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Coburg

Weichenstellung für Weichengereuth

Am 21. November wird der Stadtrat entscheiden, ob die B 4 zwischen Frankenbrücke und Ahorner Berg künftig vierspurig werden soll oder nicht. Das Staatliche Bauamt Bamberg informierte die Bürger vorab über Ergebnisse einer Untersuchung.



Der Ahorner Berg bedeutet für Autofahrer vor allem beim Linksabbiegen ins Weichengereuth immer wieder Stress und lange Wartezeiten. Eine Ampelanlage soll im Zuge eines vierstreifigen Ausbaus hier Abhilfe schaffen. Das aber ist heftig umstritten.
Der Ahorner Berg bedeutet für Autofahrer vor allem beim Linksabbiegen ins Weichengereuth immer wieder Stress und lange Wartezeiten. Eine Ampelanlage soll im Zuge eines vierstreifigen Ausbaus hier Abhilfe schaffen. Das aber ist heftig umstritten.   Foto: Henning Rosenbusch

Coburg - Im Rahmen einer Bürgerbeteiligung sind am Donnerstagabend vom Staatlichen Bauamt Bamberg die Ergebnisse der Voruntersuchung zum vierstreifigen Ausbau der B 4 zwischen Frankenbrücke und Ahorner Berg vorgestellt worden. Die Veranstaltung war kurzfristig in den großen Rathaussaal verlegt worden, und der füllte sich schnell. Das Thema des Ausbaus der B 4 auf Höhe Weichengereuth erhitzt nicht nur die Gemüter der Anwohner, sondern steht auch seit über 30 Jahren auf der Agenda der Stadt Coburg, spätestens seit in den 1990er Jahren die B 4 nördlich und südlich dieses Streckenabschnitts bereits vierstreifig ausgebaut wurde.

Das 1,6 Kilometer lange Zwischenstück entwickelte sich auf Grund des steigenden Verkehrsaufkommens immer mehr zum Nadelöhr mit Staus in den Rush-Hour und Unfällen, die sich vor allem an den Knotenpunkten auf die B 4 häufen. Vor Beginn mahnten Oberbürgermeister Norbert Tessmer und Bürgermeisterin Dr. Birgit Weber zu Sachlichkeit. "Das soll hier keine Wahlveranstaltung werden", so Weber, "hier geht es um sachliche Informationen und Fachfragen an die Planer."

Der Ausbauplan hat eine längere Geschichte, die Stefan Arneth, Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt Bamberg, noch einmal Revue passieren ließ. Ein zunächst dreistreifiger Ausbau wurde bereits 2011 diskutiert und im Stadtrat positiv beschieden. Doch mit einem dreistreifigem Ausbau, so Arneth, wäre man nicht in den Status des "vordringlicher Bedarfs" des Bundesverkehrswegeplans gekommen. 2016 votierte der Stadt folglich für Vierstreifigkeit, und im 2016 fortgeschriebenen Bundesverkehrswegeplan hatte der Ausbau der B 4 seinen als vordringlich ausgewiesenen Platz erhalten. Damit ist er in beachtlichem Rahmen förderfähig. 2018 und 2019 wurden auf dieser Grundlage die Verkehrsuntersuchungen fortgeschrieben.

Nun liegt die Voruntersuchung auf dem Tisch, die Arneth den Bürgern vorstellte. Im Gemeinderat Ahorn hatte man sich im September dieses Jahres einhellig für das Projekt ausgesprochen, während der Coburger Bau- und Umweltsenat am 18. September ablehnte.

Die Analysen der Verkehrszählung sprechen von täglich rund 21.000 Fahrzeugen und dazu über 1000 Schwerlastfahrzeuge in diesem Abschnitt der B 4, die vor allem in den Morgen- und in den Nachmittagsstunden für lange Rückstaus sorgen, die von beiden Seiten kommend bis in die Zufahrtsstraßen hineinreichen. Werde die B 4 nicht ausgebaut, so die Prognose, werde sich diese Fahrzeuganzahl bis 2035 nicht wesentlich steigern, bei einem Ausbau, so Arneth, rechne man mit einer Steigerung auf 26.000 bis 27.000 Fahrzeugen und circa 140 Schwerlastern mehr am Tag auf der Strecke. Diese Steigerung resultiere auf der Verlagerung des Verkehrs aus dem innerstädtischen Netz. Eine Ableitung von Fahrzeugen von der A 73 hält Arneth für ausgeschlossen. Wer nicht nach Coburg will, werde seiner Meinung nach auch die Autobahn nicht verlassen, um ein paar hundert Meter einzusparen. Mautgebühren würden auf beiden Strecken fällig. Für Arneth steht fest: "Mit dem Ausbau der B 4 wird sich die Verkehrsqualität sehr gut entwickeln."

