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Coburg

Wo Frauen Schutz und Hilfe finden

Schlagen, Würgen, Treten, Vergewaltigen: Gewalt hat viele Gesichter. In Coburg gibt es drei Einrichtungen, die sich um die Opfer kümmern - darunter auch das Frauenhaus. Und das ist überfüllt.



27 Frauen und 21 Kinder haben im vergangenen Jahr im Coburger Frauenhaus Zuflucht gefunden. Das Frauenhaus ist aber so überfüllt, dass 2018 mindestens 40 Frauen und 55 Kinder abgewiesen werden mussten.	Foto: Archiv Will
27 Frauen und 21 Kinder haben im vergangenen Jahr im Coburger Frauenhaus Zuflucht gefunden. Das Frauenhaus ist aber so überfüllt, dass 2018 mindestens 40 Frauen und 55 Kinder abgewiesen werden mussten. Foto: Archiv Will   » zu den Bildern

Kronach/Coburg - Im vergangenen Jahr musste das Frauenhaus in Coburg 40 Frauen mit 55 Kindern abweisen. "Das sind die Zahlen, die wir erfasst haben. Wenn Frauen unsere nächtliche Rufbereitschaft anrufen, geht die Erfassung der Daten auch schon mal unter. Es waren also wahrscheinlich mehr Frauen, die wir nicht aufnehmen konnten. Wir waren überbelegt", sagt Margit Traut, Mitarbeiterin des Frauenhauses.

Zahlen und Fakten

Bei der Beratungsstelle Frauennotruf meldeten sich 2018 insgesamt 247 Ratsuchende. Stadt Coburg: 92; Landkreis Coburg: 104; Kreis Kronach: 13; Kreis Lichtenfels: 30; andere Landkreise: acht.

Insgesamt kamen im Frauenhaus im vergangenen Jahr 27 Frauen und 21 Kinder unter. Davon aus der Stadt Coburg: vier Frauen, zwei Kinder; Landkreis Coburg: sieben Frauen, drei Kinder; Kreis Kronach: vier Frauen, zwei Kinder; Kreis Lichtenfels: drei Frauen, drei Kinder; andere Landkreise: neun Frauen, zwölf Kinder.

Der Verein "Keine Gewalt gegen Frauen" ist Träger des Frauenhauses Coburg, der Beratungsstelle Frauennotruf Coburg und der Interventionsstelle. Die drei Einrichtungen sind zuständig für den Bereich Coburg Stadt und Landkreis sowie die Kreise Kronach und Lichtenfels. Finanziert werden sie überwiegend durch die Stadt Coburg und durch die Landkreise Coburg, Lichtenfels und Kronach sowie den Bezirk Oberfranken. Der Verein trägt zehn Prozent des Gesamthaushalts.

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www.keinegewaltgegenfrauen-

coburg.de


In der Regel kommen dort fünf Frauen und fünf Kinder unter. Auch aktuell ist das Haus voll. Seit vergangenem Jahr führe man sogar eine Warteliste. Für die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses sei es eine belastende Situation, dass sie Frauen in Not nicht helfen können. "Wir versuchen, die Anruferinnen über regelmäßige telefonische Kontakte über Wasser zu halten", erklärt sie. Denn: Andere Frauenhäuser im Umkreis seien in der Regel auch voll. So könne man auch keine Alternative anbieten, um die Frauen und ihre Kinder raus aus der Gefahr zu bringen.

Die Wohnsituation im Coburger Frauenhaus ist laut Margit Traut schwierig. Das Gebäude sei nicht barrierefrei. Für körperlich eingeschränkte Frauen sei das oft schon ein großes Hindernis. Problematisch sei auch die Zimmeraufteilung. Privatsphäre gebe es kaum. Mütter müssten sich ein Zimmer mit ihrem Nachwuchs teilen. Auf den zwei Etagen des Hauses existiere außerdem nur jeweils ein Bad. Für alle gebe es eine einzige Küche und ein Wohnzimmer. "Wir Mitarbeiterinnen müssen durch den Wohnbereich der Frauen, um in unser Büro zu kommen", beschreibt Margit Traut die Lage. Das Gebäude sei in die Jahre gekommen. Auch die Anonymität ist nach so langer Zeit - das Frauenhaus gibt es seit über 30 Jahren - nicht mehr gegeben. Deshalb suche man derzeit nach einer passenden Immobilie im Stadtgebiet Coburgs.

