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Coburg

SPD setzt auf jungen OB-Kandidaten

Die Sozialdemokraten schicken Dominik Sauerteig in die Wahl des neuen Coburger Oberbürgermeisters. Thomas Nowak, der als Favorit gehandelt worden war, hat das Nachsehen.



Oberbürgermeister Norbert Tessmer (links) gratuliert dem neuen OB-Kandidaten der SPD, Dominik Sauerteig. Er setzte sich am Samstag im Kino Utopolis in einem zweiten Wahlgang gegen Thomas Nowak durch.	Fotos: Braunschmidt
Oberbürgermeister Norbert Tessmer (links) gratuliert dem neuen OB-Kandidaten der SPD, Dominik Sauerteig. Er setzte sich am Samstag im Kino Utopolis in einem zweiten Wahlgang gegen Thomas Nowak durch. Fotos: Braunschmidt   » zu den Bildern

Coburg - Im Saal 9 des Coburger Kinos Utopolis kann sich am frühen Samstagabend niemand daran erinnern, dass es so etwas schon einmal gegeben hätte. Zwei Männer - Dominik Sauerteig und Thomas Nowak - wollen Oberbürgermeisterkandidat der SPD werden, und im ersten Wahlgang erhalten sie jeweils 14 Stimmen. Nahezu jeder im Kino tippt darauf, dass nicht der zweite Wahlgang die Entscheidung bringt und auch nicht ein möglicher dritter, sondern am Ende das Los entscheiden muss, wer die Coburger Sozialdemokraten als Spitzenkandidat in den Kommunalwahlkampf führt. "Dann", sagt SPD-Stadtrat Martin Lücke, "wäre keiner der beiden beschädigt."

Dominik Sauerteig

Dominik Sauerteig ist in Coburg geboren. Er ist in leitender Position als Fachanwalt für Arbeitsrecht für die Gewerkschaft tätig.

Der 33-Jährige gehört dem Stadtrat von Coburg seit 2014 an. Er ist Vorsitzender des Vereins Hartz&Herzlich, der in Coburg ein Sozialkaufhaus betreibt.

Dominik Sauerteig engagiert sich in der Kirchengemeinde St. Marien und ist begeisterter Fahrrad- und Mountainbike-Fahrer.

Als sein gegenwäriges "Lieblings-Ehrenamt" bezeichnet er das Bürgerbegehren "Rettet den Rosengarten".


Aber es kommt anders: Im zweiten Wahlgang sprechen sich 16 Delegierte für Dominik Sauerteig aus, 12 für Thomas Nowak. Der 33 Jahre alte Jurist und Stadtrat Sauerteig reckt am Rednerpult mit einem für ihn seltenen Lächeln die Faust nach oben, während der 51-jährige 3. Bürgermeister der Stadt Coburg und langjährige Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Thomas Nowak, etwas zusammengesunken in seinem Sessel sitzt. Natürlich sei er enttäuscht, sagt Nowak in einer ersten Stellungnahme. Wie es jetzt für ihn politisch weitergehe, werde sich bei der Aufstellung der SPD-Stadtratskandidatenliste in einer Woche zeigen und eventuell nach dem 1. Mai 2020. Dann muss der neue Stadtrat entscheiden, wer 2. oder 3. Bürgermeister wird. Gewinnt Dominik Sauerteig die OB-Wahl nicht, dann hätte er, so denn die SPD bei der Besetzung der Bürgermeisterämter berücksichtigt wird, das Erstzugriffsrecht.

Dominik Sauerteig bedankt sich bei Thomas Nowak für einen "fairen Wahlkampf" und erinnert ihn an das gegenseitige Versprechen, sich im Oberbürgermeister- und Stadtratswahlkampf zu unterstützen. Das sichert Nowak zu, der sich als fairer Verlierer gibt und Sauerteig als erster gratuliert. Der OB-Kandidat bittet "alle Genossen, die jetzt enttäuscht sind, dass ich es geworden bin, an einem Strang zu ziehen". Das sei notwendig, um die Tradition der SPD-Oberbürgermeister in Coburg fortzusetzen, die der Vestestadt in den vergangenen 30 Jahren gut getan habe. Die SPD trete bei der Kommunalwahl im März 2020 an, "um weiterhin gute Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger Coburgs zu leisten", betont Dominik Sauerteig.

