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Coburg

Theater reißt 100-Millionen-Euro-Marke

Das Bauamt stellt vier Varianten für die Generalsanierung und Erweiterung des Kulturtempels vor. Der Stadtrat erschrickt über die Explosion der Kosten.



Bis zu 110 Millionen Euro könnte nach heutigem Stand die Generalsanierung und Erweiterung des Landestheaters Coburg kosten. Zur Umsetzung des Projekts hat das Staatliche Bauamt Bamberg dem Stadtrat am Donnerstag vier Varianten vorgestellt.	Foto: Archiv Henning Rosenbusch
Bis zu 110 Millionen Euro könnte nach heutigem Stand die Generalsanierung und Erweiterung des Landestheaters Coburg kosten. Zur Umsetzung des Projekts hat das Staatliche Bauamt Bamberg dem Stadtrat am Donnerstag vier Varianten vorgestellt. Foto: Archiv Henning Rosenbusch  

Coburg - Als Jürgen König, Leiter des Staatlichen Bauamts Bamberg, am Dienstagnachmittag die Zahl nennt, geht ein Ächzen und Stöhnen durch den Coburger Stadtrat. Auf etwa 110 statt der bisher genannten 60 Millionen Euro schätzt König die Kosten, die für die teuerste Variante der Generalsanierung und Erweiterung des Landestheaters Coburg zu veranschlagen sind. Dafür bekäme Coburg ein von den Räumen über die Haustechnik bis hin zur Bühneneinrichtung von Grund auf erneuertes Haus. Es wäre komplett barrierefrei, also behindertengerecht. Zudem würden zusätzliche Räume im benachbarten Palais Kyrill, in der Remise sowie in einem neuen Gebäudekomplex unterhalb der Zufahrt zum Schlossplatz geschaffen. Diese "Unterführung", an die Funktionsräume angedockt sind, würde gleichzeitig die Verbindung zwischen dem Haupthaus und seinen neuen Gebäuden am Fuße des Festungsberges herstellen.

Allerletzte Verlängerung

Die Betriebserlaubnis für das Landestheater Coburg am Schlossplatz könnte nochmals verlängert werden, und zwar bis zum 1. Juli 2021. Das sei die "absolut letztmalige" Genehmigung, sagte Peter Cosack, Leiter des städtischen Hochbauamts, auf Nachfrage von Barbara Kammerscheid (SBC) am Dienstag im Stadtrat. Cosack liege diese Zusage des Brandschutzprüfers bislang allerdings nur mündlich vor. Er warte jetzt auf die schriftliche Bestätigung.

 

Diese Konstruktion ist bautechnisch äußerst aufwendig, vor allem wegen des notwendigen Unterfangens der Gebäude am Festungsberg. Teuer, "aber machbar", wie Jürgen König betonte. Wenngleich er später flapsig anmerkte, er könne die Sorge nicht ganz verdrängen, "dass das Palais Kyrill in die Baugrube fällt" und archäologische Funde zu zeitlichen Verzögerungen führen.

 

Variante 2 sieht statt eines Tunnels eine Brücke über die Straße vor. Weil dann Räume fehlen, ist ein Neubau in der Nachbarschaft des Palais Kyrill notwendig. Nachteil: Dem Landestheater fehlen dann 400 Quadratmeter Nutzfläche. Vorteil: Die Kosten sinken auf 95 Millionen Euro.

Variante 3 geht ebenfalls von einer Brücke aus, sieht aber ein zusätzliches Gebäude auf dem Parkplatz oberhalb des heutigen Theater-Verwaltungsgebäudes an der Oberen Klinge vor. Es wäre allerdings weder mit der Remise und dem Palais Kyrill, noch mit dem Landestheater selbst verbunden. Das würde der Verbesserung der Funktionalität widersprechen, die mit der Erweiterung des Landestheaters erreicht werden soll. Die Kosten für diese Alternative werden vom Bauamt mit 105 Millionen Euro angegeben.

Variante 4 wäre für etwa 90 Millionen Euro zu haben. Auch sie geht von einem Neubau auf dem Parkplatz aus. Verzichtet wird hingegen auf die Brücke zum Haupthaus. Das bedeutet: Es gibt bei diesem Entwurf keinerlei "witterungsunabhängige" Verbindung, mit der die einzelnen Gebäude bei Schnee und Regen trockenen Fußes erreicht werden können.

