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Coburg

Wenn plötzlich die Lichter ausgehen

Bei längerem Stromausfall bricht das öffentliche Leben zusammen. Stadt und Landkreisgemeinden wollen Pläne für den Krisenfall erarbeiten.



Lesen bei Kerzenschein: Ein kurzzeitiger Stromausfall kann romantisch sein. Doch wenn der "Saft" länger ausbleibt, kann es problematisch werden.	Foto: Peter Förster/dpa
Lesen bei Kerzenschein: Ein kurzzeitiger Stromausfall kann romantisch sein. Doch wenn der "Saft" länger ausbleibt, kann es problematisch werden. Foto: Peter Förster/dpa  

Coburg - 82 Masten knickten um wie Streichhölzer, Leitungen zerbarsten: Der Ende November 2005 durch heftige Schneefälle und klirrende Kälte ausgelöste Stromausfall im Münsterland war der schlimmste, der in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg verzeichnet wurde. 250.000 Menschen mussten mehrere Tage ohne Strom auskommen, Unternehmen konnten nicht produzieren, in privaten Haushalten wurden die Kühlschränke warm und die Melk- und Fütterungsanlagen der Landwirte standen still. Vor einem längeren Stromausfall ist auch das Coburger Land nicht gefeit. Zwar gibt es in bestimmten Bereichen Notfallpläne, doch ein umfassendes und vor allem stimmiges und koordiniertes Konzept für den Krisenfall fehlt. Das wollen jetzt Städte, Gemeinden, Energieversorger, Polizei und Rettungskräfte gemeinsam erarbeiten und Prioritäten festlegen.

Vorsorge für den Katastrophenfall

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat einen Leitfaden für die persönliche Notfallvorsorge entwickelt. Daraus einige Auszüge:

Das BBK empfiehlt, einen Vorrat an Lebensmitteln (Konserven), Wasser und Getränken (Mineralwasser, Fruchtsäfte) für zehn Tage anzulegen. Lebensmittel sollten kühl, trocken und dunkel aufbewahrt werden. Um sie warm zubereiten zu können, sollte ein Campingkocher zur Notausrüstung gehören.

Hausapotheke nicht vergessen: Dazu gehören neben Schmerz- und Desinfektionsmitteln insbesondere Tabletten gegen Durchfall, Übelkeit und Erbrechen sowie Verbandsmaterial.

Mit warmer Kleidung lässt sich die Heizung kurzzeitig ersetzen. Wer einen Kamin oder Ofen hat, sollte genügend Kohle, Briketts oder Holz im Haus haben. Zudem rät das BBK zu einem Vorrat an Kerzen und Taschenlampen sowie Ersatzleuchtmittel, Batterien, Streichhölzer oder Feuerzeuge.

Im Not- oder Katastrophenfall ist es wichtig, dass die Akkus an Computern, Mobil- und Festnetztelefone geladen sind. Außerdem wird empfohlen, ein batteriebetriebenes Radio bereitzuhalten.

"Das kann kein ,Rund-um-sorglos-Paket‘ sein", schränkte Kreisbrandrat Manfred Lorenz am Donnerstag bei der Auftakt-Veranstaltung im Landratsamt ein. Einerseits sei im Fall der Fälle nur gezielte und punktuelle Hilfe möglich, andererseits müsse die Bevölkerung Eigeninitiative entwickeln (siehe Infobox ). Aufgabe der zu bildenden Arbeitsgruppen sei es, einen Maßnahmenkatalog und Ablaufpläne mit Empfehlungen und Verhaltensregeln zu konzipieren. Ziel sei es, bei einem längeren Stromausfall Panik in Stadt und Landkreis Coburg zu vermeiden und die öffentliche Sicherheit und Ordnung größtenteils gewährleisten zu können.

 

Für den stellvertretenden Landrat Rainer Mattern ist es "längst an der Zeit, Lösungen für die Probleme zu finden". Oberbürgermeister Norbert Tessmer bezeichnete Deutschland als hochtechnologisiertes Land mit einem modernen Versorgungsnetz, das im digitalen Zeitalter jedoch von Hackern lahmgelegt werden könnte.

Wie Detlef Schoder von den SÜC informierte, kann der städtische Eigenbetrieb seine Gebäude und den Verkehrsbetrieb per Notstromaggregate für eine kurze Zeit selbst versorgen. Zudem erzeuge das Blockheizkraftwerk sechs Megawatt, mit denen verschiedene Gebiete oder Einrichtungen in Stadt und Landkreis zumindest stundenweise mit Strom beliefert werden könnten. Die überwiegend im Landkreis betriebenen Biogasanlagen und Wasserkraftwerke seien ebenfalls Energiespender. "Allerdings müssen sie inselfähig, also im Stromnetz zuschaltbar sein", sagte Schoder, der in Bad Rodach Kreisbrandmeister ist. Besonders kritisch sei jedoch, dass bei einem Stromausfall das Telefon- und Mobilfunknetz bereits nach 15 Minuten nicht mehr funktioniere.

Zunächst gerüstet sind auch die Polizeidienststellen, informierte Matthias Schubäck, der die Inspektion Neustadt leitet. Digitalfunk sei bis zu drei Tagen per Batteriebetrieb möglich, die Fahrzeuge in der Regel aufgetankt. Allerdings bedinge ein längerer oder flächendeckender Stromausfall einen erhöhten Personaleinsatz. "Alarmanlagen lösen aus, Ampeln geben ihren Geist auf, die Kommunikation bricht zusammen", fasste Schubäck die Folgen eines Blackouts zusammen und sprach angesichts eines "veränderten Sicherheitsgefühls" von einer großen Herausforderung.

Aufgabe der Kommunen sei es, präventiv tätig zu werden und die Bürger für solche Szenarien zu sensibilisieren, sagte der Ebersdorfer Bürgermeister und Kreisvorsitzende des Bayerischen Gemeindetags, Bernd Reisenweber. "Es muss sich jeder darauf einstellen können."

"Wir planen was, was wir nicht planen können", verwies der Coburger Ordnungsamtsleiter Kai Holland darauf, dass je nach Dauer des Stromausfalls das öffentliche Leben zusammenbreche. Wichtig sei es, Vorsorge in den privaten Haushalten zu treffen und Nachbarschaftshilfe zu leisten.

 

 

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Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
10. 01. 2019
17:50 Uhr

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10. 01. 2019
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