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Coburg

"Störfeuer zur Unzeit"

Wer stellt den nächsten CSU-Kandidaten für die Bundestagwahl? Zwischen Coburg und Kronach geht es hoch her.



Coburg/Kronach - Bewusste Provokation oder einfach nur ein "Testballon"? Mit seiner Forderung, angesichts des Abschneidens bei der Europawahl müsse der nächste CSU-Bundestagabgeordnete aus Kronach kommen, hat sich der Kronacher Landtagsabgeordnete und CSU-Kreisvorsitzende Jürgen Baumgärtner bei den Christsozialen in Stadt und Landkreis Coburg keine Freunde gemacht. "Klappern gehört zum Handwerk und jeder hat seinen eigenen Stil", spricht CSU-Kreisvorsitzender René Boldt (Stadt) von einem "Störfeuer zur Unzeit". Für sein Pendant im Landkreis, MdL Martin Mittag, vergleicht Baumgärtner "Äpfel mit Birnen."

Bei der Europawahl am Sonntag entfielen in der Stadt Coburg 33,35 und im Landkreis 41,42 Prozent der Stimmen auf die CSU, während die Christsozialen aus dem Frankenwald mit 47,59 Prozent das oberfrankenweit beste Ergebnis einfuhren. Das Abschneiden nimmt Jürgen Baumgärtner zum Anlass, ein Ende des bisherigen Automatismus‘, wonach der CSU-Kandidat im Bundestagswahlkreis Coburg-Kronach aus Coburg kommt, zu fordern. Es sei "kein Geheimnis, dass nach Jahren der Mandatsbesetzung durch die Freunde aus Coburg nun Kronach an der Reihe ist", so der 46-Jährige. Doch damit nicht genug. 33,35 Prozent seien die Quittung für die Politik vor Ort, schiebt Baumgärtner den Schwarzen Peter der Coburger CSU zu.

Das sieht Rene Boldt gänzlich anders und spricht von einem "typischen studentischen Großstadtergebnis". Schönreden wolle er das Abschneiden keinesfalls, aber "wir haben hier 5000 Studenten bei 40 000 Einwohnern". Der CSU-Kreisvorsitzende verweist auf Bayreuth, wo ebenfalls die Grünen deutlich zulegen konnten. So gesehen habe sich die CSU in Coburg tapfer behauptet. Sein Rat an Baumgärtner: "Erst nachdenken, dann was sagen." Auch in punkto Bundestagswahlkreis-Kandidat hat Boldt eine klare Haltung: Nicht die Herkunft dürfe der Maßstab sein, sondern das Können.

Auch für des CSU-Landtagsabgeordneten Martin Mittag sind Stadt und ländliche Regionen bei Wahlen zwei Paar Stiefel. "Jürgen Baumgärtner vergleicht Äpfel mit Birnen", stellt der CSU-Kreisvorsitzende Coburg-Land klar. Überhaupt hätten am Sonntag im Landkreis 2000 Wähler mehr ihr Kreuz bei der CSU gemacht als bei der Europawahl vor fünf Jahren. Mittag: "Wir waren in Stadt und Land insgesamt nicht schlecht und sind auf einem guten Weg."

Dagegen bekräftigt Baumgärtner seinen Vorstoß. "Ich werde durchsetzen, dass es in der nächsten Nominierungsrunde einen Kronacher Kandidaten geben wird". Denn wechselnde Kandidaten hätten die Coburger Kollegen seit 50 Jahren "machtpolitisch und eiskalt" verhindert. Parteiintern sei die Nominierungsfrage ein Dauerthema. Als nächsten Schritt schlägt Baumgärtner eine Basisbefragung der Mitglieder der Kronacher Ortsverbände vor. Anschließend müsse man zusammen mit den Coburgern bei der Bundeswahlkreiskonferenz einen gemeinsamen Kandidaten nominieren.

"Wir werden einen Kronacher Kandidaten finden, der etwas kann und das auch schon im richtigen Leben bewiesen hat", ist die Antwort Baumgärtners auf die Kritik von Rene Boldt. Um die künftigen Herausforderungen der CSU zu lösen, sollte man bei der Analyse richtig liegen, rät Baumgärtner seinem Partei-Kollegen. Diese entbehre aber einer "ehrlichen und schonungslosen Aufarbeitung". Baumgärtner sei der Überzeugung, dass sich das politische Establishment in solchen Fällen "grundsätzlich die Taschen voll lügt".

 
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sche, Yannik Seiler
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Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
17:20 Uhr

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sche, Yannik Seiler

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Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
17:20 Uhr



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