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Coburg

"Verwirrende Behauptung"

Michael Stoschek antwortet auf die Kritik von Norbert Kastner. Der Brose-Chef sieht beim Alt-Oberbürgermeister einen "Gedächtnisverlust".



Michael Stoschek weist die Kritik von Alt-Oberbürgermeister Norbert Kastner zurück, die dieser in einem ARD-Interview geäußert hatte. Dabei ging es auch um die Erweiterung von Brose am Standort Coburg.	Foto: Brose
Michael Stoschek weist die Kritik von Alt-Oberbürgermeister Norbert Kastner zurück, die dieser in einem ARD-Interview geäußert hatte. Dabei ging es auch um die Erweiterung von Brose am Standort Coburg. Foto: Brose  

Coburg - Der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Brose-Gruppe, Michael Stoschek, wirft Coburgs früherem Oberbürgermeister Norbert Kastner vor, "verwirrende Behauptungen" aufzustellen. Der Unternehmer bezieht sich dabei auf ein Interview, das Kastner der ARD gegeben hat (wir berichteten). Michael Stoschek schreibt:

Weitere Reaktionen

Hans-Herbert Hartan, Stadtrat der CSU und deren früherer Fraktionsvorsitzender, kritisiert das Interview, das der ehemalige Coburger Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) der ARD gegeben hat (Neue Presse vom Mittwoch). Hartan verweist darauf, dass der Stadtrat Kastner, der 24 Jahre OB der Vestestadt war, im Juli in nicht öffentlicher Sitzung die Ehrenbürgerwürde verliehen hat. Skeptiker der Ehrung - unter ihnen die Mehrheit der CSU-Stadtratsfraktion - hätten darauf verwiesen, dass Norbert Kastner die Stadt eher gespalten als zusammengeführt habe. Das sei eines Ehrenbürgers nicht würdig. Diese Einschätzung habe der Alt-OB jetzt mit dem ARD-Interview nach Auffassung von Hans-Herbert Hartan bestätigt: "Als Ehrenbürger jetzt noch mit Halbwahrheiten nachzutreten und wieder Öl ins Feuer zu gießen, ist mehr als schlechter Stil." Auch sachlich sei in dem Fernsehbeitrag manches nicht korrekt gewesen. So sei zum Beispiel der Punkt "Benennung der Max-Brose-Straße", der im Stadtrat in nicht öffentlicher Sitzung behandelt wurde, vom damaligen Oberbürgermeister nicht von der Tagesordnung genommen, sondern mit knapper Mehrheit abgelehnt worden. wb

 

Dr. Michael Zimmermann, Kreisvorsitzender der FDP Coburg-Stadt, sagt: "Lassen wir die Vergangenheit ruhen. Coburg hat derzeit drängendere Probleme als den alten Streit zweier überaus verdienter Persönlichkeiten, der die Stadt bereits viel zu viel gekostet hat, sowohl an Ansehen als auch an Entwicklungschancen. Es ist doch das natürliche Recht des großen Arbeitgebers, seine Wünsche an die Stadt heranzutragen. Und es ist natürlich die Pflicht des Oberbürgermeisters unabhängig im Sinne seiner Bürger abzuwägen und zu entscheiden. Gerade jetzt ist hier doch Zusammenarbeit zum Wohl der Bürger und Arbeitnehmer gefragt."

 

"Weshalb Herr Kastner fast 30 Jahre alte Ereignisse kommentiert, kann ich nicht beurteilen. Ich hatte meine Beteiligung an dem ARD-Beitrag abgelehnt, weil die Konflikte aus der Vergangenheit heute keinen mehr interessieren. Allerdings stehen nun ganz neue Vorwürfe beziehungsweise Behauptungen im Raum, die ich nachfolgend richtig stellen möchte. Danach werde ich mich an keiner weiteren Debatte zu diesen Themen mehr beteiligen.

