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Feuilleton

Die ganz reale Tragödie

Vertreter von Theater, Politik und Kirche diskutieren in der Reithalle über "Heimat und Fremde". Auch die nächste Opernpremiere ist dem hochaktuellen Thema gewidmet.



Über den Umgang mit Flucht und Migration diskutierten in der Reihe "Sichtweisen" Günther Beckstein, Stefan Kirchberger, Bernhard F. Loges und Tibor Torell (von links).	Foto: Wagner
Über den Umgang mit Flucht und Migration diskutierten in der Reihe "Sichtweisen" Günther Beckstein, Stefan Kirchberger, Bernhard F. Loges und Tibor Torell (von links). Foto: Wagner  

Coburg - Ist das nicht eine reizvolle Vorstellung? Jeder, der in Politik will, muss vorher fünf Jahre in einem fremdsprachigen Land gelebt haben. "Perspektivwechsel" nennt das der aus Tschechien stammende Tibor Torell, der zur Zeit am Landestheater die Oper "Die griechische Passion" inszeniert. Dass dieses Werk rund um ein Flüchtlingsdrama auf einer Insel in der Ägäis solch erschreckende Aktualität haben würde, war natürlich bei der Spielplan-Konzeption nicht abzusehen, erläutert Intendant Bernhard F. Loges.

Zum Thema "Heimat und Fremde" hatten das Landestheater und die Hanns-Seidel-Stiftung am Donnerstag Abend in die Reithalle eingeladen, um im Rahmen der Diskussionsreihe "Sichtweisen" den Problemkreis Migration und Ressentiments zu erörtern. Normalerweise werden diese Abende von Christian Limpert moderiert, doch hier machte die aktuelle Lage einen Strich durch die Rechnung, denn der aus Coburg stammende ARD-Journalist berichtet zur Zeit von der Insel Lesbos. Limpert schickte allerdings ein Statement, in dem er sich erschüttert zeigte über das "Elendslager Europas" und die dramatische Situation in den Flüchtlingslagern.

Margarethe Stadlbauer von der Hanns-Seidel-Stiftung sprang spontan als Moderatorin ein und konnte auf dem Podium in der gut besetzten Reithalle neben dem Regisseur und dem Intendanten auch den Coburger Dekan Stefan Kirchberger und den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) begrüßen.

Politik, Kirche und Theater in einer Gesprächsrunde: Klar, dass da bei ein und demselben Thema ganz unterschiedliche Akzente zutage traten. Tibor Torell erläuterte, dass es in Bohuslav Martinus Werk, einer Mischung aus Oper und Oratorium, um Ausgrenzung und Fanatismus gehe. Torell ist überzeugt davon, dass ein Perspektivwechsel bei Problemlösungen helfen könne und appelliert an die Verantwortlichen "statt zu diskutieren, etwas zu machen!"

Günther Beckstein, der auch viele Jahre bayerischer Innenminister war, sieht sich nach eigener Aussage als "Christ und Politiker". Sein Credo, so macht er in Coburg klar, ist nach wie vor: "Zuwanderung steuern und begrenzen". Gleichzeitig jedoch sieht er die Verantwortung der Politik, einerseits die menschliche Tragödie an der türkisch-griechischen Grenze zu entschärfen, andererseits die Folgen zu bedenken.

Dekan Stefan Kirchberger macht klar, dass es in diesem Moment darum gehe, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. "Wir müssen jetzt Leben retten und nicht nach der Gesinnung derer fragen, die geschützt werden müssen." Kirchberger kritisiert, dass die Politik "zu lange auf Sicht fuhr und die Augen vor der Realität verschloss".

Autor

Christine Wagner
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Veröffentlicht am:
07. 03. 2020
00:00 Uhr

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Christine Wagner

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07. 03. 2020
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