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"West Side Story": Deutsche Erstaufführung in Nürnberg

Das weltberühmte Musical von Leonard Bernstein kehrt am 26. Oktober auf die Bühne des Nürnberger Staatstheaters zurück. Dort war das Stück vor 47 Jahren das erste Mal in Deutschlanfd zu sehen.



Leonard Bernstein
Eine Aufnahme von Leonard Bernstein aus dem Jahr 1971. Der Pianist, Dirigent und Komponist aus den USA wäre am 25. August 2018 100 Jahre alt geworden.   Foto: Breuer/dpa

Am 26. Oktober ist das Musical „West Side Story“ in der Regie und Choreografie von Melissa King nun – nach seiner Deutschen Erstaufführung im Jahre 1972 - wieder im Staatstheater Nürnberg zu sehen.

Die Idee, Shakespeares „Romeo und Julia“ nach New York zu verlegen und den Kon­f likt in einen Bandenkrieg zwischen eingewanderten Puertoricanern und selbsternannten Amerikanern zu verwandeln, war sicherlich ein Geniestreich, heißt es in der Mitteilung des Nürnberger Staatstheaters. Ebenso wichtig aber sei die Entscheidung, die Geschichte als Musical zu erzählen.

Mit der kongenialen Musik von Leonard Bernstein werde die Tragödie ins Hier und Jetzt katapultiert. Sie verdeutliche, dass das Thema nach wie vor aktuell ist und diese junge Liebe vielerorts auch heute noch keine Chance hätte. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des 1. Kapellmeisters und stellvertretenden General­musikdirektors Lutz de Veer. Es spielt die Staatsphilharmonie Nürnberg mit Gastmusikern an Saxophon, Jazztrompete und Gitarre/Mandoline.

Als Choreograph und Produzent Jerome Robbins gemeinsam mit Komponist Leonhard Bernstein 1949 an ihrer Idee einer modernen Musiktheater-Version von „Romeo und Julia“ arbeiteten, sollte diese zunächst noch unter dem Titel „East Side Story“ den jüdisch-katholischen Konflikt in Manhattan thema­tisieren.

Nachdem das Projekt jedoch einige Jahre auf Eis gelegt und erst Mitte der fünfziger Jahre wieder aufgegriffen wurde, setzte das Autorenteam den Schwerpunkt stattdessen auf die mittlerweile politisch hochaktuellen ethnischen Auseinandersetzungen in New York und verlegte die Handlung auf die West Side, wo sich viele Familien aus Puerto Rico niederließen.

Vor dem Hintergrund eines Bandenkrieges zwischen den US-amerikanischen Jets, die oftmals selbst erst in der zweiten Generation in den USA leben, und den puerto-ricanischen Sharks verlieben sich der Amerikaner Tony und die Puerto-Ricanerin Maria ineinander. Eine Liebe, für die es angesichts der gewaltsamen Fehde kaum Hoffnung gibt. Bernstein kombinierte in seiner Musik unterschiedliche Stilrichtungen wie verschiedene Jazzströmungen, klassische Oper und lateinamerikanische Tanzmusik und ordnete den rivalisierenden Gruppen jeweils charakteristische musikalische Mittel zu.

Melissa King verlege ihre Inszenierung der „West Side Story“ ins New York der Gegenwart vor dem Hintergrund des politischen und gesellschaftlichen Status Quo unter der Präsidentschaft von Donald Trump.

King zeige ein Manhattan nach dem 11. September, in dem die Angst vor dem Fremden Triebkraft ist für den gewalttätigen Konflikt zwischen den Jets und den Sharks. Tony und Maria hingegen stünden für die Hoffnung, auf ein Ende der Spirale aus Hass und Gewalt und auf eine Welt, in der Herkunft keine Rolle spielt.

Melissa King studierte Politikwissenschaft an der Yale University. Nach ihrem Diplom arbeitete sie als Tänzerin in verschiedenen zeitgenössischen und Modern-Tanzkompanien. Nach Engagements als Choreographie-Assistentin und Dance Captain ist sie heute als Choreographin tätig. Binnen kurzem avancierte sie zu einer der führenden Choreographinnen der deutschsprachigen Musicalszene, nachdem sie für ihre erste choreographische Arbeit in Deutschland („West Side Story“ am Nationaltheater Mannheim) von der Zeitschrift Opernwelt als beste Nachwuchschoreographin ausgezeichnet worden war.

Engagements führten sie an das Berliner Theater des Westens, an die Komische Oper Berlin, das Gärtnerplatztheater München, an die Volksoper Wien, nach St. Gallen, Linz und die Staatsoper Hannover. Melissa King wurde immer wieder mit Ur- und Erstaufführungen betraut und arbeitet zunehmend auch als Regisseurin. Neben dem Musiktheater ist sie auch für Schauspiele, Varieté, Galas, Musikvideos, Werbung, Industrieshows und Film und Fernsehen tätig. Außerdem ist sie Mitglied der Jury beim „Bundeswettbewerb Gesang“. Am Staatstheater Nürnberg inszenierte und choreografierte sie bereits „Singin‘ in the Rain“ (2015) und war für die Choreografie von „Catch Me if you Can“ (2018) verantwortlich.

