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Coburg

Sie gehen Streife, damit andere ruhig schlafen können

Seit elf Jahren gibt es die Sicherheitswacht der Polizei Neustadt. Sieben Ehrenamtliche sorgen dafür, dass es im Stadtgebiet weniger Randale gibt.



Gern gesehen sind Sabine Eibel und Andreas Großmann von der Sicherheitswacht Neustadt auch beim Country Festival, wo sie immer wieder freundlich begrüßt werden. Foto: Rebhan
Gern gesehen sind Sabine Eibel und Andreas Großmann von der Sicherheitswacht Neustadt auch beim Country Festival, wo sie immer wieder freundlich begrüßt werden. Foto: Rebhan  

Neustadt - Samstag, 21 Uhr: Während andere ihr Wochenende genießen, ist für Sabine Eibel und Andreas Großmann Dienstbeginn. Die beiden Neustadter leisten ehrenamtlich Dienst bei der Sicherheitswacht der Polizeiinspektion Neustadt. Pünktlich erscheinen sie in Uniform auf der Dienststelle der Polizei, um sich vom Dienstgruppenleiter Jürgen Eckardt letzte Instruktionen zu holen. "Wir besprechen immer, ob es irgendwelche Schwerpunkte gibt, denen wir besondere Aufmerksamkeit schenken sollen", erklärt Sabine Eibel. In dieser Nacht ist es das Country-Festival in der Mörikestraße.

Bevor sie auf Streife gehen, nehmen sie noch ihre Ausrüstung an sich. Mit einem Digitalfunkgerät, Taschenlampe, Erste-Hilfe-Set und einem Reizgasspray für alle Fälle ausgestattet, geht es auf die Straße. "Heute nehme ich noch einen Alkomaten mit", meint Andreas Großmann und eilt schnell zur Dienststelle zurück. "Wir werden jetzt nicht jeden, der uns begegnet, einem Alkoholtest unterziehen, außerdem können wir niemanden dazu zwingen", erklärt er. Es gehe nur darum, bei Auffälligkeiten festzustellen, ob Alkohol im Spiel ist. "Bei einem begründeten Verdacht und entsprechenden Umständen ziehen wir dann natürlich die Polizei hinzu", betont er.

In diesem Zusammenhang stellt er klar, dass er und die anderen sechs Mitglieder der Sicherheitswacht keine "Hilfssheriffs" seien: "Wir haben keine Polizeigewalt. Wir unterstützen die Polizei lediglich bei ihrer Arbeit." Großmann tut das seit elf Jahren und ist damit seit Gründung der Sicherheitswacht in Neustadt dabei. Sabine Eibel kann auf sechs Dienstjahre zurückblicken. Angesprochen auf die Intention, die sie veranlasste, sich in den Dienst der Sicherheitswacht zu stellen, steht bei beiden das bürgerschaftliche Engagement im Vordergrund. "Es ist immer gut, wenn man andere unterstützt", sagt die ehemalige Kaufhausdetektivin.

Busfahrer Andreas Großmann erinnert sich daran, dass es an seinem Wohnort am Hindenburgplatz immer wieder zu Randale gekommen sei. Betroffene Anwohner starteten damals eine Unterschriftenaktion und trugen Oberbürgermeister Frank Rebhan und Günter Eppler von der Polizei Neustadt ihr Anliegen vor. "Für mich war von Anfang an klar, ich kann nicht nur meckern, ich muss auch was tun. So bin ich zur Sicherheitswacht gekommen", erzählt Großmann. Am Festgelände treffen er und Sabine Eibel auf die Mitglieder der dort tätigen Sicherheitsfirma. Ein kurzes Gespräch: "Keine Vorkommnisse". "Wir gehen aber trotzdem über das Gelände, einfach um uns sehen zu lassen", erklärt Sabine Eibel. Freundlich, fast wie gute Bekannte, werden beide dabei immer wieder angesprochen und begrüßt. "Wir werden von der Bevölkerung voll und ganz akzeptiert", stellt Großmann fest. In Neustadt sei es ruhiger geworden, seit es die Sicherheitswacht gibt. "Die Sachbeschädigungen sind in den letzten Jahren um 50 Prozent zurückgegangen", unterstreicht der Busfahrer.

Vor dem Festivalgelände treffen er und Sabine Eibel eine Gruppe junger Leute. "Sind Sie schon 18?", fragt Andreas Großmann höflich einen rauchenden jungen Mann. "Rauchen ist erst ab 18 Jahren erlaubt", erklärt er seinen Vorstoß. Als der Angesprochene sofort seinen Ausweis zücken will, lässt er die Sache auf sich beruhen. Weiter geht es zum Freizeitpark. Ein Blick über den Zaun bestätigt, dass auch hier alles ruhig ist. Eine feste Tour haben die Mitglieder der Sicherheitswacht nicht. "Wir wollen ja nicht ausrechenbar sein", erläutert Sabine Eibel. "Das heißt auch, dass wir an einer Stelle, die wir kontrolliert haben, nach kurzer Zeit wieder auftauchen können." Für Andreas Großmann ist es wichtig, dass die Bevölkerung die Sicherheitswacht unterstützt, indem man Hinweise gibt, wo genauer hingeschaut werden soll. Die Sicherheitswacht ist nicht nur auf die Kernstadt fixiert. Auch Außenbezirke und die Stadt Rödental gehören zu ihrem Terrain. Dafür steht ihnen ein ziviles Dienstfahrzeug zur Verfügung.

Das Ende der Damaschkestraße ist für Fahrzeuge gesperrt. Ein Autofahrer will offensichtlich den Weg dennoch nutzen, dreht aber plötzlich um. "Der hat uns gesehen und hat es sich anders überlegt", vermutet Andreas Großmann. Gegen 22.15 Uhr sind Samba-Trommeln in der Puppenstadt zu hören, die nichts mit dem Country-Festival zu tun haben. Es dauert nicht lange, bis sich die Dienststelle meldet und die Sicherheitswacht informiert, dass sich ein Bürger über den Lärm beschwert habe. Sabine Eibel und Andreas Großmann werden beauftragt, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Ursache ist schnell gefunden: Bei einer Geburtstagsfeier in einem Lokal trat kurz eine Samba-Gruppe aus Coburg auf. Auch hier müssen die Mitglieder der Sicherheitswacht nicht weiter einschreiten.

Insgesamt gehen die Bürger respektvoll mit der Sicherheitswacht um. "In den sechs Jahren meiner Zugehörigkeit bin ich nur einmal beleidigt worden", berichtet Sabine Eibel. Gegen Mitternacht endet der Dienst. Wer sich für die Tätigkeit in der Sicherheitswacht interessiert, kann sich bei der Polizei Neustadt oder im Internet (www.sicherheitswacht.bayern.de) über Aufgaben, Voraussetzungen und Aufwandsentschädigung informieren.

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Martin Rebhan
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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
17:14 Uhr

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Martin Rebhan

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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
17:14 Uhr



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