aufzustellen. Offenbar mit dem Ergebnis, dass die nicht sofort erkannt werden. Oberbürgermeister Norbert Tessmer hat in Sachen Volksbegehren den letzten Tage mehrfach seinen Kurs geändert. Erst hatte es geheißen, Tessmer werde sich bei der Pressekonferenz am Donnerstag in die Unterschriftenliste eintragen. Dann legte die Stadt Wert auf die Feststellung, der OB unterstütze das Volksbegehren als Privatperson, und nicht als Stadtoberhaupt. Schließlich wird der Termin abgesagt. Schmitt: "Der OB trägt sich irgendwann ein. Er möchte das aber nicht öffentlich tun."

In einem Statement, das Tessmer am Nachmittag veröffentlicht, weist er auf Untersuchungen zum Artensterben und auf die Bedeutung von Insekten hin, von denen für die Ernährung von Vögeln und die Bestäubung von Pflanzen viel abhänge. "Alle haben es gewusst, keiner hat etwas dagegen getan! Diesen Vorwurf will ich mich als Privatperson nicht aussetzen", betont der Coburger Oberbürgermeister. Wäre die Biene nicht in Gefahr, dann würden sich wohl nicht so viele Menschen für sie einsetzten.

Norbert Tessmer zitiert in seinem Statement ferner Prominente. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsministerin Julia Glöckner gehört auch der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick dazu. Der verweist auf die Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus, in der sich der Heilige Vater ausdrücklich für den Schutz der Artenvielfalt ausspricht. Schick: "Deshalb ist die Rettung der Beinen eine wichtige Forderung und Aufgabe. In diesem Sinne unterstütze ich das Volksbegehren."

Lokal gibt es in den nächsten Tagen weitere Aktionen von Aktivisten: Der Alpenverein will am Samstag mit 50 Mitgliedern vom Dammweg in die Rosengasse wandern. Anschließend möchten sich alle im Einwohneramt eintragen. Die Firma HABA hat einen Aufruf, sich am Volksbegehren zu beteiligen, an 2328 Mitarbeiter verschickt und Vorsitzende Ute Wiegand-Nehab vom Imkerverein 1852 hat schriftlich alle wahlberechtigten Mitglieder eingeladen, ihre Unterschrift zu leisten.

In Coburg sind laut Einwohneramt 31 600 Bürger wahlberechtigt. Um die Zehn-Prozent-Hürde zu nehmen, müssen also knapp 3200 Coburg im Einwohneramt erscheinen. Die Behörde hat zusätzlich zu den normalen Öffnungszeiten (Mo.-Do. 8-16 Uhr; Fr. 8-12 Uhr) zwei Sonderöffnungszeiten eingerichtet: am Samstag, 2. Februar, von 10 bis 12 Uhr und am Donnerstag, 7. Februar, bis 20 Uhr.

Autor
Norbert Klüglein

Norbert Klüglein

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 01. 2019
17:08 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Artenschwund Artenvielfalt Bundeskanzlerin Angela Merkel Dr. Ludwig Schick HABA Imkervereine Insektensterben Norbert Tessmer Papst Franziskus I. SPD Schutz der Artenvielfalt Stadtrecht Volksbegehren Wahllokale Ökologisch-Demokratische Partei
Coburg
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Breites Bündnis für das Volksbegehren "Rettet die Bienen" (von links). Wolfgang Weiß (Grüne), Thomas Büchner (ÖDP), Dominik Sauerteig (SPD), Frank Reißenweber (LBV), Simone Wohnig (ÖDP), Martina Benzel-Weyh (Grüne), Wolf-Rüdiger Weyh (Grüne), Dagmar Escher (Grüne), Stefan Beyer (Bund Naturschutz), Michael Dorant (Grüne) und Dietrich Pax (Öko-Landwirt).	Foto: Frank Wunderatsch

24.01.2019

Eine Unterschrift gegen das Artensterben

Auch im Coburger Land wirbt ein breites Bündnis für das Volksbegehren "Rettet die Bienen". Worum es den Unterstützern geht, erklären sie am Goldbergsee. » mehr

Wer wird neuer Coburger Landrat? Martin Stingl (SPD, links) oder Sebastian Straubel (CSU/Landvolk, rechts)? Sie stehen sich in der Stichwahl am Sonntag, 10. Februar, gegenüber. Das Bild entstand nach dem ersten Wahlgang am 27. Januar.	Foto: Norbert Klüglein

Aktualisiert am 06.02.2019

Die Kandidaten machen mobil

Die Beteiligung am ersten Durchgang der Wahl zum neuen Landrat war mit 45,9 Prozent miserabel. Sebastian Straubel und Martin Stingl hoffen, dass am Sonntag mehr Bürger ihre Stimme abgeben. » mehr

So sollen die Halle mit dem Zollinger-Dach (vorne) und die alte Pakethalle am ehemaligen Güterbahnhofgelände in der Coburger Südstadt einmal aussehen.	Entwurf: ArchiViva Architekten

20.03.2019

Vier Millionen Euro für die Pakethalle

Der Stadtrat beschließt den Umbau zu einem neuen Veranstaltungscenter. Vorher liefern sich die Fraktionen aber einen Schlagabtausch. » mehr

Wie viel darf die Sanierung des Landestheaters kosten? Die Vorsitzende der Altstadtfreunde lehnt eine "Billiglösung" ab. Denn Kulturausgaben, so Christa Minier, würden nicht nur langfristig die Region stärken.	Archivbild: Henning Rosenbusch

19.03.2019

Altstadtfreunde gegen Einsparungen beim Theater

Wer bei Kultur knausert, könnte am Ende draufzahlen: Davon ist die Vorsitzende der Altstadtfreunde überzeugt. Sie fürchtet, dass die Stadt bei der Sanierung des Theaters auf die Kostenbremse tritt. » mehr

Streuobstflächen wie hier in Moggenbrunn helfen Insekten und Vögeln. Auf diesem Areal wurden rund 30 Bäume mit alten Sorten wie weißer Wintertaffet, Pfalzgräfin und punktierte Sommerbirne gepflanzt. Bei der Begutachtung von links: Martin Flohrschütz, Frank Reißenweber, Hans Rebelein, stellvertretender Landrat Rainer Mattern und Rolf Rosenbauer.	Foto: M. Fleischmann

18.03.2019

Coburger Land als Vorreiter

Auch ohne Volksbegehren wird in der Region bereits viel für den Artenschutz getan. Seit 28 Jahren. Immer mit dabei: die Landwirte. » mehr

Die Mitglieder des Schul - und Kultursenats haben den Weg für die Sanierung der Scheuerfelder Schule freigemacht. Foto: Henning Rosenbusch

27.06.2018

Scheuerfelder Schule soll saniert werden

Die Mitglieder des Schul- und Kultursenats haben sich dafür ausgesprochen, das Gebäude zu erhalten. Ein Antrag aus den Reihen der SPD wurde abgelehnt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

WG: Misereor-Fastenaktion in Teuschnitz Teuschnitz

Misereor-Fastenaktion in Teuschnitz | 17.03.2019 Teuschnitz
» 11 Bilder ansehen

Männerballett Teuschnitz gewinnt in Auerbach Auerbach

Männerballett Teuschnitz gewinnt in Auerbach | 17.03.2019 Auerbach
» 13 Bilder ansehen

Vermisstensuche an der Rodach Kronach

Suchaktion an der Rodach | 16.03.2019 Kronach
» 22 Bilder ansehen

Autor
Norbert Klüglein

Norbert Klüglein

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 01. 2019
17:08 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".