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Coburg

Und wer rettet die Bauern?

Bei einem politischen Frühschoppen kritisiert der BBV erneut scharf den Entwurf zum neuen Artenschutzgesetz. Zwei Landtagsabgeordnete beziehen dazu Stellung.



Der Gesetzentwurf nach dem erfolgreichen Volksbegehren sei ein weiterer Schlag ins Gesicht der Landwirte. So zumindest sieht es BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz bei einem politischen Frühschoppen in Coburg. Symbolbild: Nicolas Armer (dpa Archiv)
Der Gesetzentwurf nach dem erfolgreichen Volksbegehren sei ein weiterer Schlag ins Gesicht der Landwirte. So zumindest sieht es BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz bei einem politischen Frühschoppen in Coburg. Symbolbild: Nicolas Armer (dpa Archiv)   » zu den Bildern

Coburg - Die Bauern gehen in die Offensive: Mit Aufklärung wollen sie Vorurteile ausräumen, Verständnis wecken und Wissen aufbauen. Nach der Aktion "Frühstück beim Bauern" gab es eine öffentliche Flurbegehung und jüngst einen politischen Frühschoppen. Letzterer sollte den Bauern auch die Gelegenheit geben, ihre Kritiken und Sorgen, ihre Forderungen und Wünsche auf direktem Weg mit ins Bayerische Parlament zu geben. Zumindest zwei Landtagsabgeordnete waren dann auch der Einladung gefolgt, Martin Mittag (CSU) und Martin Böhm (AfD). Michael Busch (SPD), so BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz, habe sich nicht einmal zurückgemeldet.

Flohrschütz legte dann auch gleich vor: "Schluss mit dem Feindbild Landwirtschaft", appellierte er. Über den Entwurf des geplanten Begleitgesetzes zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" könnten sich die Bauern nur enttäuscht zeigen. "Der Gesetzesentwurf bezieht die Verantwortung Gesamtgesellschaft für den Artenschutz zu wenig ein", so Flohrschütz. Was nach dem runden Tisch in München aufs Papier gebracht worden sei, werte man vielmehr als weiteren Schlag ins Gesicht der Bauern. Die Staatsregierung nämlich würde im Gesetzentwurf noch über die Forderungen des Volksbegehrens hinausschießen, unter anderem bei der Steigerung des ökologischen Landbaus, beim Biotopverbund, der jetzt mit 15, statt mit 13 Prozent im Ziel angesetzt sei, bei der Reduktion des Pflanzenschutzes oder bei der ökologischen Bewirtschaftung von Flächen, so Flohrschütz.

Statt Verbot von Pflanzenschutzmitteln - laut Gesetzentwurf sollen im Freistaat bis 2028 50 Prozent weniger eingesetzt werden - forderte Flohrschütz mehr Gelder für Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe und schädlingsresistenter Sorten.

Der Raps, prophezeite der Kreisobmann, werde aus der Flur verschwinden, weil es keine Sorten gebe, die mit eigener Kraft mit dem Rapsglanzkäfer fertig würden. "Sollte der Gesetzesvorschlag so bleiben", warnte Flohrschütz, "erleben wir einen Strukturwandel noch nie gekannten Ausmaßes."

Das Begleitgesetz, erklärte Martin Mittag (CSU) werde intensiv in der Fraktion beraten und manches sei noch lange nicht in Stein gemeißelt. Artenschutz, da liege er mit den Landwirten auf einem Nenner, sei ein gesamtgesellschaftliches Anliegen. Die Staatsregierung aber habe handeln müssen und: "Wir müssen Ergebnisse liefern." Die rund 1,8 Millionen Unterschriften beim Volksbegehren - Großstadtkonzentriert - bezeichnete Mittag als Ergebnis vielfacher Unkenntnis über die Landwirtschaft und die Fachkompetenz der Landwirte, aber auch als "Ablassbrief" und Abschiebung der Verantwortung.

Martin Böhm (AfD) nannte das "grün-ideologisierte Abstimmung in den Städten". Auf dem Land wisse man, was Arbeit auf dem Feld und im Stall bedeute. Der Staatsregierung warf er opportunistisches Handeln und Grün-Orientiertheit vor. Ins Fettnäpfchen trat Böhm mit seiner Aussage, man schiebe die Verantwortung für den Artenschutz auf den "schwächsten Gegner", die Bauernschaft, ab. Die Landwirtschaft, korrigierte daraufhin Mittag, sei bei Weitem nicht das schwächste Glied, sondern die zweitstärkste Wirtschaftskraft in Bayern.

Egal, ob konventionell oder Bio, meinte der junge Landwirt Christian Flohrschütz, man sitze in einem Boot. Die Verbraucher seien über Jahrzehnte billigste Lebensmittel gewohnt, was die Landwirtschaft immer mehr von der Förderpolitik abhängig mache. Darüber müsse aufgeklärt werden. "Wir arbeiten seit vielen Generationen nachhaltig, mehr Rückhalt von Seiten der Politik wäre angebracht", sagt er. Sinn und Maß forderte auch Kreisbäuerin Heidi Bauersachs, mit dieser Politik würden junge Landwirte nicht mehr zu motivieren sein.

Auch die Anlagenverordnung, die Gülleverordnung, Grünflächenbewirtschaftung und ökologische Flächenbewirtschaftung waren Themen. Dass man auch "dicke Bretter bohren kann", betonte der Kreisobmann, habe die Diskussion um die "roten Gebiete" im Landkreis Coburg bei der politischen Schlachtschüssel gezeigt. Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein und Vize-Kreisobmann Wolfgang Schultheiß waren daraufhin nach Brüssel eingeladen worden - mit dem Ergebnis, dass hier nachverhandelt werde.

Die Verbraucher müssen mit ins Boot, forderte auch Sebastian Porzelt, ohne Information und Aufklärung funktioniere das aber nicht. Diese sollte bereits in der Schule beginnen, so Martin Mittag.

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Gabi Bertram
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Veröffentlicht am:
04. 06. 2019
16:46 Uhr

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Gabi Bertram

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04. 06. 2019
16:46 Uhr



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