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Coburg

Rödental: Unternehmer bangt um Existenz

Der Bahnübergang zwischen Waldsachsen und Oeslau soll modernisiert werden. Doch das wirft einen ganzen Berg von Problemen auf.



Der Bahnübergang bei Waldsachsen muss umgebaut werden .	Foto: Yannick Seiler
Der Bahnübergang bei Waldsachsen muss umgebaut werden . Foto: Yannick Seiler  

Rödental - In Zeiten von ICE-Zügen wirkt ein Bahnübergang aus dem Jahre 1957 veraltet - wie aus der Zeit gefallen. Das sehen auch die Planer der Hochgeschwindigkeitsstrecke Ebensfeld-Erfurt so. Und das haben sie den Mitgliedern des Rödentaler Bausenats in der Sitzung am Montag gesagt. Denn der Bahnübergang zwischen dem Stadtteil Waldsachsen und dem Industriegebiet an der Autobahnauffahrt zur A 73 in Oeslau muss erneuert werden, sonst schließt ihn die Bahn. Das ist aber nicht so einfach, wie man annehmen mag. Dass der Bahnübergang gar nicht mehr hätte betrieben werden dürfen, ist den Planern der Bahn erst aufgefallen, als der Bahnhof in Coburg für den ICE ausgebaut wurde.

Laut Lars Kretschmann, Teamleiter im Projektmanagement des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit, muss der Bahnübergang nun mit neuen Signalen und Schranken sowie neuer Elektronik ausgestattet werden. Grund ist die Nordeinschleifung der ICE-Züge nach Coburg. Denn sobald einer der Hochgeschwindigkeitszüge in den Bahnhof der Vestestadt fahre, müsse der Lokführer eines aus Richtung Rödental kommenden Regionalexpress wissen, dass er stehen bleiben muss. Die neue Signalanlage soll das gewährleisten. Auch im Stellwerk müsse deswegen einiges angepasst werden.

Noch darf die Bahn den Übergang mit einer Ausnahmegenehmigung betreiben. Sie läuft im Oktober aus. Dann müsste der Bahnübergang umgebaut sein. Obwohl die Planungen dafür bereits beim Eisenbahnbundesamt eingereicht worden sind, rechnet Kretschmann damit, dass sie erst in eineinhalb Jahren bewilligt werden. Also muss eine Übergangslösung her. Deswegen soll die alte Technik bis Oktober durch neue ausgetauscht werden. Dadurch könne der Bahnübergang eineinhalb Jahre bis zum vollständigen Umbau weiter betrieben und eine Schließung verhindert werden. Bis zur Jahresmitte 2023 sollen alle Bauarbeiten abgeschlossen werden.

Dadurch ergibt sich aber ein weiteres Problem. Und zwar, dass Lars Kretschmann verhindern möchte, dass Sattelschlepper, die von der Autobahn kommend nach links zum Feinkostbetrieb Bauer abbiegen, wegen ihrer Länge auf dem Übergang stehen bleiben, wenn sich die Schranken schließen. Denn durch die geschlossene Schranke könnten Autos, die vor dem Übergang warten, die Einfahrt versperren. So droht eine Kollision zwischen dem Hinterteil des Sattelschleppers und dem Zug. Deswegen soll vor der Schranke auf dem Gelände des Feinkostbetriebs eine Ampel installiert werden. Das Problem: Bis die Ampel in Betrieb geht, in eineinhalb Jahren also, dürfen Sattelschlepper nicht auf das Grundstück fahren, wo Feinkost Bauer eine Lastwagenwerkstatt für eigene und Kundenfahrzeuge betreibt.

Da die bisherige Verkehrsführung laut Geschäftsführer Detlef Bauer bisher problemlos funktioniert habe, verstehe er nicht, warum nun die Regelung geändert werden soll. "Für mich bedeutet das die Stilllegung unseres Betriebs", sagte er während der Sitzung des Bausenats. Bis zu 20 Lastwagen würden seinen Betrieb täglich anfahren. Deswegen sei für ihn als Unternehmer die Lösung der Bahn nur schwer nachvollziehbar. Er könne gegen die Bauarbeiten klagen, dann würde sich der Beginn verzögern, bis die Planung bewilligt ist. Eine Zwischenlösung sei dann nicht mehr nötig.

Dennoch möchte Bauer zusammen mit den Planern und der Stadt Rödental eine Lösung finden, bemängelt aber den derzeitigen Ausbauplan. Denkbar ist nun, entweder einen Wendeplatz unterhalb des Unternehmens zu bauen, damit die Lastwagenfahrer dort wenden und dann wieder in Richtung Autobahn auf die Straße auffahren, um sicher in die Werkstatt abzubiegen. Eine andere Lösung ist, die Werkstatt neben dem Unternehmen an einer sicheren Einfahrt neu zu bauen. Bereits für die erneute Frist von eineinhalb Jahren eine Ampel installieren dürfen die Planer laut Bahnregularien nicht.

Laut Bürgermeister Marco Steiner (FW) werde nun gerade der am besten funktionierende Übergang in Rödental umgebaut. Für ihn ist es wichtig, dass die Verbindung nach Waldsachsen und die Zufahrt zur Kläranlage an der Straße bestehen bleibt. Damit die Zwischenlösung gebaut werden kann, muss die Stadt nachweisen, dass sich während der vergangenen zehn Jahre kein Unfall wegen der Straßenbreite oder des Anstiegs ereignet hat. Laut Steiner sei das nicht der Fall gewesen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 Stundenkilometer bleibe bestehen.

Im Zuge des Umbaus sollen der an einer steilen Straße gelegene Bahnübergang abgeflacht und die Straße auf sechseinhalb Metern erweitert werden. Die Lastwagen sollen dann bestenfalls nicht mehr auf dem Übergang aufsetzen. "Schon jetzt sehen wir Kratzspuren auf dem Bahnübergang", sagt Kretschmann. Das bestätigt Bauer: "Jeden Morgen sammeln meine Mitarbeiter Teile auf, die sich Lastwagen am Bahnübergang abgefahren haben."

Nun liegt es an der Deutschen Bahn, der Stadt Rödental und Detlef Bauer eine Lösung für den Umbau des Übergangs zu finden. "Wir wollen verhindern, dass der Übergang geschlossen wird. Das will hier wohl keiner", sagte Lars Kretschmann.

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Yannick Seiler
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Veröffentlicht am:
22. 05. 2020
15:08 Uhr

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Yannick Seiler

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Veröffentlicht am:
22. 05. 2020
15:08 Uhr



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