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Coburg

Rezepte gegen Ärztemangel und Co.

Wie lässt sich das Gesundheitswesen vor Ort verbessern? Coburger SPD-Kandidaten stellten ihre Ideen vor.



Die Überalterung der niedergelassenen Ärzte ist eines der Probleme im Coburger Gesundheitswesen. Foto: Oliver Berg (dpa Archiv)
Die Überalterung der niedergelassenen Ärzte ist eines der Probleme im Coburger Gesundheitswesen. Foto: Oliver Berg (dpa Archiv)  

Coburg - Unter dem Motto: "Gesundheitsversorgung vor unserer Haustür" hat die Coburger SPD kürzlich in die Senioreneinrichtung "Am Park" eingeladen. Etliche ihrer Kandidaten zur Kommunalwahl sind beruflich im Gesundheitswesen tätig. Gabriele Morper, Matthias Neuf, Wolfram Krause, Denis Wester und die Ärzte Dr. Karlheinz Lindner, Friederike Beck-Meinke und Martin Lücke gaben dann auch einen Überblick über die vielfältigen Probleme im Gesundheitswesen vor Ort und erläuterten Lösungsvorschläge.

Neuf und Morper gingen zunächst auf die ambulante Pflege ein. Ihrer Meinung nach ließe sich zunächst einmal durch ein aktivierendes Quartiersmanagement die häusliche Pflege bei vielen Menschen hinausschieben, die ansonsten vereinsamen. Daneben könnte eine "Ambulante Nachtpflege" dazu beitragen, häusliche Pflege länger zu ermöglichen. Tagespflege und Kurzzeitpflege müssten in Coburg gestärkt werden. "Im Grunde geht es um eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf," so Gabriele Morper.

Wolfram Krause, im Hauptberuf Notfallsanitäter, wies darauf hin, dass in der Bevölkerung die Selbstverantwortung gestärkt werden müsse: "Wir alle helfen wirklich gern, wenn wir wirklich gebraucht werden, aber der Rettungsdienst ist kein Taxi rund um die Uhr". Eine echte gesellschaftliche Aufgabe sei es, Menschen für den Beruf zu interessieren. "Es kann nicht funktionieren, immer nur auf niedrige Personalkosten zu schielen: Die Hilfsorganisationen müssen attraktives Einkommen sicherstellen, um junge Menschen für sich zu gewinnen." Bei Ausschreibungen werde teilweise zu sehr auf den billigsten Anbieter geachtet, nicht aber auf denjenigen mit dem besten qualitativen Angebot, so Krause. Da müssten kommunale Zweckverbände umdenken, so Krause. Aus eigener Anschauung beschrieb die Klinikärztin Dr. Friederike Beck-Meinke dann den Paradigmenwechsel in der Medizin: Zeitmangel führe mehr und mehr dazu, dass der menschliche Kontakt weniger werde. "Während wir früher viele unbezahlte Überstunden geleistet haben, lassen sich das junge Kollegen nicht mehr gefallen", so Beck-Meinke. Und das sei auch richtig so. Kommunale Förderung müsse attraktive Teilzeit-Arbeitsmodelle ermöglichen, mit angemessenen Kita-Plätzen und passgenauer Pflege für die eigenen Eltern.

Dies ergänzte Dr. Karlheinz Lindner aus dem Blickwinkel einer niedergelassenen Praxis: Die Überalterung der niedergelassenen Ärzte sei auch der Tatsache der überlangen Arbeitszeiten geschuldet. Junge Kollegen würden dies nicht mehr wollen. Eine Einzelpraxis sei in Teilzeit aber nicht zu führen. Deshalb fordere er neue Formen der Kooperation. Keinesfalls dürften Privatkonzerne Kliniken und Praxen übernehmen: "Überzogene Gewinnerwartungen der Konzerne entziehen dem Gesundheitswesen das Geld, das wir für die Behandlung der Patienten brauchen", so Lindner.

Martin Lücke, Oberarzt am Klinikum Coburg, erläuterte im Anschluss die Komplexität des Regiomed-Konzerns mit 16 Untergesellschaften. Lücke rief dazu auf, die Chancen einer großen GmbH endlich konsequent zu nutzen. "Das Klinikum Coburg muss seiner herausgehobenen Verantwortung als Maximalversorger gerecht werden dürfen. Solange aber kommunalpolitisch motivierter Neid versucht, das große Klinikum Coburg zu einem vierten Kreiskrankenhaus im Konzern zurückzustutzen, wird Regiomed sich nicht erholen", so Lücke. Ein medizinisches Gesamtkonzept der Regiomed müsse die zentrale Rolle Coburgs anerkennen und konsequent weiterentwickeln. Es sei folgerichtig, dass der Krankenhausverband Coburg Bauträger des neuen Klinikums werde, so Lücke.

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14. 02. 2020
16:58 Uhr

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14. 02. 2020
16:58 Uhr



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