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Coburg

Rückrufaktion bei Hauck

Stiftung Warentest entdeckt angeblich giftige Stoffe an einem Buggy. Die Firma spricht von einem Verdacht.



Rückrufaktion bei Hauck
Rückrufaktion bei Hauck  

Sonnefeld - Der Sonnefelder Kinderwagenhersteller Hauck ruft alle Buggys des Modells "Shopper Comfortfold" aus dem Produktionsjahr 2015 zurück. Dies bestätigte das Unternehmen auf Nachfrage der Neuen Presse. Hintergrund der Aktion ist eine erhöhte Konzentration von Chemikalien im Schiebegriff des Kinderwagens. Die giftigen Chlorparaffine waren im Buggytest der Stiftung Warentest aufgefallen.

"Im dem Kinderwagen fanden wir im Schnitt eine Schadstoffkonzentration von 30 Gramm", informiert der zuständige Projektleiter bei Stiftung Warentest, Nico Langenbeck. "Der Grenzwert liegt bei 1,5 Gramm, war also gut um das Zwanzigfache überschritten." Die Chlorparaffine lagern in den weichen Schaumstoffgriffen, die zum Schieben des Wagens dienen. "Eltern, Großeltern und mitunter auch größere Geschwisterkinder kommen in direkten Kontakt", heißt es von den Produkttestern. Und: "Mütter können den Schadstoff über die Haut aufnehmen und ihn mit der Muttermilch an ihr Baby weitergeben." Im Bereich Schadstoffe vergibt der Prüfbericht daher die Note "mangelhaft".

Klaus Lippert, Leiter der Qualitätsabteilung von Hauck, hat bislang weder von Kunden- noch von Behördenseite negative Rückmeldungen erhalten. Dennoch hält er die Rückrufaktion der Unternehmens für richtig. "Jetzt haben wir die Möglichkeit, das Produkt zu verbessern, auch wenn wir den Buggy rein rechtlich weiterverkaufen dürften." Denn: Die Firma hat die erhöhten Werte zwar an die Gewerbeaufsichtsamt in Nürnberg und den TÜV gemeldet, von keiner Behörde jedoch den Hinweis erhalten, das Produkt sei verkehrsunfähig. "Wir gehen daher davon aus, dass der Kinderwagen verkehrsfähig ist", meint Klaus Lippert. Insbesondere halte der TÜV Wien auch das GS-Zeichen ("geprüfte Sicherheit") für den Buggy aufrecht.

Den Rückruf habe das Unternehmen selbst veranlasst. Klaus Lippert betont: "Dass die Chlorparaffine in hohen Konzentrationen krebserregend sind, ist lediglich ein Verdacht." Und er sagt auch: "In unserer Firma setzen wir diese Schadstoffe überhaupt nicht ein, auch nicht in geringer Konzentration."

Wie aber ist das Chlorparaffin dann in die Griffe gelangt? Der Qualitätschef hat nachgeforscht. Inzwischen weiß er: "Der Lieferant der Schiebegriffe hat uns mit der englischen Variante ausgestattet." Denn in England werden Chlorparaffine in Textilien und Kunststoffen durchaus in erhöhter Konzentration eingesetzt, um einen besseren Flammschutz zu sichern. Liefert das Unternehmen nach England, müssen die dortigen Vorgaben für eine Entflammbarkeit beachtet werden. "Obwohl auch in England die Verwendung von Chlorparaffinen kritisch gesehen wird", so Klaus Lippert.

Produziert wird das Modell bereits seit 2013; im Umlauf sind seither gut 10 000 Buggys. "Betroffen sind allerdings nur Kinderwagen, die im Zeitraum vom 1. März 2015 bis zum Ende des Jahres hergestellt wurden", erklärt Yvonne Langguth aus der Marketingabteilung. "Die Kinderwagen aus der Produktion vor dieser Zeit sind definitiv nicht betroffen." Aus welcher Charge ein Buggy stammt, lässt sich leicht herausfinden: An der Unterseite befindet sich ein Aufkleber mit dem Produktionsdatum.

Dass Chlorparaffine krebserregend sind, ist lediglich ein Verdacht.

Klaus Lippert,

Leitung Qualität Firma Hauck

 
Der Grenzwert war um das Zwanzigfache überschritten.

Nico Langenbeck,

Projektleiter Stiftung Warentest

 
Info: Chlorparaffine

Chlorparaffine werden u.a. für die flammfeste Ausrüstung von Textilien und Kunststoffen eingesetzt. Sie haben flammhemmende Wirkung.

Als Weichmacher werden die Chlorparaffine hauptsächlich in Kunststoffen und Beschichtungen eingesetzt; sie finden sich auch als Bindemittel in Lacken, werden als Fettungsmittel für Leder- und Pelzwaren eingesetzt.

Chlorparaffine riechen nicht. Deshalb können Kinderwagenbesitzer die Stoffe nicht selbst erkennen. Eine Laboranalyse ist möglich, aber teuer.

Um zu verhindern, dass über den Griff eines Kinderwagens Schadstoffe aufgenommen werden, empfiehlt die Stiftung Warentest, den weichen Schaumstoff des Griffes zu entfernen. Oder aber zumindest Socken oder andere Textilien über den Schiebegriff zu streifen.

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Von Stefanie Karl
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Veröffentlicht am:
16. 03. 2016
00:00 Uhr

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Von Stefanie Karl

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Veröffentlicht am:
16. 03. 2016
00:00 Uhr



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