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Coburg

Schwarzer Schwan für Park Rosenau gesucht

Kuriose Kontaktanzeige: Der Schlosspark Rosenau sucht für seinen schwarzen Schwan einen Zeit- und Artgenossen.



Ein Foto des alten Schwanenpaares, bevor der Fuchs zugeschlagen hat.   Foto: Bayerische Schlösserverwaltung » zu den Bildern

Rödental - Es ist eine recht ungewöhnliche Kontaktanzeige, die die Bayerische Schlösserverwaltung auf ihrer Homepage veröffentlicht: "Schwarzer Schwan gesucht für den Schwanensee im Park Rosenau". Die beiden schwarzen Schwäne, sogenannte Trauerschwäne, gehören schon viele Jahre zum typischen Bild der Rosenau; im Mai aber verschwand eines der Tiere spurlos. Seitdem sucht der Leiter der Gartenabteilung, Steffen Schubert, nach einem neuen Partner für den verbliebenen Vogel. "Und das ist alles andere als einfach", sagt Schubert. Deshalb bittet die Schlösserverwaltung nun um die Mithilfe der Bürger.

Das erwartet den Neuen

Der Trauerschwan ist der einzige fast völlig schwarze Schwan und stammt ursprünglich aus Australien. Er hat den längsten Hals aller Schwäne und seine Flügelspannweite beträgt zwischen 160 und 200 Zentimeter.

 

Seine Federn sind schwarz. Lediglich die Schwungfedern sind weiß, aber nur im Flug bei ausgebreiteten Flügeln zu sehen. Der Schnabel ist leuchtend rot.

 

Um sich in die Luft erheben zu können, benötigen die Trauerschwäne eine lange Anlaufphase: 40 bis 50 Meter. Wichtig sind daher große freie Wasserflächen.

In Schloss Rosenau erwartet die Trauerschwäne ein See, der gut zwei Hektar groß ist. Erst Anfang Juli wurde zudem ein neues Schwanenhaus von der Schlösserverwaltung fertig gestellt - gebaut wurde es nach einer historischen Zeichnung aus dem Jahr 1850.

 

Den Winter über leben die Tiere in einem eigenen Quartier, das über einen Wasserzugang verfügt. "Sie werden dann jeden Tag gefüttert", erklärt Steffen Schubert.

 

Wer einen schwarzen Schwan abgeben möchte, meldet sich bei der Schlösserverwaltung unter

09561/3084-10

 

"Schwarze Schwäne", erläutert Steffen Schubert, "gibt es einfach nicht so oft." Und wenn, dann wollen die Eigentümer meist nur ein Schwanenpaar abgeben, aber kein Einzeltier. Überhaupt gäbe es die Schwäne vor allem in Norddeutschland oder im Ausland. "Holland, Österreich", listet Steffen Schubert beispielhaft auf.

Seit 2009 lebte das aktuelle Schwanenpaar auf dem See in der Rosenau; beide stammen aus Österreich. "Wir waren zufrieden mit den beiden", sagt Schubert, der seit Monaten Kleinanzeigen und Vogelbörsen durchstöbert.

Als der zweite Schwan im Frühjahr verschwand, machten sich Mitarbeiter auf die Suche - und fanden nach ein par Tagen Knochen und Federn in einem Gebüsch. "Er wurde vermutlich von einem Fuchs gerissen", bedauert Steffen Schubert.

Dabei gehe es nicht nur darum, dem verbliebenen Schwan die Einsamkeit zu ersparen. "Schwäne spielen eine ganz besondere Rolle in der Geschichte von Schloss Rosenau", weiß der Mitarbeiter der Schlösserverwaltung. "Es heißt, Queen Victoria habe die Schwäne in die Rosenau gebracht, zum Zeichen der Trauer um ihren früh verstorbenen Ehemann und Coburger Prinzen Albert, der in der Rosenau geboren wurde."

An diesen historischen Fakten möchte die Schlösserverwaltung gerne festhalten und Steffen Schubert sagt: "Es ist ein mystisches Bild." Zusätzlich habe Queen Victoria Trauerweiden pflanzen lassen, um dem Gedenken an ihren geliebten Mann zu ehren. Gemeinsam war das Paar allerdings nur einmal auf Schloss Rosenau: Im August 1845 anlässlich des 26. Geburtstages von Prinz Albert. Nach seinem Tod im Jahr 1861 besuchte Queen Victoria dann aber noch mehrmals Alberts Geburtshaus in Coburg, das erste Mal knapp ein Jahr später, 1862. "Sie wohnte jedes Mal auf in Schloss Rosenau", erzählt der Rödentaler Hobbyhistoriker Dietrich Schulz. Der Garten, weiß er, habe bereits im Kindesalter für Albert und seinen Bruder Ernst als Stätte einer Art ökologischen Ausbildung gedient. "Es gab Vogelvolieren, Gemüse wurde angebaut - und es gab Turngeräte für die kleinen Prinzen." Im Oktober 1862 ließ Victoria den Garten im Gedenken an ihren Mann umgestalten; ob damals auch die Schwäne einzogen, ist ungewiss. Schulz selbst fand keinen Beleg dafür.

Im Staatsarchiv Coburg blättert derweil Archivrat Dr. Alexander Wolz durch historische Akten, auf der Suche nach Hinweisen über die Trauerschwäne. Er wird - wider Erwarten - fündig: Eine Akte aus dem Jahr 1880 beschäftigt sich mit dem Unterhalt der Schwäne auf den herzoglichen Teichen. "Das war ein Teil der Hofgeschäfte", bestätigt Wolz. "Und es ist immerhin ein ganzer Akt entstanden, der sich nur mit den Schwänen befasst." Immer wieder "crepierte" eines der Tiere; die Schloßhauptmannschaft, zuständig für die bauliche Betreuung der herzoglichen Gebäude, musste sodann für "neuerliche Schwäne" sorgen.

Einmal wurden die Tiere bis nach Gotha geschickt; eine Liste gibt Auskunft über Einnahmen und Ausgaben der Züchtung. "8,94 Mark Überschuss im Jahr 1885", liest der Archivrat. Wann die Trauerschwäne genau in die Rosenau kamen, geht auch aus diesem Schriftwechsel nicht hervor.

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10. 08. 2017
11:50 Uhr

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