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Feuilleton

Poesie der Jahreszeiten

Manfred Kern lauscht dem Alltäglichen etwas Bedeutsames ab. Sein neues Buch ist auch eine Reise nach Innen.



Sensibler Beobachter: Manfred Kern.
Sensibler Beobachter: Manfred Kern.  

Coburg - "Wie eine Forelle im Fluss stehen / gegen die Strömung", lesen wir in einem "Abreißblatt" vom 25.9.2018: "das Maul aufsperren / und warten dass die Nahrung herein schwimmt" .

Ob das als Ratschlag für Schreibende oder für Lesende zu verstehen ist, sei dahingestellt. Wer aber den Selbsterkundungen folgt, die Manfred Kern in seinem neuen Buch "Auf Erden" unternimmt, gelangt schnell zu einer Gewissheit: Hier schreibt ein Mensch, der überaus offen für Dinge der Natur ist, so wie sie ihm entgegenkommen. Ein Jahr lang gibt sich dieses Ich seinen Wahrnehmungen hin und zeichnet seine Gedanken in ungereimten, aber leicht rhythmisierten Versen auf: "Was hat der Tagmond / Mit der Lerche zu schaffen?"

Bewusst beiläufig wirkt manches, und doch spürt man den Wunsch, dem Alltäglichen etwas Überraschendes, Bedeutsames abzulauschen. Als Leser begleitet man diesen Wanderer gerne: entlang dürrer Weizenfelder oder durch Streuobstwiesen mit herabgefallenen Kornäpfeln; man achtet der sommerlichen Gluthitze und der Stechmücken nicht, sondern wird zum Vertrauten von Tiere und Menschen, bis man den "Flügelschlag der Liebe" vernimmt.

Viel Menschliches steckt in diesem Buch, das man vor- und rückwärts durchstreifen kann: von Sehnsucht ("Flaschenpost") zur Erfüllung ("Doch ich breite meine Arme bloß noch aus / für meinen Engel") und zurück - und dazu allerlei, was sich dazwischen tut.

Manfred Kern, den man in Coburg als Mundart-Lyriker kennt, bedient sich jetzt (bis auf Ausnahmen) des Hochdeutschen. Sprachliche Kabinettsstückchen findet man besonders unter den kunstvollen Prosatexten, denn auch die gibt es in dieser reichen Jahresernte. In Willkommen und Abschied fliegen die Worte nur so durch die Luft, fast wie in Goethes gleichnamigem Gedicht ("Und lieben, Götter, welch ein Glück!"). Das heutige Ich wirkt ungleich grüblerischer. Aber es bleibt doch letztlich bei sich selbst: "Ich habe ja Zeit." Zum Beispiel für die kalte Jahreszeit, die selbstredend auch zu ihrer Poesie findet. Ein Buch für Aufmerksame.

—————

Manfred Kern, Auf Erden: Blätter vom Abreißkalender Mai 2018-April 2019. Königshausen & Neumann 2019.

ISBN 978-3-8260-6807-2

221 Seiten, 17.80 Euro

Autor

Dr. Reinhard Heinritz
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 10. 2019
00:00 Uhr

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Dr. Reinhard Heinritz

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Veröffentlicht am:
19. 10. 2019
00:00 Uhr



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