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Coburg

Was geht in Weitramsdorf?

Ideen gibt es viele, Probleme aber leider auch. Welche Optionen für eine sanierte Ortsmitte wirklich realistisch sind, soll nun eine Studie klären - und zuvor eine Umfrage.



Wie kann das Zentrum Weitramsdorfs aufgewertet werden? Dazu erstellt ein Planerteam von "UmbauStadt" aus Weimar derzeit eine Machbarkeitsstudie. Bei einem Rundgang holte sich der Gast vor Ort Anregungen von Weitramsdorfer Bürgern. Wielers Urteil: Vieles im Ort sei "verhunzt" worden, weil jeder gebaut habe, wie er wollte. Doch goutierte der Architekt auch positive Ansätze, wie hier am Platz zur Alten Post.	Foto: Knauth
Wie kann das Zentrum Weitramsdorfs aufgewertet werden? Dazu erstellt ein Planerteam von "UmbauStadt" aus Weimar derzeit eine Machbarkeitsstudie. Bei einem Rundgang holte sich der Gast vor Ort Anregungen von Weitramsdorfer Bürgern. Wielers Urteil: Vieles im Ort sei "verhunzt" worden, weil jeder gebaut habe, wie er wollte. Doch goutierte der Architekt auch positive Ansätze, wie hier am Platz zur Alten Post. Foto: Knauth  

Weitramsdorf - Wie soll die Ortsmitte in Weitramsdorf zukünftig aussehen? "Wir wollen das Thema endlich angehen und zu gegebener Zeit endlich die Früchte ernten", sagte Bürgermeister Andreas Carl zu Beginn eines gemeinsamen Spaziergangs mit dem Planerteam von "UmbauStadt PartGmbB" aus Weimar, zu dem die Gemeinde am Dienstag eingeladen hatte.

Umfrage

Alle Teilnehmer bekamen einen anonymen Fragebogen mit, um den Status Quo der Ortsmitte zu beurteilen und Verbesserungsvorschläge für den zentralen Treffpunkt zu machen. Die Umfrage liegt auch in Geschäften aus, wird im nächsten Mitteilungsblatt abgedruckt oder kann online über die Internetseite der Gemeinde abgerufen werden. Bis 1. August müssen die Rückläufer bei der Gemeinde eintreffen. Bis Weihnachten wollen die Experten aus Weimar ihre grobe Planung vorlegen, die Voraussetzung für eine staatliche Förderung ist.

 

Wie groß das Interesse nicht nur der in der Kerngemeinde Ansässigen ist, zeigte die große Resonanz: Über 60 Personen nutzten - aufgeteilt in zwei Gruppen - die Gelegenheit, um Architekt Ulrich Wieler und Stadtplanerin Vera Lenger für ihre Machbarkeitsstudie Wünsche und Anregungen mitzugeben. Reichlich nutzten die Einwohner den Anlass. Vom Brunnen an der Kreuzung Ummerstadter/Schlettacher Straße ging der Rundgang über den Mühlengrund, die Mühlgasse sowie die Schlettacher Straße und schloss dabei die Entwicklungspunkte Albrecht-Saal, Platz zur Alten Post, Augraben, Bücherei, "Heinlein-Haus" und Gemeindehaus ein. "Wir sind wahrscheinlich diejenigen, die am wenigsten Ahnung von Weitramsdorf haben", sagte Wieler zu Beginn. Zwar habe er für das von der Initiative Rodachtal angestoßene Thema "Baukultur im Rodachtal" 2017 zum ersten Mal "Themen im Kleinen erfasst" und auch am Computer inzwischen ein 3D-Modell des Ortskerns erstellt. Doch gelte es "die Mitte erst zu schaffen" und dafür die Frage zu klären, wo sie genau liege und wo etwas bewegt werden könne. "Seit 20 Jahren wird hier Stadtplanung ohne Masterplan betrieben", monierte Peter Würl. Wieler bestätigte, dass vieles "verhunzt" worden sei: "Jeder baute, wie er wollte". Dies gelte es nun "wieder einzufangen". Ähnlich äußerte sich Robert Müller: "Es wurde verpasst, mit der Zeit mitzugehen!" Seine Hoffnung: Wenn die Ortsmitte auf einen vernünftigen Standard komme, würden vielleicht auch die "grauen Mäuse" mitziehen. Andreas Schlögler-Wolf vermisst in der Wohngemeinde eine "Willkommenskultur" für Neuzugezogene.

 

Seit über zwei Jahrzehnten wird in Weitramsdorf über die Gestaltung des Zentrums diskutiert. Im Mittelpunkt steht dabei das Gelände der ehemaligen Möbelfabrik Albrecht, vor allem das frühere Büro- und Kantinengebäude. Die große Mensa, der "Albrecht-Saal", stand früher auch Vereinen und Dorfgemeinschaften für Veranstaltungen zur Verfügung. "Man sieht, dass damals viel Geld in den Bau geflossen ist", sagte Wieler, für den der Bau "die Dimensionen sprengt". Dahinter liegende ältere Gebäude ließ Thomas Albert, Geschäftsführer des Gelände-Eigentümers Weber GmbH aus Sonnefeld, im April abreißen. Schon im April 2013 wurde der 50-Meter-Schlot der Fabrik - einst das Wahrzeichen des Ortes - gesprengt. Was mit den restlichen Gebäuden geschehen soll, ließ Weber in diesem Frühjahr offen. Weitere Überlegungen wollte er erst nach Überstehen der Corona-Krise anstellen, ließ er verlauten. An Ideen, wie insbesondere der "Albrecht-Saal" genutzt werden kann, mangelte es nicht. Erst im Kommunalwahlkampf hatte es FW-Bürgermeisterkandidat Max Kräußlich als Sitz der Verwaltung ins Spiel gebracht. Frühere Pläne sahen ein Einkaufs- und Dienstleistungszentrum an seiner Stelle vor. Das "Albrecht-Center" sollte Nahversorger, Drogerie, Textil- und Haushaltswarengeschäft sowie Friseur und Gastronomie umfassen. Studenten der Hochschule Coburg konnten sich die Immobilie 2017 als Sitz unternehmensnaher Dienstleister und Eventlocation vorstellen. "Eine Neugestaltung der Mitte kann nur unter Einbeziehen des Gebäudes geschehen", so Müller am Dienstag, zur Not müsse es abgerissen werden. "Irgendwann wird ja etwas damit geschehen", sagte Peter Bieber. Wie Harri Schleifenheimer informierte, liegt der Gemeinde in "ernüchterndes Wertgutachten" über den Zustand der Immobilie vor. "Das ist keine leichte Nuss zu knacken" so Wieler. "Wer das Gebäude in die Hand nimmt, muss ein Liebhaber sein." Weil sich viele Einwohner mit der Möbelfabrik identifizierten, möchte der Architekt die Wand mit dem Schriftzug erhalten.

Stellvertretend wünschte sich Rolf Ambrassat eine Verkehrsberuhigung der viel befahrenen Staatsstraße 2202 mitten im Ort. Für seinen Vorschlag eines Kreisels erntete er "Bravo"-Rufe von den Umstehenden. Wo jetzt Obst- und Gemüsehändler Ernst Reichelt seinen Stand hat, können sich viele Bürger dauerhaft eine Art Marktplatz mit weiteren Anbietern vorstellen.

Autor

Bettina Knauth
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
09. 07. 2020
16:46 Uhr

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Bettina Knauth

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Veröffentlicht am:
09. 07. 2020
16:46 Uhr



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