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Coburg

Wenn Grenzen verschwimmen

Das Museum der deutschen Spielzeugindustrie zeigt seine Kreativität. Mit einer Sonderausstellung begibt es sich auf eine Definitionsgeschichte.



Flugtage des Wunsiedler Modellflug-Vereins Museumsleiter Udo Leidner-Haber präsentiert unter anderem eine Interpretation von Sylvia Wanke zu Eduard Mörikes "Peregrina". Foto: P. Tischer
Museumsleiter Udo Leidner-Haber präsentiert unter anderem eine Interpretation von Sylvia Wanke zu Eduard Mörikes "Peregrina". Foto: P. Tischer   Foto: David Trott

Neustadt - Es ist uns zu eigen, alles, was uns umgibt, zu analysieren, zu strukturieren, auch festzulegen und zu begrenzen. "So macht man das auch in der zeitgenössischen Puppenkunst", erläutert Udo Leidner-Haber, der Leiter des Museums der deutschen Spielzeugindustrie. "Da sagt man, was eine Puppe ist oder eine Figur, was keine ist und was keine sein darf, stellt Regeln und Regelwerke auf, ordnet nach Materialien, nach Sujets, Inhalten und Erscheinungsformen." Mit der 29. Sonderausstellung "Grenzenlos" hinterfragt Leidner-Haber genau diese Sichtweisen. Denn der Museumsleiter will gerade keine Grenzen definieren, bestimmen, was eine Puppe, eine Figur sein darf und was nicht und wie sie auszusehen hat. "Die Grenzen sind fließend und zu versuchen sie aufzulösen, ist besonders reizvoll.

Die Künstlerinnen

Silvia Baukloh, Heidemarie Doyé, Elisabeth Flueler-Tomamichel, Sandy Fukala, Hanna Goetz, Christel Hartz, Ute Krajewski, Natalja Lebsak, Xenia Lassak, Christsa Mann, Debra Nagel, Traudel von Röthardt, Berni Stenek, Sabine Vogel und Sylvia Wanke


Dazu hat das Museum mit Silvia Baukloh, Elisabeth Flueler-Tomamichel, Christa Mann oder Sylvia Wanke Künstlerinnen ausgesucht, die in ihren Werken eine Gratwanderung machen. "Sie nehmen dabei individuelle Standpunkte ein und zeigen grenzenlose Möglichkeiten der Interpretation", weiß Leidner-Haber.

Christa Mann, bekannt für ihre bunten und fröhlichen Puppen und Figuren, wie "Kichererbsen", "Zwölflein" oder "der wohlbeleibte Herr, der davon träumt, ein Sandwich zu sein" erinnert sich mit ihrer Gruppe "Kinderschar der Nachkriegszeit" an ihrer eigene Kindheit in der Sonneberger Region, die sie mit vielen anderen Familien teilte. Auch wenn ihre Figuren aus modelliertem Papiermaché den klassischen Puppen noch am nächsten kommen, gehen sie in ihrer Reduktion und Aussagekraft weit darüber hinaus.

Sylvia Wanke interpretiert mit ihrer Installation "Peregrina" das gleichnamige Gedicht von Eduard Mörike. Dieser war Zeit seines Lebens in eine unheilvolle Liebe zu einer Frau verstrickt und konnte sich daraus nie lösen. "Er fühlte sich von ihr umgarnt, geliebt, verstoßen", erläutert Leidner-Haber "die Geliebte erschien ihm immer wieder mit vielen unterschiedlichen Gesichtern." Warnke hat nun diese Gesichter als Masken eines Gesichtes geformt, mit seitlichen, langen Bändern und so platziert, dass sie sich im Vorbeigehen zu bewegen scheinen.

So könnte man zu jedem der Objekte Geschichten erzählen, doch Leidner-Haber will dem Besucher die Möglichkeit geben, sich ganz unbefangen zu nähern und zu hören, was sie zu sagen haben. Da schließt sich der Kreis, denn Kunst ist relativ, dem Auge des Betrachters geschuldet. Was dem einen gefällt, ist für den anderen im schlimmsten Fall unerträglich. Doch genau mit diesem Spagat hat die Kunst den Vorsprung vor allen rationalen Gegebenheiten und lässt die unterschiedlichsten Sichtweisen zu. Die Ausstellung ist bis zum 30. Juni zu sehen. Die Objekte können auch erworben werden. pet

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Peter Tischer
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Veröffentlicht am:
16. 06. 2019
20:34 Uhr

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Peter Tischer

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16. 06. 2019
20:34 Uhr



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