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Coburg

Riesige Blutlache widerlegt Aussage des Angeklagten

Polnischer Leiharbeiter will Saufkumpanen aus Versehen mit dem Messer verletzt haben. Gerichtsmediziner hält das aber für unglaubwürdig.



Riesige Blutlache widerlegt Aussage des Angeklagten
Riesige Blutlache widerlegt Aussage des Angeklagten  

Coburg - Im Oktober des vergangenen Jahres wird ein Mann in einer Blutlache liegend im Kalenderweg gefunden. Der Bewusstlose stirbt einige Stunden später im Klinikum. Jetzt stehen polnische Leiharbeiter in Coburg vor Gericht, die den Mann verprügelt und dann unversorgt liegen gelassen haben sollen.

Wie ein medizinischer Sachverständiger am zweiten Verhandlungstag vor der ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg aussagte, hätte der 34-Jährige leicht gerettet werden können. "Die Blutung hätte man relativ einfach mit einem kräftigen Druckverband stillen können." Diese lebensrettende Maßnahme sei bis zu dem Zeitpunkt, als der 34-Jährige bewusstlos wurde, möglich gewesen, so der Rechtsmediziner. Was genau an einem Samstagabend im Oktober des vergangenen Jahres in einer Wohnung im Kalenderweg passiert ist, versucht das Gericht zu rekonstruieren. Da die Beteiligten kein Deutsch sprechen, steht ein Dolmetscher zur Seite. Dennoch gestaltet sich die Vernehmung der Männer als schwierig.

Fakt ist, es war ein Streit unter polnischen Leiharbeitern, der letztendlich tödlich endet. Am Nachmittag des Tattages hat ein Saufgelage mit stattgefunden. Das Opfer soll eine Zufallsbekanntschaft gewesen sein, den die Polen vor einem Einkaufsmarkt getroffen und zum Zechen eingeladen haben. Irgendwann am frühen Abend sollen der mutmaßliche Täter und das Opfer aneinander geraten. Es ging wohl um unterschiedliche Meinungen zu den Fans einer Krakauer Fußballmannschaft.

Der Angeklagte gab am zweiten Verhandlungstag zu, das Opfer am Knie verletzt zu haben. Er habe sich demnach bedroht gefühlt und deshalb ein Messer aus der Küche geholt. Dieses habe er hinter dem Rücken versteckt, dann sei er wegen einer Fußverletzung gestürzt und habe quasi im Sturz in das Knie des Opfers gestochen. Danach soll der Verletzte sofort aus der Wohnung geflohen sein, obwohl der Angeklagte versucht haben will, ihn aufzuhalten.

Diese Version widerlegte der Gutachter allerdings: Es sei wahrscheinlicher, dass der getötete Mann auf einem Stuhl gegessen und das Knie zur Abwehr gehoben habe. So habe das Messer anstelle des Bauches die Schlagader des Knies getroffen.

Da in der Wohnung viel Blut gefunden wurde, müsse sich der Verletzte nach dem Angriff länger dort aufgehalten haben, meinte der Gutachter. "Bei der imposanten Blutmenge, muss es auch einem Laien durchaus gewusst gewesen sein, dass das schlecht ausgehen kann." Richter Gillot versuchte eine Brücke zum mutmaßlichen Täter zu bauen: "Laut dem Sachverständigen ist es gelogen, was Sie sagen. Wollen Sie uns jetzt die Wahrheit sagen", fragte er den Angeklagten. Der reagierte aber nicht.

Laut Gillot hat der Angeklagte versucht das Blut im Zimmer, im Flur und auf dem Pflasterbelag vor der Wohnung weg zu wischen. Er habe das Messer gereinigt und in die Schublade zurückgelegt. Das blutige Handtuch landete in der Mülltonne. Nach der Messerstecherei soll der mutmaßliche Täter seinen Mitbewohner, einen 38-jährigen Landsmann das Geschehen geschildert und um Hilfe gebeten haben. Der 38-jährige, der als Zeuge geladen war, bezeichnete das Opfer als Sinti. "Alle haben gerufen, dass das ein polnischer Zigeuner ist." Auf die Frage von Richter Gillot, warum er dem Verletzten nicht geholfen habe, meinte der Zeuge, dass er gerade mit seiner Freundin im Bett "beschäftigt gewesen wäre". Außerdem habe er eine Abneigung gegen Blut. Hier schritt Richter Gillot ein. "Wenn einer am Verbluten ist, dann gibt es den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung."

Schwierig war auch die Vernehmung eines dritten Mannes, der am Saufgelage beteiligt gewesen sein soll. Er gab an, die Wohnung vor der Tat verlassen zu haben. Der Mann, der den Spitznamen "Teufel" trägt meinte ferner: "Ich war zu besoffen, um mich zu erinnern."

Das Opfer hatte sich nach der Tat auf die Straße geschleppt und dort eine 60 Meter lange Blutspur hinterlassen, bis es hinter einem Auto bewusstlos zusammen gebrochen war. Eine Gruppe von jungen Leuten folgte der Blutspur, fand den Bewusstlosen, alarmierte die Polizei und den Rettungsdienst. Für das Opfer kam aber jede Hilfe zu spät. Die Identität des 34-jährigen konnte lange Zeit zunächst geklärt werden.

—————

Das Urteil wird am 12. Juni erwartet.

Autor

Gabi Arnold
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 06. 2019
15:24 Uhr

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Gabi Arnold

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Veröffentlicht am:
10. 06. 2019
15:24 Uhr



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