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Coburg

Wieder deutlich daneben

Die Stadt verfehlt regelmäßig die selbst gesteckten Klimaziele. Es-Beauftragter Wolfgang Weiß fordert, Mittel für den Klimaschutz bereit zu stellen.



Seit dem Ausbruch von Corona ist die Fridays-for-Future-Bewegung von den Straßen verschwunden. Nach Ansicht des Coburger Klimaschutzbeauftragten stellen die jungen Menschen allerdings die richtigen Forderungen, um eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu erreichen.	Archivbild: Wunderatsch
Seit dem Ausbruch von Corona ist die Fridays-for-Future-Bewegung von den Straßen verschwunden. Nach Ansicht des Coburger Klimaschutzbeauftragten stellen die jungen Menschen allerdings die richtigen Forderungen, um eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu erreichen. Archivbild: Wunderatsch   » zu den Bildern

Coburg - Coburg unternimmt nicht genügend Anstrengungen, um die selbst gesetzten Klimaziele zu erreichen. Das betonte Wolfgang Weiß, der Klimaschutzbeauftragte der Stadt in seinem letzten Jahresbericht, den er vor dem Coburger Stadtrat abgab.

Weiß, der als Stadtrat der Fraktion der Grünen angehört, übte das Amt des Klimaschutzbeauftragten seit 2014 aus und engagierte sich von Anfang an für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Bei kommunalen Bauvorhaben erzielte er einige Erfolge. So wurde beispielsweise die neue Turnhalle am Anger nach den Regeln der Passivhaustechnik errichtet.

Eine CO2-Reduzierung auf dem Verkehrssektor konnte Weiß nicht erreichen. Nach wie vor sind Autos und Lastwagen mit alternativer Antriebstechnik auf Coburgs Straßen selten. Selbst die Stadt und ihre Tochterfirmen SÜC, CEB oder Wohnbau konnten sich nicht für die Anschaffung einer nennenswerten Anzahl von E-Autos oder -Busse entscheiden. Deshalb lautet eine der Schlagzeilen im Klimaschutzbericht von Wolfgang Weiß: "Die CO2-Emissionen waren auch 2019 weltweit auf Rekordhoch." In Deutschland wären im vergangenen Jahr zwar weniger klimaschädliche Treibhausgase in die Luft geblasen worden. Wie Wolfgang Weiß sagte, hätte aber das selbstgesteckte Ziel, 40 Prozent weniger CO2 auszustoßen, nicht erreicht werden können. CO2-Einsparungen auf dem Energiesektor seien von Gebäude-Emissionen und dem Verkehrssektor torpediert worden: Dort sei deutlich mehr Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel verbraucht worden als im Vorjahr. Im Verkehr habe vor allem der steigende Anteil schwerer Fahrzeuge mit großen Verbrennungsmotoren wie SUVs zu einem Anstieg der Emissionen geführt, beklagte der Klimaschutzbeauftragte, dessen Nachfolger Stefan Sauerteig (SPD) ist (NP vom Dienstag).

Wie Weiß weiter ausführte, sei zu befürchten, dass 2020 das dritte Jahr in Folge werde, in dem die Temperaturen deutlich zu hoch und die Menge der Niederschläge wesentlich zu gering wären. Die Folgen dieser Entwicklung könnten heute schon direkt vor der Haustür beobachtet werden: In vielen Wäldern seien durch Trockenheit gestresste Nadelbäume leichte Beute für den Borkenkäfer geworden. Große Waldstücke müssten deshalb abgeholzt werden, um die Ausbreitung des Käfers zu erschweren. Einerseits erfordere das einen hohen logistischen Aufwand, andererseits bedrohe die Entwicklung viele Waldbauern in ihrer Existenz. Auf einem von Käferholz überschwemmten Markt seien kaum noch vernünftige Preise zu erzielen.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung appellierte Weiß erneut an die Stadträtinnen und Stadträte, ihre Anstrengungen in Sachen Klimaschutz zu erhöhen. "Coburg hat keine wesentlichen Fortschritte bei der Reduktion der Emissionen erzielt."

Das zeige auch die Bachelorarbeit von Tanja Herbst. Die angehende Umweltingenieurin hatte sich mit der CO2-Bilanz der Vestestadt sowie den Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemission auf dem Sektor der Mobilität beschäftigt. Sie war zu dem Schluss gekommen, dass die Stadt unter anderem deshalb Jahr für Jahr ihre Klimaversprechen nicht erfüllt, weil nie konkrete Ziele und Verpflichtungen formuliert worden waren. Sie empfahl deshalb in diesem Jahr einen Aktionsplan zu verabschieden, der klare Ziele festschreibt.

Wie Tanja Herbst herausfand, sind zwar die absoluten CO2-Emissionen im Stadtgebiet seit 1990 um rund 15 Prozent gesunken. Das Kernziel des Klima-Bündnisses sei allerdings, die Treibhausgas-Emissionen alle fünf Jahre um zehn Prozent zu senken. "Das hat Coburg somit deutlich verfehlt", meint die Absolventin in ihrer Bachelorarbeit. Besonders negativ sei der Verkehrssektor zu werten, da in Coburg der Ausstoß von Treibhausgasen sogar gestiegen sei, statt zu fallen. Lediglich im Bereich der Haushalte habe sich die CO2 -Bilanz verbessert. Dafür hätte die Belastung der Umwelt durch Treibhausgase auf dem Sektor der Industrie und des Verkehrs stark zugenommen.

Angesichts dieser Entwicklung rief der scheidende Klimaschutzbeauftragte der Stadt dazu auf, Klimaschutz als wichtigen Teil der kommunalen Daseinsvorsorge zu betrachten und dafür die finanzielle Basis zu schaffen. "Bei allen Problemen, die durch die Corona-Krise auf die Stadt Coburg zukommen: Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen sind eine Investition in die Zukunft", unterstrich Weiß. Große Hoffnungen setzt der Grünen-Stadtrat hier in den eigenen Senat für Klima und Umwelt, der ins Leben gerufen werden soll. Ferner hofft er, dass die Fridays-for-Future-Bewegung das Thema aktuell hält. In Coburg kamen 2019 immerhin Kinder und Jugendliche zu einer eigenen Klimakonferenz zusammen.

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Norbert Klüglein

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Veröffentlicht am:
03. 06. 2020
16:40 Uhr

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Norbert Klüglein

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Veröffentlicht am:
03. 06. 2020
16:40 Uhr



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