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Coburg

"Restrisiko" Rocker

Ein Mitglied der Blood Red Section klagt gegen den Widerruf seines Waffenscheins. Dabei ist das Verhältnis seines Clubs zu den Hells Angels entscheidend.



Vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth ging es um das Verhältnis der Blood Red Section zu den Hells Angels. Foto: BillionPhotos.com - stock.adobe
Vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth ging es um das Verhältnis der Blood Red Section zu den Hells Angels. Foto: BillionPhotos.com - stock.adobe  

Bayreuth - Ein Mitglied des Rockerclubs Blood Red Section (BRS) aus dem südlichen Landkreis Coburg hat vor der ersten Kammer des Verwaltungsgerichts in Bayreuth gegen einen Bescheid des Landratsamtes Coburg geklagt. Die Behörde hatte sowohl die Waffenbesitzkarte als auch den kleinen Waffenschein des Mannes im Jahr 2016 widerrufen - und das, obwohl der Bundeszentralregisterauszug des Rockers keine Einträge enthält. Insgesamt waren acht Waffen auf ihn registriert. Welche genau, blieb bei der Verhandlung am Donnerstag unklar. Das Urteil wird die Vorsitzende Richterin Angelika Schöner am heutigen Freitag bekanntgeben.

Das Landratsamt hatte die Erlaubnis zum Führen von Waffen widerrufen, weil bei Ermittlungen in der Rockerszene die Mitgliedschaft des Klägers in der BRS bekannt geworden war. Auf Bildern sei er außerdem mit einer Jacke zu sehen, die einen Aufnäher mit dem Ein-Prozenter-Abzeichen trägt. Dieses Symbol benutzen laut bayerischem Verfassungsschutzbericht Rocker, die sich zu dem einen Prozent zählen, das Gesetze missachtet. Außerdem soll es sich bei der BRS um einen Unterstützer-Club der Hells Angels Hof City (HA) handeln. Wegen dieser Punkte fehle dem Kläger die notwendige Zuverlässigkeit zum Führen einer Waffe.

Der Darstellung der Behörde widersprach der als Zeuge geladene Präsident der BRS . Er führt mit dem Kläger einen bordellähnlichen Betrieb in Coburg. Bei seinem Motorradclub handele es sich um einen Zusammenschluss von Männern, die Spaß am Motorradfahren haben. Die BRS sei ein Verein, der Feste veranstalte und Ausfahrten unternehme. Es bestehe zwar eine Freundschaft zu den Hells Angels - und man unterstütze sich gegenseitig. Daraus erwachsen ihm zufolge aber keinerlei Verpflichtungen. Auf die Frage, was geschehe, wenn die Hells Angels in einem gewalttätigen Konflikt mit einem anderen Club Unterstützung brauchten, sagte er: "Das weiß ich nicht. So etwas ist noch nicht geschehen."

Ebenfalls als Zeuge geladen war der Präsident der Hofer Hells Angels. Er störte sich vor allem an der Auffassung der Behörden über die Ein-Prozenter: "Das hat nichts mit Gewalt und Kriminalität zu tun. Hier geht es um einen Lebensstil. Für uns steht der Club eben an erster Stelle." Beiden Zeugen war es wichtig zu betonen, dass ihre Clubs keine Gewalttaten verübten. "Früher waren wir Rowdys, aber nun sind die Mitglieder in die Jahre gekommen. Uns geht es nur um das Motorradfahren", erklärte der Hells-Angels-Präsident.

Kriminalkommissar Claus Hempfling zeichnete ein anderes Bild. Er ist Experte für die Rocker-Szene in Oberfranken. Nach seinen Worten sind die neun Clubs der Blood Red Section im Bezirk als Unterstützer für die Hells Angels gegründet worden. Bei einem Blick auf die Karte werde klar, wo die BRS einen Ring rund um Hof bildeten, wo die Hells Angels ihren Sitz hätten. "Sie machen sich für die Mitglieder der Hells Angels die Finger schmutzig", sagte Hempfling. "Sie übernehmen zum Beispiel Türsteher-Dienste bei Partys. Das ist aber ein Geben und Nehmen."

Die Supporter-Clubs gebe es, weil nicht alle Interessenten den strengen Anforderungen der Hells Angels entsprächen, zum Beispiel in Bezug auf die verfügbare Freizeit. "Wenn der Club ruft, müssen die Mitglieder kommen. In den Supporter Clubs sind die Regeln lockerer", führte der Polizist aus. Kennzeichnend sei, dass die BRS den Hells Angels zur Hilfe eilt, wenn es nötig ist. Dies sei zum Beispiel im Jahr 2016 geschehen, als die Szene mit Gewalt-Taten im Raum Hof auf sich aufmerksam machte. An den Tatorten hatten sich laut Hempfling Mitglieder der BRS aufgehalten.

Hempfling machte aber auch deutlich, dass er über die Blood Red Section, zu der der Kläger gehört, nichts Negatives sagen könne. Nach den Vorfällen im Jahr 2016 sei es in der Szene insgesamt ruhig geblieben.

Zum Schluss stellte Bernhard Haffke, Anwalt des Klägers, heraus, dass es sich bei der Blood Red Section nicht um eine kriminelle Vereinigung handle und dies hinreichend belegt sei. Die Mitglieder unterstützten demnach auch keinerlei kriminelle Aktivitäten. Die beiden Vertreter der beklagten Regierung von Oberfranken, Norbert Diehl und Carsten John, räumten in ihrem Plädoyer ein, dass es unwahrscheinlich sei, dass die BRS kriminelle Unterstützungshandlungen begehe - unmöglich sei das aber nicht. "Wir müssen im Waffenrecht jedes Restrisiko ausschließen", sagte Carsten John.

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Katja Diedler

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Veröffentlicht am:
06. 12. 2018
20:22 Uhr

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