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Coburg

Umweltschutz mit der Brechstange

Die Stadt Neustadt will nachhaltiger mit Natur und Ressourcen umgehen. Das kostet Geld und die Überwindung alter Gewohnheiten. Dennoch herrscht Optimismus.



Durch die Bewirtschaftung des stadteigenen Forstes, wie hier am Muppberg durch den Harvester, wird die Atmosphäre stärker entlastet, sagt Revierförster Frank Wystrach. Foto: Tischer
Durch die Bewirtschaftung des stadteigenen Forstes, wie hier am Muppberg durch den Harvester, wird die Atmosphäre stärker entlastet, sagt Revierförster Frank Wystrach. Foto: Tischer  

Neustadt - Gerade erst hat der Verwaltungssenat ein Klimaschutzkonzept inklusive Energienutzungsplan verabschiedet, da legt der Natur- und Umweltsenat noch eine Schippe drauf: Das Gremium billigte einstimmig das vom Baureferat erarbeitete "Konzept zur nachhaltigen Nutzung städtischer Flächen unter ökologischen Gesichtspunkten", basierend auf einem Antrag der SPD-Fraktion. Die von der ÖDP ergänzend zum SPD-Antrag vorgebrachten Belange wurden dabei weitgehend berücksichtigt.

"Wir haben uns mit dem städtischen Bauhof, der Unteren Naturschutzbehörde, dem Forstrevier Neustadt und dem Fachbereich für Arten und Biotopschutz zusammengesetzt und hier ein Pamphlet erstellt, das gezielter alle bisher durchgeführten Einzelmaßnahmen als ökologische Gesamtkonzeption bündelt", fasste Stadtplanerin Christine Schirmer zusammen. Die Stadt will demnach im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege beitragen und sich so verhalten, dass Natur und Landschaft nicht mehr als nach den Umständen unvermeidbar beeinträchtigt werden. Weiter sind bei der Bewirtschaftung von Grundflächen im Eigentum oder Besitz der öffentlichen Hand die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege in besonderer Weise zu berücksichtigen.

Der Umweltsenat ist sich weiter darüber bewusst, dass diese Maßnahmen nicht zum Nulltarif zu haben sind. So könnten damit eine Umstrukturierung im Personalbereich, eventuell sogar eine saisonbedingte Aufstockung des Bauhofpersonals und der Bauverwaltung sowie die Anschaffung notwendiger Maschinen wie Balkenmäher und spezieller Kehrmaschinen einhergehen. Um dem Öko-Konzept gerecht zu werden, wurden zunächst alle städtischen Flächen katalogisiert und mit Zielvorstellungen versehen. Beispiel Waldflächen: Die Stadt verfügt über 160 Hektar Wald. Hier praktiziert sie über ihren zuständigen Förster Frank Wystrach eine naturnahe Waldwirtschaft. "Es werden unter anderem keine Pestizide verwendet und ein Waldumbau zu einer dem Klimawandel angepassten Mischkultur wird umgesetzt", führte Wystrach aus. Allerdings "ist Klimaschutz kein Grund für eine Stilllegung von Wäldern. Im Gegenteil: Durch Bewirtschaftung wird die Atmosphäre stärker entlastet." So entzieht eine Fichte, die 80 Jahre alt ist, rund 1,5 Tonnen Kohlendioxid der Atmosphäre und speichert 400 Kilogramm Kohlenstoff. Deshalb will man zunächst einen Nutzungsverzicht von rund zehn Hektar städtischer Waldfläche als Ziel formulieren. Bei den landwirtschaftlichen Pachtflächen (91,5 Hektar) will man künftig zunächst Gespräche mit den heimischen Landwirten führen, bevor es zu konkreten Maßnahmen kommt. Angedacht ist beispielsweise ökologisch sinnvolles Mähen. Städtische Grünflächen sollen nicht mehr gedüngt werden und Pflanzenschutzmittel dürfen nicht mehr aufgetragen werden. "Wir müssen natürlich zuerst unsere eigenen Flächen angehen, ehe wir das auch von den Landwirten verlangen", stellte OB Frank Rebhan klar.

Die im Straßenbegleitgrün angelegten Grünflächen werden als Lebensraum oft unterschätzt. Allerdings müsse man hier im Zuge der Verkehrssicherheit Kompromisse eingehen und weiter wie bisher mähen. Gehölze sollte künftig nur noch fachgerecht mit passenden Arbeitsgeräten bearbeitet werden. Bei Gewässern dritter Ordnung ist ein Abstand von sechs Metern einzuhalten, an den sich die Landwirte zu halten haben. Städtische Anlagen wie die Bretschneideranlage sind intensiv zu pflegen. Allerdings könnten beispielsweise im Freizeitpark Teilflächen in artenreiche Wiesen umgewandelt werden. Alle neu zu verpachtenden Wasserflächen sind unter ökologischen Gesichtspunkten zu bewirtschaften. Die ausgeprägte Neustadter Teichlandschaft soll erhalten bleiben. Weiter soll die Fortsetzung der Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED stattfinden. In der Bauleitplanung soll als Hinweis mit aufgenommen werden, dass keine Pestizide in Privatgärten zu verwenden sind. Unbebaute Baugrundstücke, die sich in städtischem Besitz befinden, dürfen höchstens einmal im Jahr gemäht werden (so spät wie möglich). An zukünftige Bauherren sollte die Stadt einen insektenfreundlichen Strauch verschenken. Den Bürgern sind entsprechende Broschüren an die Hand zu geben. Rebhan konstatierte, dass "wir mit unseren Maßnahmen nicht nur Freunde finden werden. Der Tenor, das sieht doch dann unordentlich aus, sei durchaus vorstellbar." Schließlich wolle man keinen Aktionismus betreiben. Der Oberbürgermeister ist sich darüber bewusst, dass "dies kein Konzept für die Ewigkeit ist, sondern dass es permanenter Fortschreibung bedarf. Es muss wachsen, leben." Der Umweltsenat hat deshalb die Verwaltung beauftragt, das Konzept fortzuschreiben.

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Peter Tischer
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Veröffentlicht am:
07. 11. 2019
16:58 Uhr

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Peter Tischer

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Veröffentlicht am:
07. 11. 2019
16:58 Uhr



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