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Feuilleton

Theater in brüchigen Zeiten

Das Spielzeitheft 2019/2020 des Landestheaters wird beim Klassik-Open-Air im Rosengarten erstmals verteilt. Es informiert über die neuen Stücke und die Motive der Theatermacher.



Druckfrisch: Das neue Spielzeitheft erscheint heute pünktlich zum Klassik-Open-Air.
Druckfrisch: Das neue Spielzeitheft erscheint heute pünktlich zum Klassik-Open-Air.  

Coburg - Knapp zwei Wochen vor Spielzeitende kann sich das Coburger Theaterpublikum schon auf die nächste Saison einstimmen: Pünktlich zum Klassik-Open-Air des Philharmonischen Orchesters am heutigen Samstag im Rosengarten ist das Spielzeitheft 2019/2020 erschienen. 134 Seiten informieren über die Produktionen und stellen alle Mitarbeiter/innen vor und hinter den Kulissen vor.

Was es mit dem Motiv "Brüche Umbrüche Aufbrüche" auf sich hat, das sich als roter Faden durch den Spielplan zieht, erläutert das Leitungs-Team um Intendant Dr. Bernhard F. Loges in einem Interview. "Die Welt befindet sich politisch wie sozial im Umbruch. Wir erleben immer mehr Extreme, politisch sogar einen massiven Rechtsruck, verbunden mit Angst: Angst vor Fremdem, Angst vor Neuem, Angst vor der Vergangenheit. Dies zeigt sich im Großen der Weltpolitik wie im Kleinen," so Loges. Das Theater sieht er deshalb in der Verantwortung: "Theater hält Erinnerung mit allen Stoffen lebendig. In Zeiten, in denen Gesellschaften immer weiter nach rechts rücken und das Erinnern an den Rand gedrängt wird, ist das wichtig, um eine Relativierung der Vergangenheit zu verhindern."

Für Schauspieldirektor Matthias Straub bedeutet Erinnerungskultur "ein Greifbarmachen der Vergangenheit, indem man die einzelnen Persönlichkeiten in den Mittelpunkt stellt". Als Beispiele führt er "Das Tagebuch der Anne Frank" auf sowie "Jugend ohne Gott" nach Ödön von Horvath, das die Frage aufwerfe: "Wieviel Zivilcourage kann und muss der Einzelne aufbringen?". Besonders freut sich Straub auf George Taboris Farce "Mein Kampf", die über den Humor dem Zuschauer eine andere Sicht und Reflexion des nationalsozialistischen Schreckens erlaube.

"Das Leben des Einzelnen und der Gesellschaft befindet sich ständig im Umbruch", merkt Generalmusikdirektor Roland Kluttig an, der in jedem guten Stoff - auch in der Operette - Brüche erkennt: "Sei es im "Rheingold" oder auch in der "Griechischen Passion", in der

eine Dorfgemeinschaft durch die Ankunft der

Flüchtlinge auf die Probe gestellt wird. "Stücke ohne Brüche spielen wir nicht, die würden uns

nicht interessieren", betont Kluttig.

Für Mark McClain ist auch die Herzensbildung Teil des Bildungsauftrags: "Gefühle der Angst, aber auch der Liebe und Zugehörigkeit, der Freude - man darf sich im Theater auch unterhalten fühlen! - sind in jedem Fall zeitlos", betont der Ballett-Direktor.

Einen weiten Bogen überspannt das Jahrestherma aus Sicht von Fritz Frömming: "Es beinhaltet die Veränderungen, die es immer schon gegeben hat, zu allen Zeiten. Dort entstehen die Brüche. Theater ist meiner Meinung nach der ideale Ort, solche Veränderungen zu vermitteln und in den Fokus zu stellen", erklärt der kaufmännische Direktor des Landestheater.

Die Spielzeit 2019/2020 wird am 29. September mit der Premiere der Wagner-Oper "Das Rheingold" in er Inszenierung von Alexander Müller-Elmau und unter der Leitung von Roland Kluttig eröffnet. Nach fast 55 Jahren wagt sich das Landestheater wieder an eine Aufführung des kompletten "Ring"-Zyklus, der über vier Jahre hinweg wachsen wird. Der Kartenvorverkauf für die nächste Saison beginnt am 16. Juli, auch bei der Neuen Presse. du

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Veröffentlicht am:
29. 06. 2019
00:00 Uhr

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29. 06. 2019
00:00 Uhr



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