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Coburg

Wider das Vergessen

Die Reichspogromnacht jährt sich zum 79. Mal. Die Bürger der Stadt gedenken an drei Orten in Coburg der Opfer. Die Rolle evangelischer Geistlicher steht dabei im Zentrum.



Im Zentrum des Gedenkens an die Pogromnacht vor 79 Jahren stand die Rolle evangelischer Geistlicher während der NS-Diktatur. Neben dem Rathaus waren Ehrenburg und Morizkirche die weiteren Stationen.	Foto: Henning Rosenbusch
Im Zentrum des Gedenkens an die Pogromnacht vor 79 Jahren stand die Rolle evangelischer Geistlicher während der NS-Diktatur. Neben dem Rathaus waren Ehrenburg und Morizkirche die weiteren Stationen. Foto: Henning Rosenbusch  

Coburg - Am 9. November 1938 trafen sich auf dem Coburger Marktplatz die Mitglieder der SA, um jüdische Geschäfte in Coburg zu verwüsten. Gestern - genau 79 Jahre später - gedachten die Bürger der Stadt den Gewalttaten. Die Arbeitsgemeinschaft "Lebendige Erinnerungskultur" und das "Netzwerk für Menschenrechte und Demokratie" hatten dazu eingeladen.

Im Jahr des 500. Revolutionsjubiläums standen evangelische Geistliche im Zentrum des Gedenkens. "Uns holt heute eines der dunkelsten Ereignisse unserer Geschichte ein - auch hier in Coburg", meinte Oberbürgermeister Norbert Tessmer vor dem Rathaus. "Der evangelische Dekan Curt Weiß weihte einst die Schwede-Glocke", ergänzte Stadträtin Bettina Lesch-Lasaridis. Ausdruck von Jubel und Dankbarkeit an Hitler sei die Glocke gewesen, zitierte sie aus der Weiheschrift.

Der zweite Ort des Gedenkens war der Innenhof der Ehrenburg. Dort verbrannten Hitlerjungen 1933 jüdische Bücher. Dabei nahmen sie sich Martin Luther zum Vorbild, der einst päpstliche Schriften verbrennen ließ.

Unter der Kanzel in der Morizkirche versammelten sich die Teilnehmer abschließend, um die Taten eines evangelischen Pfarrers aus der Region Coburg anzumahnen. "Ein Anführer der völkischen Bewegung in Coburg war der Pfarrer von Gauerstadt, Helmuth Johnsen", meinte Ruppert Appeltshauser von der Initiative Stadtmuseum Coburg. Er habe zu Übergriffen auf Juden aufgerufen. "Glücklicherweise hat diese lange Kette aus Gewalt ein Ende gefunden", sagte er. Doch seien Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft noch weit verbreitet. Man dürfe die Taten des NS-Regimes nicht vergessen, damit sich diese nicht wiederholten.

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Yannick Seiler
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Veröffentlicht am:
09. 11. 2017
21:51 Uhr

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Autor

Yannick Seiler

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Veröffentlicht am:
09. 11. 2017
21:51 Uhr



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