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Coburg

Traditionsfahne findet nach Hause

Seit 100 Jahren ist die SPD aus Ebersdorf nicht wegzudenken. Mit einem Festakt wurde dieses Jubiläum gebührend gefeiert. Dabei gibt es eine besondere Überraschung.



Lange war sie verschollen: die Fahne des SPD-Ortsvereins Ebersdorf. Im Rahmen der 100-Jahrfeier konnte sie wieder in die Obhut des Vereins übergeben werden (von links): 2. Bürgermeister Joachim Hassel, Vorsitzende Sabine König und "Fahnenträger" Ronald König.	Foto: Martin Rebhan
Lange war sie verschollen: die Fahne des SPD-Ortsvereins Ebersdorf. Im Rahmen der 100-Jahrfeier konnte sie wieder in die Obhut des Vereins übergeben werden (von links): 2. Bürgermeister Joachim Hassel, Vorsitzende Sabine König und "Fahnenträger" Ronald König. Foto: Martin Rebhan  

Ebersdorf/C. - Es waren drei SPD-Ortsvereine, die 1919 aus der Taufe gehoben wurden: Am 23. Februar 1919 trafen sich Sozialdemokraten zur Gründungsversammlung in Frohnlach. Einen Monat später schlossen sich die Genossen in Ebersdorf zusammen. Am 3. Juni 1919 folgte Großgarnstadt. Am 30. Juni 2007 verbanden sich die drei Ortsvereine unter dem Namen SPD Ebersdorf. Dass die Vorsitzende des Ortsvereins, Sabine König, am Samstag, bei der 100-Jahrfeier, von einem 300. Geburtstag sprach, war daher nicht weit hergeholt.

Als Festredner konnte der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Matthias Dornhuber (Fürth) gewonnen werden. In seinem mit viel Applaus bedachten Vortrag ging er nicht nur auf die Geschichte der SPD ein, sondern durchleuchtete auch die Sozialdemokratie von heute. So stellte er fest, dass sich in den vergangenen 100 Jahren ein unvorstellbarer gesellschaftlicher und politischer Wandel vollzogen hat, der aber eine Konstante habe: die SPD. "Und dies seit 156 Jahren in Deutschland und nun schon seit 100 Jahren in Ebersdorf", sagte Dornhuber.

Keinen Hehl machte er daraus, dass den Sozialdemokraten heute ein rauer Wind entgegen weht. "Bundes- und Landtagswahlen waren ein Schlag in den Nacken", kommentierte der 36-jährige Franke die jüngsten Wahlergebnisse und machte den Anwesenden gleich wieder Mut: "Wir haben viel schwerere Zeiten überstanden, und der enorme Andrang bei unseren Regionalkonferenzen hat gezeigt, dass die SPD lebt", betonte Matthias Dornhuber. Zuversichtlich zeigte er sich, als er meinte: "Unsere über 400 000 Mitglieder sind noch auf dem Platz und wollen spielen, wollen weiterkämpfen für eine bessere Welt."

Klare Worte fand er zu der Behauptung, dass die Sozialdemokratie sich selbst überlebt hätte, weil sie ihre Ziele erreicht hat. "Nichts könnte falscher sein", rief er den Gästen des Festabends zu. Dornhuber weiter: "Die eigentlichen Aufgaben liegen noch vor uns. Wir müssen dem globalen Kapitalismus und die globalen Märkte so zum Wohle aller einhegen, wie uns das im nationalen Rahmen bereits einmal gelungen ist." Nach seinen Worten hat die SPD sehr viel für die Menschen im Land bewirkt, leider finde dies nicht die Beachtung, die das Erreichte verdient hätte.

Dornhuber wäre kein Sozialdemokrat, wenn er in Ebersdorf nicht den Rechtsruck in der Gesellschaft thematisiert hätte. "Zusammenhalt, ein Bekenntnis zur Demokratie und zur freien Gesellschaft ist heute wieder so nötig wie nie", betonte der Politiker und fügte unter dem Beifall seiner Zuhörer hinzu: "Die SPD war und ist das Bollwerk gegen Rechtsextremismus, Populismus, Hass, Gewalt und Menschenfeindlichkeit jeder Art. Sie war es 1918/1919, sie war es 1933, und sie ist es heute wieder." Folgerichtig zitierte Dornhuber aus der Rede des Sozialdemokraten Otto Wels vom 23. März 1933, als sich die SPD als einzige Partei im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz der Nazis aussprach. Dem gespannt lauschenden Publikum rief er die letzten Worte dieser Rede in Erinnerung: "Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht."

Abschließend stellte Dornhuber fest: "In die SPD tritt man nicht ein, um Applaus zu erhalten, sondern weil man sich mit den Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität identifiziert."

Einen interessanten Rückblick auf 100 Jahre SPD Ebersdorf präsentierten Vorsitzende Sabine König und ihr Stellvertreter Michael Butz. Auf ihrer Zeitreise durchleuchteten sie nicht nur Stationen im Vereinsleben, sondern gingen auch auf weltpolitische Ereignisse ein. Großen Dank sagte Sabine König dem Ehrenvorsitzenden Günther Reißenweber, dem es gelungen sei, eine prächtige Chronik zu erstellen.

Angesichts der Erfolge, die die SPD in der Vergangenheit für die Menschen erzielt habe, warnte Kreisvorsitzender Carsten Höllein davor, zu viel Pathos zu pflegen. Selbstkritisch meinte er: "Die SPD hat nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen." Für ihn gelte, nicht in der Vergangenheit schwelgen, sondern Gegenwart zu gestalten und Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Auch er griff die Rede von Otto Wels auf und betonte: "Dieses Erbe verpflichtet uns heute, den völkischen fremdenfeindlichen, illiberalen Umtrieben von Höcke und Konsorten und anderen politischen Gegnern unser Demokratie klar und deutlich entgegenzutreten." Bezirksvorsitzender Jörg Nürnberger lobte die Gründungsväter der Ebersdorfer SPD, die vor 100 Jahren eine zukunftsweisende Entscheidung getroffen hätten.

"Die SPD ist in Ebersdorf eine feste Größe", stellte 2. Bürgermeister Joachim Hassel (SPD) fest. Er dankte Sabine König, dass sie sich 2011 an die Spitze des Ortsvereins gestellt hat und diesen seither mit sicherer Hand führe. "Wir sind stolz auf dich", betonte Hassel. Für die Vorsitzende hatte er eine Überraschung parat. Seit vielen Jahren war die Vereinsfahne verschollen. Einem Zufall ist es zu verdanken, dass diese wieder aufgetaucht ist und den Weg zu Joachim Hassel gefunden hat. Im Rahmen der 100-Jahrfeier konnte er die Fahne an den Ortsverein übergeben.

Umrahmt wurde der Festabend von vier jungen Damen des Radsportvereins "Solidarität" Frohnlach und neun Tänzerinnen der Gruppe "Dance 4 fun" aus Mitwitz, die mit ihren Darbietungen das Publikum begeisterten.

Autor

Martin Rebhan
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Veröffentlicht am:
03. 11. 2019
16:26 Uhr

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Martin Rebhan

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Veröffentlicht am:
03. 11. 2019
16:26 Uhr



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