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Reise durch glasklare Klangwelten

Faszination Glasharfe: Susanne Würmell bezauberte im Glasmuseum mit kleinen Kostbarkeiten aus Klassik und Pop.



In die faszinierende Welt der Glasmusik entführte Susanne Würmell ihr Publikum im Europäischen Glaskunstmuseum in der Rosenau. Foto: Müller
In die faszinierende Welt der Glasmusik entführte Susanne Würmell ihr Publikum im Europäischen Glaskunstmuseum in der Rosenau. Foto: Müller  

Rödental - Es ist der Künstlerin des Abends zu verdanken, dass die letzte historische Kristallglasharfe, die Erich Nauwerck Anfang des 20. Jahrhunderts konstruierte, heute wieder in ihrem ursprünglichen Klang zu erleben ist. Seit einem Jahr spielt Susanne Würmell neben ihrer ebenfalls aus der englischen Glasharmonika weiterentwickelte Glasharfe das kostbare und mit riesigem Aufwand von ihr selbst restaurierte Stück. Ihr Klang erwies sich während des Konzertes am Donnerstagabend im blitzenden Foyer des Glasmuseums als wärmer und gedämpfter als der der neuen Instrumente, was dem "Gebet der Agathe" aus Carl Maria von Webers romantischem "Freischütz" sehr angemessen war.

Das Werk stand im Zentrum der strahlenden Reise durch glasklare Klangwelten, zu der das "Europäische Museum für Modernes Glas" zusammen mit der Volkshochschule Coburg eingeladen hatten. Im übrigen Konzert streichelte Susanne Würmell mit feuchten Fingerspitzen sanft die Kristallgläser ihres modernen Instrumentes. Die Musikerin spielte ein Instrument von Bruno Hoffmann (1913-1991) mit einem chromatischen Tonumfang über vier Oktaven. Das wasserabgestimmte Glasspiel Erich Nauwercks passte Hoffmann an die Schalentechnik der Glasharmonika an, fügte die Gläser mit einem kurzen Stielansatz in eine Resonanzdecke und stellte sie auf einem Resonanzboden auf. Die 46 Kristallglocken sind in vier Größen nach ihrer Tonhöhe so angeordnet, dass ein Dreiklang mit Daumen, Zeigefinger und kleinem Finger einer Hand gleichzeitig gespielt werden kann. Dieses chromatische System ergibt eine vierreihige Tonpositionierung, mit der jede Akkordverbindung greifbar ist.

Susanne Würmell begrüßte die zahlreichen Gäste mit dem "Reigen seliger Geister" von Christoph Willibald Gluck. Mit großer Leidenschaft und sehr charmant führte die Künstlerin mit Informationen und Anekdoten durch das Programm, dessen erster Teil klassischen Werke galt, denen im zweiten Teil "Legenden" zeitgenössischer Musik folgten.

Gerade die klassische Musik ließ die nachhaltige Wirkung der einzelnen ätherischen Töne und Harmonien des Kristalls besonders zur Geltung kommen. Das helle Klingen erinnerte im "Menuett" von Händels "Wassermusik" an die hohen Flöten einer Orgel. Es ging mit seinem durchgehaltenen langen Bogen, in dem kein Glas- sprich Saitenwechsel zu merken war, wie eine Solovioline mit dem "Air" von Bach unter die Haut. Das heitere Talent Mozarts im "Andantino Es-Dur" und ein berauschendes, virtuoses "Sternschnuppen Rondo", das wie ein Glockenspiel mit schnellen Staccatonoten aufwartete, vervollkommneten den himmlischen Eindruck.

Der zweite Teil zeigt die volle Bandbreite des Instruments, das allen Herausforderungen von Tonarten, Rhythmen und Streichtechniken gewachsen ist. Abbas "I Have A Dream", das "Chanson l’amour" von Edith Piaff, "Moonriver" oder "Let It Be" von den Beatles begeisterten das schon verzauberte Publikum ebenso wie der "Libertango" von Astor Piazzolla. Während des gesamten Konzertes war kein Mucks im Raum zu hören, so aufmerksam bewunderten die Hörer die klingenden Gläser. Im lockeren zweiten Teil wurde auch das Publikum mutig genug, um nach dem letzten Stück die Künstlerin mit Fragen zu bombardieren. Als Ohrwurm wurde ihm zuvor die swingende Zugabe "Boys And Girls" zuteil. Passend zur aktuellen Ausstellung des Museums intonierte Susanne Würmell zudem ein "Lied ohne Worte", das "Venezianische Gondellied op. 30 Nr. 6" von Felix Mendelssohn Bartholdy, das mit seiner melodischen Emotionalität sprachlos machte.

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Dr. Peter Müller
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Veröffentlicht am:
23. 11. 2019
00:00 Uhr

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Dr. Peter Müller

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Veröffentlicht am:
23. 11. 2019
00:00 Uhr



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