Kaufmännischer Direktor Fritz Frömming erklärte, dass für das Landestheater die Varianten 1 und 2 die "funktional richtigen" wären. Zuvor hatte Frömming die Kostensteigerung verteidigt. Die grobe Schätzung von 60 Millionen Euro stamme aus dem Jahr 2013. Rechne man diesen Betrag unter Berücksichtigung der Teuerungsrate auf das Jahr 2018 um, "kommt man in eine Größenordnung von 85 bis 95 Millionen Euro". Bedacht werden müsse zudem, dass mit der Generalsanierung und Erweiterung ein langfristig zukunftsfähiges Theater geschaffen werden solle, das so wirtschaftlich wie möglich betrieben werden könne. Dafür seien kurze Wege notwendig. Denn es sei, wie Frömming an einem Beispiel erläuterte, ein Unterschied bei den Betriebskosten, ob Kulissenteile täglich zwischen der Werkstatt in Cortendorf und dem Theater am Schlossplatz transportiert werden müssen, oder ob sie im Haupthaus für die Zeit der Aufführung gelagert werden können, mithin teuere Lkw-Fahrten entfallen. Solche Positionen müssten in die betriebswirtschaftliche Berechnung einfließen. Zudem gelte es, endlich die Anforderungen an den Arbeits- und Brandschutz zu erfüllen, woraus sich unter anderem der größere Raumbedarf des Theaters ergebe.

Zur Bauzeit, die das Hochbauamt mit vier bis fünf Jahren angibt, wollte sich Fritz Frömming nicht festlegen. "Die ist nur geschätzt. Ich brauche doch nur einen Holzwurm im Gebälk zu finden, dann dauert das sieben Jahre."

Hans-Heinrich Ulmann (CSB) warnte davor, angesichts der Kosten in "Kleinklein" zu denken. Das Bauprojekt trage über mehrere Generationen, "es wird unsere Lebenszeit überdauern". Wichtig sei, den Flächenbedarf des Theaters zu decken. Ulmann: "Lasst uns an den Varianten weiterarbeiten, die die Zukunftsfähigkeit des Landestheaters dauerhaft sichern."

Fritz Frömming wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Freistaat Bayern die Kosten der Generalsanierung des Landestheater mit 75 Prozent bezuschusst. Das Land ist auf der Grundlage des Staatsvertrags von 1920 Eigentümerin des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. Für die Erweiterungen, die in der ersten Planung nicht vorgesehen waren - beispielsweise die Nutzung des Palais Kyrill -, fließen 50 Prozent an staatlichen Geldern. Frömming sprach von einer "gigantischen Investition des Freistaats in diese Stadt". Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) unterstrich, wie herausragend diese Förderung sei.

Trotzdem wies Kämmerin Regina Eberwein darauf hin, dass der Stadtrat nicht vergessen dürfe, welche Projekte er noch angeschoben hat, die Millionen von Euro kosten werden: die Entwicklung des Güterbahnhofgeländes, den Bau des Globes als Übergangsspielstätte für das Theater und späteres Veranstaltungszentrum, den sozialen Wohnungsbau, die Erneuerung von Schulen und Sportstätten. "Das alles muss man in einen Rahmen bringen", mahnte Regina Eberwein. Sie appellierte an den Stadtrat, nicht noch weitere Projekte anzugehen.

Bettina Lesch-Lasaridis (SPD) meinte, jedem im Stadtrat sei klar gewesen, dass 60 Millionen Euro für die Generalsanierung und Erweiterung des Landestheaters nicht ausreichen würden. Sie forderte, die Maßnahme zügig umzusetzen: "Je länger wir da rummachen, umso teurer wird es." Es müsse dann aber "für 50, 60 Jahre Ruhe sein". Hans-Herbert Hartan (CSU) warnte davor, die Planung abzuspecken, um dann aber den Bedarf des Landestheaters nicht zu erfüllen. "Mit halben Sachen kommen wir nicht voran. Entweder wir machen es gescheit, oder wir sagen, wir machen es gar nicht."

Jürgen Heeb (Pro Coburg) fehlte bei den Angaben des Staatlichen Bauamts Bamberg eine Berechnung der Folgekosten. "Die müssen in die Matrix", forderte auch Max Beyersdorf (CSU/JC). Peter Kammerscheid kritisierte die lange Planungszeit für das Landestheater sowie die Angaben zur Bauzeit und zu den Kosten: "Ich hätte mir gewünscht, dass uns da von Anfang an reiner Wein eingeschenkt worden wäre." Zudem habe er nichts dazu gehört, wie während der Umbauzeit "mit dem Schlossplatz umgegangen wird". Dort finden zahlreiche Veranstaltungen statt, von Open-Air-Konzerten über das Schlossplatzfest bis zum Flohmarkt.

Auf Nachfrage von Gerhard Amend skizzierte Oberbürgermeister Norbert Tessmer den Zeitplan. Noch im Dezember soll ein Abstimmungsgespräch im bayerischen Wissenschaftsministerium stattfinden. Anschließend werde über die Varianten zur Generalsanierung und zur Erweiterung des Landestheaters im Stadtrat beraten. Das soll Anfang nächsten Jahres geschehen.

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
27. 11. 2018
20:30 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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27. 11. 2018
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