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Coburg

Zeichen gegen Sprachlosigkeit und Zwietracht

Die christlichen Kirchen begehen Weihnachten mit Festgottesdiensten. Die Geistlichen rufen zu Mitmenschlichkeit auf.



Der katholische Dekan Roland Huth zelebrierte am ersten Feiertag den Festgottesdienst in St. Augustin. Foto: Martin Koch
Der katholische Dekan Roland Huth zelebrierte am ersten Feiertag den Festgottesdienst in St. Augustin. Foto: Martin Koch  

Coburg - Weihnachten hat viele Gesichter. In den Christmetten und Festgottesdiensten der beiden christlichen Kirchen drehten sie die Predigttexte um die vielen Krisen und Notlagen in der Welt, die natürlich auch am Fest der Geburt Christi keine Pause einlegten. Die Gemeinden erlebten aber auch Krippenspiele oder sangen gemeinsam das weltbekannte Weihnachtslied "Stille Nacht, heilige Nacht", das vor genau 200 Jahren im Salzburger Land seine Uraufführung hatte.

Selbst dieses eher sentimentale Lied birgt eine geistliche Botschaft, wie Pfarrer Hans-Jürgen Pöschl in der Christmette am Heiligen Abend in der St. Nikolaus-Kapelle sagte. Er erinnerte daran, wie im Ersten Weltkrieg am 24. und 25. Dezember 1918 britische und deutsche Soldaten auf beiden Seiten der Front, den Krieg Krieg sein ließen und gemeinsam Weihnachten feierten. Zu dieser ungewöhnlichen Feier gehörte auch das gemeinsam gesungene "Stille Nacht". "Das war ein kleiner Frieden mitten im großen Krieg", unterstrich Hans-Jürgen Pöschl. Gott komme nicht pompös, sondern im Unscheinbaren. Der Gottesdienst in der Nikolauskapelle wurde von den Geschwistern Konstantin und Patricia Raabs (Posaune und Saxophon) sowie Walter Dorn an der Orgel musikalisch begleitet.

Dekan Stefan Kirchberger hatte bei der Predigt in der Christmette in der St.-Moritz-Kirche einen Abschnitt aus dem 1. Kapitel des Paulusbriefes an Timotheus gewählt. Den Hirten auf den Feldern bei Bethlehem seien die Engel erschienen, den Weisen aus dem Morgenland der Stern. "Wir Heutigen haben das alles nicht", sagte der evangelische Dekan. "Wir haben keine Erscheinungen." Den Protestanten bleibe nur das Wort. Die Worte des Apostels Paulus an Timotheus seien aber wie Blattgold. "Gott wird Mensch, das ist zu groß,um es auf einmal aufzunehmen und zu verstehen." Welt und Herrlichkeit bewegten sich in den Erzählungen rund um die Heilige Nacht aufeinander zu. Aber die Wirklichkeit sei oft anders. Kirchberger: "Wir möchten gerne glauben, dass den Armen Recht widerfahren soll und dass die Gewalttätigen vernichtet werden." Die innere Hauptsache Gottes sei nicht seine Stärke, sondern sein Drang anwesend sein zu wollen und aus unseren Schicksalen nicht zu weichen.

Die Kantorei St. Moritz sang bei der Christmette Werke von Michael Prätorius, Heinrich Schütz, Andreas Hammerschmidt und Melchior Vulpius. Die Orgel spielte Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein.

Beim Hochamt am ersten Weihnachtsfeiertag in der St.-Augustin-Kirche stand bei den Lesungen der Prolog des Johannesevangelium im Mittelpunkt. Da geht es nicht mehr um das äußere Geschehen in Bethlehem, sondern um die theologische Interpretation der Weihnachtsbotschaft: "Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt", betonte der katholische Dekan Roland Huth. Der Beginn des Johannesevangeliums führe zurück an den Beginn der Bibel, zum Schöpfungsbericht. Am Anfang sei das Wort gewesen. "Das trockene und spröde Wort hat Fleisch angenommen", sagte Huth. "Das Kind in der Krippe ist ein Wort und ein Zeichen Gottes."

Dekan Huth kritisierte die Sprachlosigkeiten in unserer Gesellschaft. Er erinnerte an die etwa 2,5 Millionen Kinder, die unter der Armutsgrenze leben müssten und wies auf den Pflegenotstand hin. "Auch die Sprachlosigkeiten, in die wir mitten in unseren Kirchen und Gemeinden Kinder und Jugendliche gezwungen haben, sollten wir bedenken."

Der Festgottesdienst in St. Augustin wurde vom Projektchor St. Augustin, dem Tenor Marina Polanco, Bernhard Forster (Oboe) und Dekanatskirchenmusikerin Gabriele Hirsch (Leitung und Orgel) musikalisch ausgestaltet. Es erklangen Werke von Christian Gotthilf Tag, Robert Jones und Arthur Sullivan.

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Martin Koch
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Veröffentlicht am:
26. 12. 2018
13:56 Uhr

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Martin Koch

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26. 12. 2018
13:56 Uhr



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