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Herkunft und Zukunft: Erzgebirge feiert Welterbetitel

Beeindruckend und stimmungsvoll: Die deutsch-tschechische Bergbauregion im Erzgebirge feiert die Verleihung des Welterbetitels in traditioneller Manier.



Freiberg (dpa/sn) - Ein beherztes «Glück auf!» aus den Kehlen mehrerer tausend Besucher und das «Steigerlied» als stimmungsvoller Abschluss: Auf dem Obermarkt in Freiberg haben am Samstagabend Bergleute, Bergmusiker, Hüttenleute sowie Ehrengäste und Schaulustige die offizielle Ernennung der deutsch-tschechischen Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí als Welterbe zünftig gefeiert. Zehn Wochen nach der Ernennung nahm Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer die Urkunde zur Einschreibung in die Welterbeliste der Unesco entgegen. «Heute wird Geschichte geschrieben», sagte der CDU-Politiker.

Begleitet wurde die Zeremonie vom selten aufgeführten Großen Sächsischen Bergmännischen Zapfenstreich durch Bergmusikkorps und Bergbauvereine in Paradehabit. «Es ist ein eindrucksvolles Bild und eine besondere Stunde», sagte die Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering (SPD). Anschließend überreichte sie die Ernennungsurkunde an Ministerpräsident Kretschmer, der sie anschließend an Volker Uhlig, den Initiator und Vorsitzenden des Welterbevereins, weitergab.

Für ihn symbolisiere der Welterbetitel Herkunft und Zukunft, sagte der frühere Landrat. «Es ist noch immer unfassbar, als Montanregion Erzgebirge/Kru?nohorí in einer Weltliga mitzuspielen und neben der Freiheitsstatue und den Pyramiden von Gizeh genannt zu werden», befand Uhlig.

Die Montanregion Erzgebirge/Kru?nohorí war am 6. Juli in Baku von der Unesco zur Welterbestätte ernannt worden. Sie besteht aus 22 Teilgebieten, 17 davon in Deutschland und fünf in Tschechien. Bei einem Welterbe-Fest in Freiberg stellten sich die einzelnen Stätten vor. «Nun gilt es, das Erbe für die künftigen Generationen zu bewahren», sagte Michelle Müntefering.

Bei einem Festakt im Rathaus von Freiberg wurde daran erinnert, dass vom Beginn der Bewerbung bis zur Titelvergabe nahezu 20 Jahre vergangen sind. «Der Weg war dornig», sagte Tschechiens Außenminister Tomas Petricek. Er sei noch ins Gymnasium gegangen, als die Idee entstanden sei. «Es ist der Hartnäckigkeit der Erzgebirger zu verdanken, dass es gelungen ist, das Projekt erfolgreich zu Ende zu führen», übersetzte eine Dolmetscherin die Ansprache des 37-Jährigen.

Das Erzgebirge hat eine mehr als 850-jährige Bergbautradition seit den ersten Silberfunden 1168 in der Freiberger Gegend. Man müsse sich immer wieder klarmachen, sagte Ministerpräsident Kretschmer, dass der Reichtum Sachsens nur durch den Bergbau möglich geworden sei. «Hier ist die Landschaft geformt worden, hier ist Kultur entstanden, Tradition begründet worden - das hat alles geprägt, was wir heute kennen», sagte der Regierungschef.

Es sei für das Erzgebirge eine Riesenchance für die Identität. «Menschen merken, dass sie eine große Bedeutung haben, dass hier eine große Leistung passiert ist, dass man darauf stolz sein kann», sagte er. Zugleich versprach Kretschmer, dass die Staatsregierung alles dafür tun werde, dass die Chancen, die sich aus diesem Titel ergeben, auch durch das Erzgebirge genutzt werden könnten. «Der Titel Unesco-Welterbe ist für das Erzgebirge zugleich Ehre, Anerkennung und Verpflichtung», sagte der CDU-Politiker.

Aktuell gibt es weltweit 1121 Welterbestätten in 167 Ländern, 46 davon in Deutschland. Laut Maria Böhmer, Präsidentin der deutschen Unesco-Kommission, gibt es global nur rund 40 grenzüberschreitende Welterbestätten. Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí gehöre somit zu einer «kleinen edlen Gruppe», sagte sie.

Veröffentlicht am:
15. 09. 2019
17:24 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
15. 09. 2019
17:24 Uhr



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