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Coburg

Zähes Ringen um den Sozialplan

Ein Angebot der Unternehmensleitung von Gaudlitz hat der Betriebsrat abgelehnt. Dennoch dürfte bald eine Entscheidung fallen.



Wie geht es bei der Firma Gaudlitz weiter? Bisher haben Unternehmensleitung und Betriebsrat keine Einigung erreicht. Trotzdem wird wohl bald eine Entscheidung fallen.
Wie geht es bei der Firma Gaudlitz weiter? Bisher haben Unternehmensleitung und Betriebsrat keine Einigung erreicht. Trotzdem wird wohl bald eine Entscheidung fallen.   Foto: Archiv

Coburg - Bei der Firma Gaudlitz stehen die Verhandlungen über die Zukunft des Coburger Kunststoffspezialist offenbar unmittelbar vor wegweisenden Entscheidungen. Wie das Unternehmen nach einer Betriebsversammlung am Mittwoch in einer Presseerklärung mitteilte, sei ein umfangreiches Restrukturierungskonzept erarbeitet worden - mit dem Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Der Betriebsrat habe dem allerdings nicht zugestimmt. "Anknüpfend an die Ankündigungen im Juli, dass eine Personalanpassung zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit unumgänglich sei, stehen die Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretung vor einer Entscheidung", heißt es in der Mitteilung. Auch an dem Traditionsunternehmen Gaudlitz, das auf eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte in der Herstellung von hochpräzisen Kunststoffteilen und -baugruppen zurückblicke, gingen die Auswirkungen der sich abzeichnenden Krise in der Automobilindustrie nicht spurlos vorüber.

Das Unternehmen

Die Gaudlitz GmbH ist seit 1937 spezialisiert auf die Herstellung hochpräziser kundenspezifischer Kunststoffteile und -systeme für die Medizin- und Automobilindustrie. Gaudlitz ist einer der größten Arbeitgeber in Coburg. Weitere Tochterunternehmen sind in China, der Tschechischen Republik und den USA ansässig.

Die Neuausrichtung sei im vollen Gang. Ziel sei eine deutliche Verbesserung der Produktivität und eine deutliche Senkung der Arbeitskosten. Im Zuge dessen liefen seit Juli intensive Gespräche zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern. Mit großer Sorgfalt habe der Arbeitgeber, auch mit externer Unterstützung, ein umfangreiches Restrukturierungskonzept ausgearbeitet und dem Betriebsrat vorgeschlagen. Oberstes Ziel sei es, den Fortbestand des Großteils des Unternehmens zu ermöglichen, informiert Gaudlitz.

 

Während der Belegschaftsversammlung am Mittwoch teilte Geschäftsführer Niels Roelofsen über den aktuellen Stand der Verhandlungen mit: "Unser erklärtes Ziel ist es, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Dazu haben wir ein umfangreiches Paket aus Abfindungen, Arbeitsplatzvermittlung und der Einrichtung einer Transfergesellschaft geschnürt. Bei langjährigen Mitarbeitern führt das beispielsweise zu Abfindungen von bis zu 24 Monatsgehältern. Wir sind bei den konstruktiven Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern jetzt bei einem Punkt angelangt, bei dem wir die Grenze dessen erreicht haben, was wir mit Unterstützung des Gesellschafters finanzieren können".

Der Betriebsrat habe aber auch dieses Angebot abgelehnt. Roelofsen befürchtet nun ein Scheitern der Verhandlungen: "Ich bin mir nicht sicher, ob das im Interesse aller, also auch im Interesse der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist, die weiterhin beschäftigt bleiben wollen." Der Faktor Zeit spiele dabei eine entscheidende Rolle: Bis Ende September müsse es zu einer Lösung kommen, da sonst kurzfristig Maßnahmen zu Verlustreduzierung zu entscheiden seien.

Niels Roelofsen appellierte an den Betriebsrat, seine Haltung zum Angebot des Unternehmens im Interesse aller Mitarbeiter zu überdenken und drückte seine Hoffnung aus, dass der Sozialplan bis Ende dieser Woche abgeschlossen werden kann.

Ein Appell kam bei der Versammlung auch aus der Belegschaft: "Bitte einigen Sie sich! Es macht Spaß, bei Gaudlitz zu arbeiten." Nach Mitteilung des Unternehmens gab es dafür großen Applaus.

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Veröffentlicht am:
25. 09. 2019
16:28 Uhr

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25. 09. 2019
16:28 Uhr



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