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Es geht wieder los: "Tatort" im Milieu der Muskelprotze

Nach der Sommerpause läuft der "Tatort" wieder an. Die Wiener Kripo taucht ein ins tablettenverseuchte Fitness-Milieu.



Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser, rechts) befragen Susi (Michaela Schausberger). Foto: Hubert Mican/Allegro Film/ARD Degeto
Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser, rechts) befragen Susi (Michaela Schausberger). Foto: Hubert Mican/Allegro Film/ARD Degeto  

Wien - Der Lokführer ahnt es als Erster. "Das war kein Selbstmörder", sagt er zu den zweifelnden Kommissaren über den Mann, der von seinem Zug gerade zerstückelt wurde. Auch beim Anblick der Leiche schlürfen Adele Neuhauser als Majorin Bibi Fellner und Harald Krassnitzer als Oberstleutnant Moritz Eisner ihren Kaffee und kauen auf einem Hörnchen. Der Tote ist ein 23 Jahre alter arbeitsloser Muskelprotz aus dem Kosovo, der seinen Aston Martin Sportwagen liebte. "Schon tragisch, wenn einer so ein Autonarr ist und dann von einem Zug überrollt wird", sagt Eisner lapidar. Das in diesem Moment eher überschaubare Interesse der beiden österreichischen "Tatort"-Kommissare an dem neuen Fall ändert sich schnell. Schnörkellos erzählt die "Tatort"-Folge "Pumpen", (Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr) eine komplexe Geschichte.

Es geht vordergründig um Medikamentenmissbrauch im Fitness-Milieu. Doch der Kern der dichten und wendungsreichen Story (Drehbuch: Robert Buchschwenter, Karin Lomot) dreht sich um eine zur Gewalt neigende "Balkan-Connection", die im großen Stil Sozialbetrug betreibt. Mancher wird das für ein übles Klischee halten, andere werden darin wahre Züge erkennen. Mit "Pumpen" startet der "Tatort" nach der Sommerpause wieder durch. Für Krassnitzer ist die im Frühjahr 2019 gedrehte Folge bereits der 47. Fall. Seinen 50. Auftritt als Kommissar liefert er vor der Kamera gerade ab.

Dabei sei für ihn das Drehen in Corona-Zeiten eine ganz besondere Erfahrung, sagt Krassnitzer der dpa. Alle Beteiligten seien in diverse Gruppen eingeteilt. In der Kernzone mit Schauspielern, Regie, Kamera, Licht, Ton und Kostüm werde jeder Beteiligte zwei Mal in der Woche getestet. Auch für Statisten würden strenge Regeln gelten.

"Pumpen", Ausdruck für das Gewichtestemmen, habe ihm besonders gut gefallen. "Je facettenreicher die Geschichte, desto besser. Es ist gut, wenn Muster durchbrochen werden", meint der bei Salzburg geborene Krassnitzer. Mit bald 60 Jahren, er hat am 10. September runden Geburtstag, kann er sich jedenfalls noch viele Einsätze als Kommissar vorstellen. Beim "Tatort"-Team spüre er einen "innovativen Druck und einen kreativen Willen." Solange das so bleibe, denke er überhaupt nicht ans Aufhören.

In "Pumpen" ist seine Partnerin Neuhauser in großer Form. Sie hat zumindest anfangs einen Liebhaber, huscht barbusig durchs Bild, ist cool, verletzlich, schnodderig, eifersüchtig und in größter Lebensgefahr. Schluchzend fällt sie dem Kollegen Eisner um den Hals - und wirkt überzeugend erschüttert. "Pumpen" ist der 23. gemeinsame Krimi der beiden, die in der Reihe zu den Ermittlern zählen, die bei den Zuschauern gut ankommen. Für eine Prise Humor sorgt Thomas Stipsits, der als Chefinspektor Manfred Schimpf undercover ermittelt und sich dabei böse verrechnet. Im Krankenhaus erlebt er als Trost eine geradezu traumhafte Betreuung. "Magst du noch so einen Espresso aus dem Ärztezimmer?", wird er von der Krankenschwester gefragt.

Regisseur Andreas Kopriva hat darauf verzichtet, auch nur eine schöne Seite von Wien zu zeigen. Völlig austauschbar spielt das Geschehen im Niemandsland der Industriegebiete, der Busbahnhöfe und Straßen-Unterführungen. Für Kommissar Eisner wirken sich die Ermittlungen zumindest vorübergehend auch auf seinen Lebensstil aus. Beeindruckt von den durchtrainierten Körpern greift er zum Wasser statt zum Bier und verzichtet auf die kalorienreiche Pizza. Als Fellner im Auto in ihre Semmel beißt, grantelt der hungrige Eisner: "Das machst du mit Absicht." "Das würde dir auch guttun oder zumindest deiner Laune", meint seine Kollegin. Fitness ist nicht alles.

Autor

Matthias Röder
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Veröffentlicht am:
05. 09. 2020
09:25 Uhr

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Matthias Röder

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Veröffentlicht am:
05. 09. 2020
09:25 Uhr



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