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Coburg

Rodachtal feiert Wiedervereinigung

Etwa 200 Menschen zieht es am Montag nach Adelhausen, um dort die Öffnung der Grenze zu feiern. Aber auch, um ein etwa 40 Zentimeter großes Bäumchen zu sehen.



Gedachten der Grenzöffnung vor 30 Jahren (von links): Thomas Petzold, DDR-Flüchtling, Tino Kempf, Bürgermeister von Straufhain, Rainer Möbus, Stadtrat im Bad Rodach, Tobias Ehrlicher, Bürgermeister von Bad Rodach, Rainer Mattern, stellvertretender Landrat von Coburg, Christian Rosenzweig, Pfarrer aus Bad Rodach.
Gedachten der Grenzöffnung vor 30 Jahren (von links): Thomas Petzold, DDR-Flüchtling, Tino Kempf, Bürgermeister von Straufhain, Rainer Möbus, Stadtrat im Bad Rodach, Tobias Ehrlicher, Bürgermeister von Bad Rodach, Rainer Mattern, stellvertretender Landrat von Coburg, Christian Rosenzweig, Pfarrer aus Bad Rodach.   Foto: Andreas Wolfger

Adelhausen - Lange spaltete die innerdeutsche Grenze das Rodachtal. Als am 18. November 1989 schließlich auch in Adelhausen die Grenze geöffnet wurde, feierten die Bewohner der benachbarten Gemeinden dieses Ereignis gemeinsam am Grenzübergang. Nach genau 30 Jahren trafen sich nun wieder etwa 200 Bad Rodacher und Straufhainer, um den Jahrestag sowie Zusammenwachsen von Ost- und Westdeutschland zu zelebrieren. Als besonderen Höhepunkt der Festlichkeiten präsentierten Vertreter der Gemeinden Bad Rodach und Straufhain ein etwa 40 Zentimeter hohes Bäumchen. Hierbei handelt es sich um die junge Eiche, die in der vergangenen Woche aus der Prager Botschaft geholt wurde (die NP berichtete) . Sobald sie groß genug ist soll sie als Zeichen für das Zusammenwachsen der Region an der Grenze in Adelhausen gepflanzt werden.

"Den Kontakt zur Prager Botschaft hat Kai Schachtebeck, für uns hergestellt. Das ist ein alter Bad Rodacher, der jetzt beim auswärtigen Amt in Berlin arbeitet", berichtet Rainer Möbus, Stadtrat in Bad Rodach. Dennoch habe es rund vier Wochen gedauert, bis sicher war, dass die Rodachtaler einen solchen Baum bekämen. "Das lag jedoch auch daran, dass der Botschafter zu der Zeit unserer Anfrage im Urlaub war", erklärt Möbus. Letztendlich sei man jedoch glücklich dass die Aktion so reibungslos geklappt habe.

Zusätzlich zur Eiche ließen die beiden Gemeinden auch eine neue überdachte Sitzgruppe für Wanderer und Radfahrer an dem früheren Grenzübergang aufstellen. "Es gab an dieser Stelle zwar schon in der Vergangenheit eine Sitzgruppe", erklärt Bad Rodachs Bürgermeister Tobias Ehrlicher. Die sei jedoch etwas in die Jahre gekommen. Also habe man sich seitens der Gemeinden gemeinsam dazu entschlossen, sie zu ersetzen. Von der alten Sitzgruppe unterscheidet sich das neue Ensemble unter anderem anhand einer Plakette mit der Aufschrift "Vergangenheit ist die Lehre der Zukunft", die an seiner Stirnseite unterhalb des Dachs angebracht ist. "Wer dies stets beherzigt, dem muss nicht bange werden, wenn er an die Zukunft denkt", erklärt Tino Kempf, der Bürgermeister von Straufhain, in seiner Festrede.

"Dass ein Staat, der seine Bürger ausspioniert und ihre Reisefreiheit einschränkt ein Unrechtsstaat ist, steht außer Frage", erklärt Kempf. Dennoch wolle er nicht der abertausendste Sprecher sein, der zum 30. Jubiläum der Wiedervereinigung das Unrecht der DDR anprangere. Vielmehr ginge es ihm darum aufzuzeigen, was dieses Ereignis dem vereinten Deutschland alles gebracht habe. So dürfe man beispielsweise nicht vergessen, dass die Ausbildung in der DDR sehr gut gewesen sei. Als die Grenze gefalle sei habe er selbst zu den jungen Leuten gehört, die dies ausgiebig gefeiert hätten. Jetzt würde er nach exakt 30 Jahren wieder an der Grenze stehen und sich darüber freuen, dass die Wiedervereinigung für so viele Menschen noch immer ein so wichtiges Ereignis sei.

"Leider ist es heute so, dass die Grenze in den Köpfen mancher Zeitgenossen noch immer besteht", erklärt Ehrlicher. Das sei ausgesprochen schade. "Gerade unsere Region hat von der Grenzöffnung sehr stark profitiert", betont der Bad Rodacher Bürgermeister. So seien nach der Grenzöffnung etwa 4000 neue Arbeitsplätze im Stadtgebiet von Bad Rodach entstanden. Gut 3000 dieser Stellen würden von Pendlern aus Thüringen besetzt. Der Erfolg gemeinsamer Aktionen wie der Jubiläumsfeier würden belegen, dass man auch in der Freizeit den Kontakt zueinander suche. Damit sei die Region in seinen Augen sowohl auf persönlicher als auch auf wirtschaftlicher Ebene fest miteinander verwoben. "Für mich steht fest, wir gehören einfach zusammen", erklärt Ehrlicher.

"Wir stehen hier an einem Ort, an dem vor gut 30 Jahren das unmögliche passiert ist", berichtete der Bad Rodachs Pfarrer Christian Rosenzweig. Er selbst sei, als die Grenze in Adelhausen geöffnet wurde, erst sieben Jahre alt gewesen und habe die Bedeutung dieses Ereignisses gar nicht richtig einschätzen können. Dennoch habe auch er als Kind damals wahrgenommen, dass etwas Unheimliches vor sich gegangen sei. "Ich erinnere mich noch daran, wie mir und meinem Vater in der Coburger Innenstadt fremde Menschen entgegenkamen, die uns fröhlich winkten, deren Augen jedoch traurig wirkten", berichtet er. Erst jetzt wisse er diese Begegnungen richtig zu deuten. "Die Menschen hatten vermutlich Freudentränen in den Augen", erklärt Rosenzweig.

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Andreas Wolfger
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Veröffentlicht am:
19. 11. 2019
17:46 Uhr

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Andreas Wolfger

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Veröffentlicht am:
19. 11. 2019
17:46 Uhr



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