Oberbürgermeister Norbert Tessmer, dessen Amtszeit am 30. April 2020 endet, spricht von einem "spannenden Finale" bei der Wahl des SPD-OB-Kandidaten. Dass sich zwei Bewerber gegenüberstehen und am Ende einer gewinnt, sei gelebte Demokratie. Tessmer wünscht Sauerteig einen "guten Wahlkampf", den er unterstützen werde, und dankt Thomas Nowak, dass er sich der Kandidatenkür gestellt hat. Dies zeige, dass die Coburger SPD "Auswahl an politischen Talenten hat".

Dominik Sauerteig hat seine Kandidatur zuvor als "mutige Ansage eines jungen Mannes" bezeichnet, "der seine Heimat Coburg mag und die Lebenswirklichkeit für alle Bürgerinnen und Bürger an vorderster Stelle verbessern will". Eine Breitseite feuert der Jurist in seiner Bewerbungsrede gegen den mutmaßlichen OB-Kandidaten der Wählergemeinschaft Pro Coburg, Thomas Apfel, ab. Zwar fällt der Name nicht, aber jeder im Kinosaal weiß, wer angesprochen ist. "Wer meint, politische Quereinsteiger ohne Anbindung an Landes- und Bundespolitik oder Beschäftigung mit dieser könnten mühelos langjährig politisch aktive Menschen ersetzen, der verkennt die Notwendigkeit, in Bundes- und Landespolitik Weichen zu stellen für die Kommunen." Wer ehrlich sei, sage beispielsweise, dass ein dauerhaft kostenloser Öffentlicher Personennahverkehr auch auf dem Schulweg nur mit Unterstützung des Freistaates oder des Bundes zu bewerkstelligen sei. Gleiches gelte für die Kostenfreiheit der Betreuung in Kindertagesstätten und Krippen. Als Oberbürgermeister sehe er seine zukünftige Rolle "daher durchaus auch darin, Druck auf die Landes- und Bundespolitik zu machen. Und das wird kein Spaß für die Staats- und Bundesregierung oder unsere Abgeordneten", kündigt der Anwalt an, der in leitender Funktion für die Gewerkschaft tätig ist.

Kommunalpolitik sei häufig das Bohren dicker Bretter und das langatmige Organisieren von generationsübergreifenden Mehrheiten. Das habe Dominik Sauerteig in den vergangenen Jahren auch bei eigenen Projekten wie der Trendsportanlage an der Coje "leidvoll erfahren müssen". Alleine "Aktionismus und Trendhopping sind kein nachhaltiges Erfolgskonzept. Wer annimmt, als Seiteneinsteiger alles besser zu können, der verkennt gnadenlos den Wert langatmiger politischer Arbeit", so Sauerteig.

Er warnt davor, Coburg nur über die Innenstadt zu definieren. Die Bedürfnisse in den Stadtteilen müssten ernster genommen werden, "vielleicht sogar mit jährlichen Budgets zur selbstbestimmten Verwendung der Bewohner". Das müssten keine großen Summen sein. Sauerteig: "Auch kleine Beträge können zu einer Steigerung der Wertschätzung führen."

Er spricht sich für die Stärkung des Wirtschaftsraums Coburg aus und setzt dabei auf die Zusammenarbeit mit dem Landkreis. Er will, dass der Krankenhausverbund Regiomed in kommunaler Hand bleibt und spricht sich für einen Krankenhausneubau auf der Lauterer Höhe aus. Er befürwortet den sozialen Wohnungsbau in Verantwortung der Stadt, redet einer Steinwegvorstadt das Wort, die "analog zur Ketschenvorstadt ein beliebter Lebens- und Verweilort für alle Generationen wird", und sieht Handlungsbedarf im Bereich Mobilität, wobei er mit Blick auf das Coburger Umland nicht nur Busse und Bahnen nennt, sondern auch Auto und Fahrrad. Er betont, dass ihm der Umwelt-, Natur- und Klimaschutz am Herzen liegt, ebenso eine Sozialpolitik, "die die Bedingungen des Aufwachsens verbessert, Armut verhindert und bekämpft und die alternde Gesellschaft gestaltet".

Am Ende bittet Dominik Sauerteig um Unterstützung. Wenn die Coburger Sozialdemokratie geschlossen auftrete und "den sicher mutigen Weg mit mir an der Spitze (...) wählt, dann steckt in uns enorm viel Kraft, da bin ich mir absolut sicher", so der Oberbürgermeisterkandidat.

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Wolfgang Braunschmidt

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24. 11. 2019
10:34 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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24. 11. 2019
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