 

Man hat den Eindruck, dass Herr Kastner unter einem gewissen Gedächtnisverlust leidet. Als ich ihn Anfang der 90er Jahre über die Platznot unseres Unternehmens in der Coburger Innenstadt informierte, die eine weitere Expansion nicht zuließ, habe ich ihm erklärt, dass weitere Investitionen von Brose an einem anderen Ort unvermeidlich sind, sofern die Stadt keine geeigneten Grundstücke für die Errichtung von Verwaltungs-Gebäuden zur Verfügung stellen kann. Mit dieser von uns nicht gewollten Erweiterung unserer Verwaltung an einem anderen Ort (zum Beispiel Hallstadt) würde die zwangsläufig auch zu zahlende Gewerbesteuer an dem neuen Standort anfallen.

Die Stadt Coburg hat uns dann das ehemalige Busbahnhofsgelände zur Verfügung gestellt und ihren Busbahnhof verlagert. Die Kosten hierfür haben sich über die zusätzlichen Steuereinnahmen schnell amortisiert, und Herr Kastner hat sich für diese geschickte und erfolgreiche Ansiedlungspolitik feiern lassen. Den Vorgang 30 Jahre später als ,Erpressung’ darzustellen ist absurd.

Noch verwirrender ist die Behauptung, er habe die Abstimmung in der Stadtratssitzung vom 21. Juli 2004 über die Umwidmung der Von-Schultes-Straße in die Max-Brose-Straße von der Tagesordnung genommen. Im Gegenteil, Herr Kastner hatte im Vorfeld in den ihm nahe stehenden Fraktionen die Ablehnung organisiert, und als es zur Abstimmung kam und die Ablehnung des CSU-Antrags sicher war, als Letzter die Hand gehoben und zum Erstaunen aller Stadträte für die Max-Brose-Straße gestimmt.

Meine Kritik bestand allein an seiner Amtsführung: das wiederholte Hinwegsetzen über den Bürgerwillen in ganz wesentlichen städtebaulichen Fragen, die Verbreitung von Unwahrheiten im Zusammenhang mit dem Brose-Kreisel und die Duldung falscher Darstellungen über die Vergangenheit meines Großvaters im Dritten Reich in seiner Fraktion, ohne mir vor der Stadtratssitzung am 21. Juli 2004 die Möglichkeit einer Aufklärung zu geben. Ich habe nachweislich niemals eine Max-Brose-Straße gefordert, die Anträge im Jahr 2004 wurden von der CSU-Fraktion ohne mein Wissen gestellt.

Auf Vorschlag seines Nachfolgers im Amt, Oberbürgermeister Norbert Tessmer, rehabilitierte der Stadtrat in seiner Sitzung vom 26. März 2015 meinen Großvater und stimmte der Umbenennung in Max-Brose-Straße mit 30 zu 8 Stimmen zu. Auch die von einigen Medien immer wiederholten Darstellungen von eingestellten Spenden wegen der Streitigkeiten mit Herrn Kastner ist unzutreffend: Viele Unterstützungen von Brose für öffentliche Kultur- und Bildungseinrichtungen wurden fortgesetzt. Über den Verein Stadtbild Coburg konnten durch die Unterstützung der Firma Brose in den letzten Jahrzehnten rund 300 Häuser in der Coburger Innenstadt renoviert werden, und schließlich erfolgte die private Spende für die Brandopfer in der Herrngasse ebenfalls während der Amtszeit von Herrn Kastner.

Die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit der Coburger Stadtspitze seit der Amtsübernahme von Norbert Tessmer, wie übrigens auch an allen anderen Brose- Standorten, beweist deutlich, von wem die für das Ansehen und die Entwicklung Coburgs schädlichen Auseinandersetzungen tatsächlich ausgingen.

Vor dem Hintergrund einer von Emotionen bestimmten Amtsführung einschließlich des von mir für wenig vorbildlich gehaltenen persönlichen Lebenswandels ist es nachvollziehbar, dass in der Stadtratssitzung am 25. Juli 2019 ein großer Teil den Sitzungssaal verließ, bevor er über die Auszeichnung von Herrn Kastner als Ehrenbürger abstimmen musste."

 
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Veröffentlicht am:
02. 10. 2019
17:06 Uhr

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02. 10. 2019
17:06 Uhr



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