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Coburg

Totschlagsprozess: Familie erhebt schwere Vorwürfe

Im Totschlagsprozess sagen Bruder und Mutter des Opfers aus. Sie berichten von ständiger Gewalt in der Ehe.



Familie erhebt schwere Vorwürfe
Familie erhebt schwere Vorwürfe  

Coburg - Die Familie der Frau, die ein 35-Jähriger Türke aus Coburg mit 20 Messerstichen getötet hat, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Angeklagten. So sagte die Mutter des Opfers am Montag vor dem Schwurgericht des Landgerichts Coburg, dass der 35-Jährige ihre Tochter und Ehefrau des Beschuldigten immer wieder geschlagen oder sie mit dem Tod bedroht habe.

Der 35-Jährige hatte zum Prozessauftakt am Freitag zugegeben, seine ebenfalls aus der Türkei stammende Frau mit einem Messer in deren Wohnung getötet zu haben. Die Mutter von fünf Kindern war am 19. November vergangenen Jahres an den Wunden verblutet (die Neue Presse berichtete). Nach der Version des Angeklagten hatte das Opfer keinen geringen Anteil am Scheitern der Ehe und dem zu den Messerstichen führenden Streit.

Ganz anders klangen die Aussagen des Bruders und der Mutter der Getöteten am Mittwoch. "Er hat nur Stress gemacht", so der Bruder über den Beschuldigten. Das sei schon mit der Eheschließung losgegangen. So hätten die Eltern des 35-Jährigen dafür gesorgt, dass der Angeklagte das Opfer, seine Cousine, in der Türkei standesamtlich geheiratet habe. Seine Familie, so der Bruder, habe erst im Nachhinein davon erfahren, dann aber in Deutschland für die Kosten der Hochzeitsfeier aufkommen müssen.

Als der 35-Jährige nach Coburg gekommen sei, wo seine Frau mit ihrer Familie schon lebte, habe es praktisch von Beginn Ärger gegeben, so der Bruder weiter. Er habe sie immer wieder geschlagen, selbst vor ihren Eltern. Auch zum Sex habe er sie gezwungen, sagte der Zeuge, und häufig gedroht: "Ich bring dich um." Der 35-Jährige hatte angeführt, dass seine von ihm zu dieser Zeit bereits getrennt lebende Ehefrau eine Beziehung zu einem anderen Mann hatte. Der Bruder verneinte das. Vielmehr könne er nachvollziehen, dass sich seine Schwester von dem Angeklagten habe trennen wollen. "Mit dem kann man nicht normal reden", meinte der Zeuge. Er sei schnell aggressiv und handgreiflich geworden, nicht nur gegen seine Frau, sondern auch gegen andere Mitglieder ihrer Familie.

Ähnliches sagte die Mutter des Opfers. Zu einem drastischen Vorfall soll es in der Türkei gekommen sein. Der Angeklagte und sein Vater hätten sie und ihren Ehemann verprügelt. Die Mutter habe einen Nasenbeinbruch erlitten und ihr Gesicht sei voller blauer Flecken gewesen. Gewalt gegen ihre Tochter habe der 35-Jährige ständig angewandt. "Ich habe oft gesehen, dass er meine Tochter geschlagen hat", so die Mutter.

Nicht nur der Vorsitzende Richter Dr. Christoph Gillot wunderte sich, warum das Opfer oder die Mutter nicht zur Polizei gegangen sind. Dies habe zum einen daran gelegen, dass er immer gedroht habe, ihr die gemeinsamen Kinder wegzunehmen, wenn sie nicht einlenke. Zum anderen seien auch die Mitglieder ihrer Familie immer wieder vom Angeklagten oder dessen Familienmitgliedern bedroht worden.

Kaum Gutes berichtete auch ein Landsmann des Angeklagten. Er habe ihm eine Stelle gegeben, obwohl ihm bald zu Ohren gekommen sei, dass der 35-Jährige wenig zuverlässig sei. Auch ihm habe die Getötete gesagt, dass ihr Mann sie oft schlage. Schließlich sei dem Zeugen ein neues Handy abhanden gekommen. Er habe den Angeklagten in Verdacht, es gestohlen zu haben. Kurz darauf sei das Arbeitsverhältnis beendet gewesen.

Der gewaltsame Tod der Mutter von fünf Kindern hat Spuren bei ihrer Familie hinterlassen, wie eine an den Angeklagten gerichtete Drohung des Bruders des Opfers beim Verlassen des Gerichtssaals ahnen ließ. Einige türkische Worte richtete er an den Angeklagten. Richter Gillot ließ eine Dolmetscherin übersetzen: "Wir werden dich sehen, mein Sohn, wir werden dich sehen."

Die Verhandlung wird morgen, Mittwoch, 19. Juni, um 9 Uhr fortgesetzt.

Autor

Mathias Mathes
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Veröffentlicht am:
17. 06. 2019
19:20 Uhr

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Mathias Mathes

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Veröffentlicht am:
17. 06. 2019
19:20 Uhr



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