Solange man im Haus sei, bekomme man auch die Stimmung der Bewohnerinnen hautnah mit. "Da spürt man oft Erleichterung. Viele können im Frauenhaus das erste Mal seit Langem wieder schlafen. Es schwingt aber auch viel Angst mit, weil sie nicht wissen, ob sie hier wirklich in Sicherheit sind", sagt sie. Auch mit einer gewissen Hilflosigkeit der Bewohnerinnen sei man oft konfrontiert. "Wie geht‘s weiter? Schaffe ich das? Was passiert mit meinen Kindern? Das sind nur einige der Fragen, die einen in der Situation natürlich beschäftigen", erklärt Margit Traut.

Die durchschnittliche Verweildauer im Frauenhaus werde immer länger. Das liege auch an geänderten Problematiken. Früher sei eine geflüchtete Frau für ihren Mann einfach nicht mehr erreichbar gewesen. Heute, durch die ständige Online-Präsenz durch Handys, sei man fast überall greifbar. "Es ist häufig so, dass ein Mann nach Wochen merkt: Seine Frau kommt tatsächlich nicht mehr zu ihm zurück. Dann geht der Terror über die sozialen Medien oder das Handy erneut los", erklärt Margit Traut.

Im vergangenen Jahr hätten insgesamt 27 Frauen und 21 Kinder im Frauenhaus Zuflucht gefunden. Wenn eine Frau das Frauenhaus schließlich wieder verlässt, hört die Betreuung noch nicht auf. In der Regel fänden Gerichtstermine ja erst später statt. Dabei wollten die Opfer gerne Begleitung von Menschen, die ihre Geschichte bereits kennen: "Da gehen wir natürlich mit."

Im Gegensatz zum Frauenhaus, dessen Adresse geheim gehalten wird, ist die Beratungsstelle Frauennotruf Coburg öffentlich zugänglich. "Zu uns kommt man zur Beratung. Und das völlig anonym und kostenlos", erklärt Anni Schuhmann-Demetz von der Beratungsstelle, die es seit gut 20 Jahren gibt. Wer kommt hierher? Unter anderem Frauen und Kinder, die zu sexuellen Handlungen gezwungen, vergewaltigt, gedemütigt oder misshandelt wurden, Frauen, die verfolgt und belästigt werden, aber auch beistehende Personen, denen sich Frauen und Kinder anvertraut haben. "Manche kommen nur ein einziges Mal, weil sie sich das Erlebte von der Seele reden wollen. Es gibt aber auch Fälle, die begleiten wir seit Bestehen der Beratungsstelle immer wieder", erzählt Anni Schuhmann-Demetz. Und, betont sie: "Häusliche und sexuelle Gewalt geht quer durch alle Schichten." Das Angebot reicht von telefonischer Beratung bis zu einem persönlichen Beratungsgespräch, der Beratung von Angehörigen oder der Begleitung zur Polizei, zu Ärzten oder Anwälten. Aber auch die Prozess-Vorbereitung und -Begleitung gehörten dazu.

Im vergangenen Jahr hätten sich 247 Personen an die Beratungsstelle gewandt. Die Zahlen seien in den vergangenen Jahren annähernd gleich geblieben. Mehr geworden seien die Präventions-Projekte in Kindergärten. Unter dem Titel "Fridolin weiß Bescheid" lernen Vorschulkinder, zum richtigen Zeitpunkt Nein zu sagen. Anni Schuhmann-Demetz: "Das wird immer mehr angefragt. Sexuelle Gewalt ist mehr zum Thema geworden."

Die jüngste Hilfseinrichtung ist die Interventionsstelle. Sie arbeitet nach dem proaktiven Beratungsansatz. "Das heißt, nach einem Polizei-Einsatz fragen die Beamten, ob sie die Daten der betroffenen Frauen an uns weitergeben können. Die Kontaktaufnahme erfolgt dann innerhalb der nächsten drei Tage", erklärt Anni Schuhmann-Demetz. Ziel sei es, gewaltbetroffene Frauen zu erreichen, die nicht von sich aus Kontakt zu einer Beratungsstelle aufnehmen würden. Und: "Sie sollen dann Hilfe erfahren."

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Frauenhaus: 09561/861796

(24 Stunden erreichbar)

Frauennotruf: 09561/90155

Autor

Bianca Hennings
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 07. 2019
19:34 Uhr

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Bianca Hennings

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18. 07. 2019
19:34 Uhr



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