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Coburg

Totschlagprozess: 15 der 20 Messerstiche waren tödlich

Rechtsmediziner legt im Totschlagsprozess sein Gutachten vor. Das Ehepaar soll in Hassliebe verbunden gewesen sein. Das Urteil fällt am 8. Juli.



15 der 20 Messerstiche waren tödlich
15 der 20 Messerstiche waren tödlich  

Coburg - "Sie konnten nicht miteinander und nicht ohneeinander." Diese Einschätzung eines Polizisten, der am Mittwoch im Verfahren um die Tötung einer jungen Frau durch ihren getrennt lebenden Ehemann am Landgericht Coburg Angaben machte, war im Lauf des Prozesses auch von anderen Zeugen zu hören. Die Aussagen zeichnen das Bild einer qualvollen Beziehung, die in eine Katastrophe mündete.

Die Ermittler stellten fest, dass das Opfer in seiner Wohnung in Coburg durch 20 Messerstiche zu Tode gekommen war. Der 35-Jährige Angeklagte hat die Tat gestanden, ohne Details zu nennen (die Neue Presse berichtete). Wie ein anderer Polizeibeamter aussagte, habe sich der Angeklagte kurz nach der Tat am 19. November letzten Jahres gestellt. Der 35-Jährige sei blutbefleckt auf der Polizeiwache erschienen und habe gestammelt: "Ich habe meine Frau umgebracht." Er sei ruhig sitzen geblieben und habe sich dann widerstandslos festnehmen und vernehmen lassen.

Nach Einschätzung von Professor Dr. Peter Betz vom Erlanger Institut für Rechtsmedizin waren 15 der 20 Messerstiche tödlich. Viele Organe der Frau seien getroffen worden. Der Sachverständige ging von einem Todeskampf über lange Minuten aus. Während der Beschuldigte das Gutachten regungslos verfolgte, verließ die Mutter der Getöteten laut weinend den Gerichtssaal.

Ein Kollege von der Polizeiinspektion Neustadt erklärte der Schwurgerichtskammer, die unter dem Vorsitz von Richter Dr. Christoph Gillot tagte, dass die Polizei einige Male habe ausrücken müssen, weil es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen dem Angeklagte und der Getöteten gekommen sei. Beleidigungen, Drohungen und Körperverletzung habe die Frau dem Beschuldigten vorgeworfen. Dies sei auch weitergegangen, als sich die türkische Frau schon von ihrem ebenfalls aus der Türkei stammenden Mann getrennt hatte.

Anfangs, so der Polizeibeamte, sei es um Geld gegangen, da bei der am Ende siebenköpfigen Familie immer knapp gewesen wäre. Als die Scheidung im Raum stand, drehten sich die Auseinandersetzungen häufig darum, wer das Sorgerecht für die fünf Kinder haben sollte. Auch Eifersucht sei beim Angeklagten im Spiel gewesen, sagte der Polizist. Der Ehemann glaubte, seine Frau habe einen anderen gehabt.

Nachdem einen Verhandlungstag zuvor Familienangehörige der Getöteten den Angeklagten als unzuverlässig, aggressiv und gewalttätig geschildert hatten, beschrieb am Mittwoch eine Zeugin das Opfer als einen labilen Menschen, der zwar seine Kinder über alles geliebt und gut erzogen habe, aber mit dem Leben in Deutschland überhaupt nicht zurecht gekommen sei. Bei der Zeugin handelte es sich um die richterlich bestellte Betreuerin der fünffachen Mutter. Dass das Paar in einer Art Hassliebe verbunden war, drückte sie mit denselben Worten wie der zuvor befragte Polizist aus.

Dass sie ihre Kinder erst zu einer Pflegefamilie und dann in ein Heim geben musste, darunter habe die Frau sehr gelitten. "Seit die Kinder weg waren, war sie krank in der Seele", sagte die Betreuerin. Dazu sei gekommen, dass ihr der bereits getrennt lebende Mann nachstellte.

In der elfmonatigen Betreuungszeit habe die Zeugin zwar nie mitbekommen, dass der Angeklagte gegenüber seiner Frau gewalttätig geworden sei. Doch sie habe der Betreuerin berichtet, dass sie in der Ehe oft von dem 35-Jährigen geschlagen worden wäre. Der Noch-Ehemann soll die Frau außerdem aus seinem Auto heraus beobachtet haben. Ferner habe er über Handy oft wissen wollen, wo sie sich aufhalte. "Der Angeklagte ist schon ein Kontrollfreak", meinte die Zeugin.

 

Das Verfahren soll mit den Schlussvorträgen von Anklage und Verteidigung sowie dem Urteil am Montag, 8. Juli, abgeschlossen werden. Beginn ist um 9 Uhr.

Autor

Mathias Mathes
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Veröffentlicht am:
19. 06. 2019
16:48 Uhr

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Autor

Mathias Mathes

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Veröffentlicht am:
19. 06. 2019
16:48 Uhr



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