Geplant sind ein vierstreifiger Ausbau auf 1,6 Kilometern, zwei intelligent geschaltete Lichtsignalanlagen an den Knotenpunkten Samuel-Schmidt-Straße und Ahorner Berg, die je nach Verkehrsaufkommen agieren, ein Geh- und ein Radweg entlang der Bebauung und eine Pkw-Wendemöglichkeit im Bereich des Ahorner Berges. Während ein Linksabbiegen auf die B 4 aus der Samuel-Schmidt-Straße künftig per Ampel möglich sein soll, können Fahrzeuge aus der Kleinen Rosenau oder der Wassergasse nur noch rechts abbiegen, mit Wendemöglichkeit am Ahorner Berg. Eine Schutzplanke zwischen den beiden Fahrstreifen verhindert dann ein Linksabbiegen. Eingriffe in die Grundstücke, erklärt Arneth ohne Schönfärberei, werden erforderlich sein. Und auch die Tankstelle würde wegfallen. Mit der Deutschen Bahn auf der anderen Seite der Straße gebe es dazu bereits Absprachen.

"Eine durchgängige Zweigleisigkeit zwischen Creidlitz und Coburg", so Arneth, "wird mit dieser Straßenplanung auch künftig möglich sein. Aber wie die Deutsche Bahn das jetzt oder später handhabt, dafür kann ich keine Garantie geben."

Jeweils 6,50 Meter breit sollen die Spuren der Richtungsfahrbahnen werden, getrennt von einem 1,60 Meter breiten Mittelstreifen in Form von Schutzplanken, der Gehweg ist auf 2,30 Meter, der Radweg auf 2,50 Meter geplant. Im Bereich des Ahorner Bergs soll die B 4 höher gelegt werden.

Im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens, betont Arneth, werde es auch Immissionsschutzprüfungen geben und bei Überschreitung von Grenzwerten Gelder für Lärmschutzmaßnahmen. Aktiver Immissionsschutz seien überdies ein entsprechender Fahrbahnbelag bzw. Lärmschutzwände. Ein Nadelöhr, räumt Arneth ein, werde allerdings bestehen bleiben. Unter der Frankenbrücke wird es auch künftig nur einspurig durchgehen.

Am 21. November wird das Ergebnis der Voruntersuchung im Stadtrat Coburg zur Entscheidung anstehen. Bei Zustimmung gehe es in die Vorplanung und an die Ausarbeitung eines haushaltsrechtlichen Vorentwurfs. Nach Vorlage der Pläne bei der Regierung Oberfranken hat das Bundesverkehrsministerium den abschließenden Stempel aufs Papier zu setzen. Erst danach würden die Planfeststellungsunterlagen erarbeitet. In dieser Phase, auf 2021/22 datiert, hätten die Bürger die Möglichkeit, ihre Bedenken und Belange vorzubringen. Ab 2022 wird mit dem Antrag auf Planfeststellung gerechnet, sollte der Stadtrat grünes Licht geben.

Der Gemeinderat Ahorn plädierte am Donnerstagabend einmal mehr für den Ausbau. Bürgermeister Martin Finzel brachte im Rathaussaal auch den Hochwasserschutz ins Spiel. Für immer häufiger auftretende Starkregenereignisse müssten Lösungen gefunden werden. Dass die Diskussion um das Straßenausbauvorhaben gerade jetzt in die Kommunalwahlzeit falle, sieht Finzel problematisch. Er befürchtet einen Stillstand bis dahin und appellierte vor allem an die kommunalpolitischen Entscheidungsträger, für alle Seiten akzeptable Lösungen zu suchen. "Wer A sagt, muss nun auch B sagen", so Finzel.

Lärmschutz, die von Arneth auf rund zwei Jahre bezifferte Ausbauphase bei Vollsperrung der B 4 in diesem Abschnitt, alternative Einzellösungen an den Knotenpunkten bei Beibehalt der derzeitigen B 4, eine Prüfung der Umwidmung der Bundesstraße zur Land-, Landkreis- oder gar kommunalen Straße, eine eventuelle Enteignung benötigter Grundflächen oder die durch die Ampeln befürchteten erneuten Staus, die Kurzsichtigkeit einer Bundesstraßenausbaus in Zeiten des Klimawandels, all das wurde an diesem Abend mehr oder weniger emotional diskutiert.

Am Ende gab es noch einen durchaus nicht von der Hand zu weisenden Vorschlag: Ein Kreisel am Knotenpunkt Ahorner Berg. Das, meinte Arneth, sei zwar durchaus eine Anregung zur Prüfung, aber nicht bis zur Stadtratssitzung am 21. November zu bewerkstelligen.

 
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Gabi Bertram
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Veröffentlicht am:
18. 10. 2019
16:32 Uhr

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Gabi Bertram

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18. 10. 2019
16:32 Uhr



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