Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Coburg

Und wer hat Schuld bei einem Unfall?

Autonomes Fahren wirft auch rechtliche Fragen auf. Am 10. Oktober wird Dr. Jochen Feldle beim ersten Coburger Mobilitätskongress darüber referieren.



Hände weg vom Steuer: Rechtlich betrachtet ist autonomes Fahren gar nicht so einfach. Symbolbild: Christoph Soeder (dpa Archiv)
Hände weg vom Steuer: Rechtlich betrachtet ist autonomes Fahren gar nicht so einfach. Symbolbild: Christoph Soeder (dpa Archiv)  

Coburg - Unzählige Ingenieure arbeiten weltweit daran, dass die Autos in der Zukunft autonom fahren. Es gibt aber auch Juristen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Der Hochschule Coburg ist es gelungen, zum 1. Coburger Mobilitätskongress am 10. Oktober als Referenten Dr. Jochen Feldle zu gewinnen. Der Jurist ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle Robotrecht der Universität Würzburg.

Wenn es um rechtliche Themen des autonomen Fahrens geht, sind viele Ingenieure in Deutschland verunsichert, wie Dr. Jochen Feldle betont. Sie fragten ihn häufig: "Stehe ich praktisch schon mit einem Fuß im Gefängnis?" Außerdem wirft das Thema eine Reihe ethischer Fragen auf. Bereits 2016 befasste sich eine Ethikkommission im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums mit den grundlegenden Leitlinien. In ihrem 2017 vorgelegten Abschlussbericht formulierten sie 20 Thesen, wie automatisiertes Fahren mit den ethischen Normen in unserer Gesellschaft vereinbar ist. Dabei stellten sie fest, dass automatisierte Fahrsysteme nur dann vertretbar sind, wenn sie im Vergleich zu menschlichen Fahrleistungen zumindest eine Verminderung von Schäden versprechen.

"Betrachtet man die Statistik des Bundesamtes für Verkehr, sieht man, dass 90 Prozent der Unfälle durch menschliches Versagen verursacht sind", erklärt Jochen Feldle. Dennoch bestünde häufig eine irrationale Angst, beim automatisierten Fahren die Technik nicht mehr im Griff zu haben.

Ein weiteres Dilemma betrifft die Frage, ob bei einer unausweichlichen Unfallsituation ein Leben gegen andere Leben abgewogen werden darf. Jochen Feldle erklärt: "Anders als in den USA ist bei uns nicht gerechtfertigt, wenn man bewusst ein Leben nimmt, um beispielsweise fünf zu retten." In der Praxis sind solche Fälle zwar verschwindend gering. Dennoch gibt es vielfältige ethische Konfliktsituationen wie beispielsweise: Brechen wir eine Verkehrsregel, um eventuell einen Sachschaden zu vermeiden?

Da automatisiertes Fahren auf Algorithmen beruht, ist die technische Entwicklung stark mit der rechtlichen verzahnt. Der Jurist Feldle bemerkt: "Der Ingenieur muss sich fragen: Wie funktioniert mein System? Welche Entscheidungen treffen meine Algorithmen und sind sie im Einklang mit den rechtlichen Normen?" Hier müssen künftig die Juristen und die Ingenieure intensiv miteinander reden.

Der deutsche Gesetzgeber hat sich mittlerweile umfassend mit dem automatisierten Fahren befasst und 2017 das Straßenverkehrsgesetz geändert. Dort ist jetzt geregelt, dass zwar das vollständig autonome Fahren eines Fahrzeugs, in dem es keinen Fahrer, sondern nur noch Passagiere gibt, rechtlich nicht zulässig ist. Allerdings sind hoch- und vollautomatisierte Fahrfunktionen zulässig, wenn sie bestimmungsgemäß verwendet werden. Die deutschen Gerichte mussten sich erst aber mit einigen wenigen Fällen auseinandersetzen, bei denen automatisierte Fahrfunktionen eine Rolle spielten.

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
17:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten Debakel Ethik und Moral Ethikkommissionen Hochschule Coburg Ingenieure Julius-Maximilians-Universität Würzburg Menschliches Versagen Passagiere und Fahrgäste Straßenverkehrsgesetz Technische Normen und Standardisierung Unfallsituationen
Coburg
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Seit zehn Jahren gibt es an der Hochschule die KinderUni. Zweimal pro Jahr dürfen hier Jungen und Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren in die Hörsäle.

08.10.2019

Hier dürfen schon Achtjährige im Hörsaal sitzen

Vor zehn Jahren fand an der Hochschule Coburg erstmals eine KinderUni statt. Inzwischen hat sich die Veranstaltung in der Einrichtung etabliert. » mehr

Dr. Olaf Huth (rechts) wäre bereit an Notre Dame aktuelle Scanns anzufertigen.	Foto: Wunderatsch

19.04.2019

Hilfe aus Coburg für Notre Dame

Professoren aus Coburg und Bamberg könnten nach dem Brand Schwachstellen im Mauerwerk finden. Ministerpräsident Söder ist eingeschaltet. » mehr

23.04.2019

Auf Kooperations-Kurs

Die Präsidentin der Hochschule Coburg hat an einer Reise in die USA und Kanada teilgenommen. Ihr Ziel: Neue Kontakte zu knüpfen. » mehr

Hoch hinaus: Mittels Hubfahrzeug rücken Studenten der Hochschule Coburg dem Albert-Standbild am Marktplatz auf den Leib und nehmen Details der Statue mit einem Handscanner auf. Fotos: Frank Wunderatsch

19.04.2019

Die Vermessung des Prinzgemahls

Die Hochschule scannt das Prinz-Albert-Denkmal ein. In ein paar Wochen wird es das Standbild als 3D-Ausdruck geben. Die ungewöhnliche Aktion hat einen ernstzunehmenden Hintergrund. » mehr

Der Fahrgastverband Pro Bahn zeichnete die Stadt Eisfeld und die IHK Coburg mit dem Fahrgastpreis 2019 aus. Einen Sonderpreis erhielt Andreas Schulz. Von links: Andreas Schulz, Manfred Karg (Pro Bahn), IHK-Präsident Friedrich Herdan und den Eisfelder Bürgermeister Sven Gregor. Foto: Koch

07.11.2019

Pro Bahn würdigt Engagement der IHK zu Coburg

Der Verband überreicht den Fahrgastpreis 2019. Neben Friedrich Herdan gibt es noch weitere Preisträger. » mehr

Gut für Coburg: Der Anschluss an die ICE-Linie München-Berlin bringt für Coburg große Vorteile. Aber abgesehen von der Neubaustrecke hat sich bei der Bahn nach der Wende nicht viel getan.

30.10.2019

Wiedervereinigung nur auf der Straße

Der FDP-Abgeordnete Sebastian Körber hat die Verkehrsströme in Oberfranken und Südthüringen untersucht. Beim ÖPNV sieht er erhebliche Potenzial für Verbesserungen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schwerer Unfall bei Ebensfeld Ebensfeld

Schwerer Unfall in Ebensfeld | 14.11.2019 Ebensfeld
» 9 Bilder ansehen

Festakt 30 Jahre Mauerfall in Ludwigsstadt

Festakt 30 Jahre Mauerfall | 13.11.2019 Probstzella
» 25 Bilder ansehen

Neugestaltung Bahnhof Coburg

Neugestaltung Bahnhof Coburg | 13.11.2019 Coburg
» 6 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
17:26 Uhr



^