Eine große Stahlkonstruktion aus Streben, Leitern, Balkons und Brücken bilde das Grundgerüst des Bühnenbildes von Knut Hetzer, das sich am Manhattan der Gegenwart orientiert. Es soll Ausdruck sein für das Gefühl des Unbehaust-Seins und der Beengtheit, für das Fehlen von Zugehörigkeit und Heimat, heißt es weiter. Der Berliner Knut Hetzer studierte angewandte Malerei an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Nach Stationen als Ausstattungsassistent beim HR sowie Ausstattungsleiter an den Landestheatern von Esslingen und Salzburg arbeitet er seit 1987 freischaffend als Bühnenbildner.

Engagements führen ihn unter anderem an das Residenztheater München, das Nationaltheater Mannheim, das Aalto Theater Essen, das Raimundtheater in Wien, den Friedrichstadtpalast Berlin, das Landestheater Linz, die Opernhäuser in Graz und Zü­rich, an das Theater St. Gallen oder die Bad Hersfelder Festspiele. Knut Hetzer arbeitet in allen Theatersparten und hat Schauspiel, Oper, Tanztheater und Musical ausgestattet. Am Staatstheater Nürnberg entwarf er zuletzt das Bühnenbild für „Singin‘ in the Rain“.

Der Gegensatz der befeindeten Gangs spiegele sich auch in den Kostümen von Judith Peter. Die Kostümbildnerin studierte Modedesign an der Fachhochschule Trier und an der Universidad Politécnica in Madrid. Seit ihrem Abschluss arbeitet sie als freischaffende Kostümbildnerin für Musiktheater- und Schauspielproduktionen an internationalen Bühnen, unter anderem in Bogota, Wien, Linz, Oslo, Mannheim, Nürnberg oder Hannover. Außerdem entwarf sie Kostüme für verschiedene Fernseh- und Videoproduktionen und stattet seit 1995 die Gastspiele von „Cäcilia Wolkenburg“ an der Oper Köln aus.

Mit dem Regisseur Matthias Davids gastierte sie unter anderem an der Staatsoperette Dresden, am Staatstheater Hannover, am Landestheater Linz, an der Oper Graz oder an der Volksoper Wien. Mit Melissa King verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit, in deren Rahmen sie das Kostümbild für die gemeinsamen Produktionen bei den Bad Hersfelder Festspielen („Show Boat“), am Theater Dortmund („Hairspray“) und am Staatstheater Nürnberg („Singin‘ in the Rain“) entwarf.

Den musikalischen Leiter Lutz de Veer fasziniere an Bernsteins Musical insbesondere die Vitalität der Musik, die einen Gegenpol zu dem Leid und Schmerz der Handlung bildet. Neben den Orchestermusikern  der Staatsphilharmonie Nürnberg werden Gastmusiker an Saxophon, Jazztrompete und Gitarre/Mandoline zu hören sein. Lutz de Veer, seit der Spielzeit 2018/19 1. Kapellmeister und stellvertretender GMD am Staatstheater Nürnberg, zuvor Generalmusikdirektor am Theater Plauen-Zwickau dirigierte neben seinen festen Engagements an den Opernhäusern in Kiel, Saarbrücken, Osnabrück und Hannover unter anderem das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, die NDR Radiophilharmonie Hannover, das Rundfunkorchester Kaiserslautern und die Philharmonie Südwestfalen.

In der Inszenierung von Melissa King sind die Mitglieder des Opernensembles Andromahi Raptis und Hans Kittelmann als Maria und Tony zu erleben. Die Rollen der Jets übernehmen David Boyd (Riff), Adrian Hochstrasser (Action), Stefan Mosonyi (Baby John), Stephan Zenker (A-Rab), Shane Landers (Big Deal), Jev Davis (Diesel), Annakathrin Naderer (Anybodys), Samantha Turton (Graziella), Nicky Milford (Velma) und Karina Rapley (Minnie), die Rollen der Sharks Nivaldo AIIves (Bernardo), Myrthes Monteiro (Anita), Clayton Sia (Chino), Danilo Brunetti (Pepe), Mariano Manzella (Luis), Richard Patrocinio (Nibbles), David Eisinger (Indio), Yara Hassan (Rosalia), Giulia Fabris (Consuelo) und Julia Fechter (Teresita). Jochen Kuhl wird als Doc, Tobias Link als Lieutenant Schrank und Hans-Peter Frings als Officer Krupke auf der Bühne des Nürnberger Opernhauses zu sehen sein.        

Weitere Informationen, etwa zu Karten, unter www.staatstheater-nuernberg.de

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16. 10. 2019
15:04 Uhr

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16. 10. 2019
15:04 Uhr



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