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Coburg

Von Wegen, dem Populismus Paroli zu bieten

Rechte Parolen im Netz, der Einzug der AfD in den deutschen Bundestag: Die Zeichen sind alarmierend. Teilnehmer der Demokratiekonferenz suchen nach Antworten und Lösungen.



Jürgen Heeb, Reinhold Ehl, Julia Bach, Martin Becher und Rainer Maier (von links) diskutierten zum Auftakt der vierten Demokratiekonferenz über dem Umgang mit Rechtspopulisten. Foto: Arnold
Jürgen Heeb, Reinhold Ehl, Julia Bach, Martin Becher und Rainer Maier (von links) diskutierten zum Auftakt der vierten Demokratiekonferenz über dem Umgang mit Rechtspopulisten. Foto: Arnold  

Coburg - Wie soll eine Gesellschaft mit Hass, Diskriminierung und rechten Parolen umgehen? Mit diesen Fragen setzt sich die vierte Demokratiekonferenz der "Partnerschaft für Demokratie Stadt und Land" auseinander. Die Veranstaltung startete am Freitagabend mit einem Vortrag von Martin Becher, Geschäftsführer des Bayerischen Bündnisses für Toleranz, und einer Podiumsdiskussion im Gemeindehaus Heiligkreuz.

Workshop

Die Veranstaltung setzt sich am Samstag, 25. November, mit einem Workshop von 10 Uhr bis 15.30 Uhr im Gymnasium Casimirianum fort. Anmeldung und Informationen bei franziska.bartl@vhs-coburg.de,

 

Seit der Bundestagswahl, so die Leiterin der "Partnerschaft für Demokratie in Coburg Stadt und Land" Franziska Bartl, habe das Thema weiter an Brisanz gewonnen. Demnach werde der politische Diskurs immer stärker von Emotionalisierung, Populismus und scheinbar einfachen Lösungen geprägt. Stammtischparolen verlagern sich zudem in die virtuelle Welt, die Konsequenzen seien analog zu spüren. Beleidigungen, Ausgrenzungen, schlimmstenfalls physische wie psychische Gewalt seien die Folge. Gemeinsam mit dem evangelischen Bildungswerk als Partner möchte das Bündnis diese Fragen erörtern und praktische Handlungsansätze in einem Workshop vermitteln. Auch Pfarrer Dieter Stößlein sieht die Gesellschaft gefordert, da sich Hass, Diskriminierung und rechte Parolen im Netz inflationär verbreiten würden.

 

Martin Becher blickte zunächst auf das Wahlergebnis der Bundestagswahl 2017, bei der fast sechs Millionen Menschen die AfD gewählt haben. Dies sei Besorgnis erregend. Aber: "Man muss die Wähler differenzieren." Laut Umfragen, so Becher, habe die Mehrheit aus Unzufriedenheit ihr Kreuz gesetzt. Genau diese Gruppe müsse man sich kümmern. Doch noch immerhin zwei Millionen Wähler hätten aus Überzeugung dieser Partei ihre Stimme gegeben.

"Es ist eine junge Bewegung wie auch die NSDAP eine junge Bewegung war", so Becher. Rechte Parteien seien in den sozialen Medien vergleichsweise stark präsent. Sie greifen jede Art von Unzufriedenheit auf. Zuspruch erhalten diese Parteien immer dann, wenn sich Bürger von den etablierten Parteien nicht wahrgenommen fühlen. Wichtig war dem Referenten, dass man die AfD-Wähler nicht mit den Neo-Nazi in einen Topf wirft. "Neo-Nazis sind eine ganz andere Nummer." Im Umgang mit den AfD-Wählern sei Ausgrenzung der falsche Weg. "Wir brauchen eine wertschöpfende Begrifflichkeit für die Menschen, die wir wieder zurück gewinnen wollen." Andererseits, befürchtet der Referent, werde der Zuspruch zu den rechtspopulischten Parteien weiter wachsen.

Auf dem Podium diskutierten Jürgen Heeb ( Sportbund Coburg), Reinhold Ehl ( Leiter des Jugendamtes der Stadt Coburg), Martin Becher und Rainer Maier (Volkshochschule Coburg) mit der Moderatorin Julia Bach. Laut Heeb könne Sport einen guten Beitrag leisten, um Kinder zu Toleranz zu erziehen. "Es gibt kein Schwarz oder Weiß, sondern nur gute Sportler oder nicht so gute." Die virtuelle Welt müsse durch Realität und Vorurteile durch Kontakte ersetzt werden, wünscht sich Heeb. Wie Rainer Maier informierte leiste die Volkshochschule einen Beitrag durch Angebote von Sprachkursen bis Integrationskursen und Vortragsreihen. Maier wünscht sich mehr Wertschätzung im Umgang miteinander. Reinhold Ehl sieht die Eltern in der Pflicht, diese müssten eine Vorbildfunktion übernehmen und vor allem auch Regeln setzen. "Es ist wichtig, das Eltern ein offenes Weltbild vermitteln." Als unerträglich bezeichnete er das ständige Kommentieren in den sozialen Netzwerken. "Man muss nicht permanent seine Meinung ergießen."

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Gabi Arnold
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Veröffentlicht am:
19. 11. 2017
15:00 Uhr

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Gabi Arnold

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Veröffentlicht am:
19. 11. 2017
15:00 Uhr



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