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Hassberge

250 Kilometer am Tag

Radclub Ebern ist nunmehr seit 125 Jahren auf Tour. Eine Leidenschaft, die teils in Kindertagen auf dem Schulweg entstand, lässt die Mitglieder heute quer durch Europa flitzen.



Die sogenannte "Applauskurve" im Hambach zwischen Ebern und Untermerzbach mit (von vorne) Maik Werner, Peter Schauer, Norbert Arndt, Stephan Elflein, Jürgen Janicek und Michael Lang.	Fotos (2): Helmut Will
Die sogenannte "Applauskurve" im Hambach zwischen Ebern und Untermerzbach mit (von vorne) Maik Werner, Peter Schauer, Norbert Arndt, Stephan Elflein, Jürgen Janicek und Michael Lang. Fotos (2): Helmut Will   » zu den Bildern

Ebern - Es ist Samstagnachmittag. Nach und nach treffen sechs Rennlader des Radclubs Ebern im Vereinstrikot an ihrem Treffpunkt auf dem Parkplatz des Aktivmarktes, am "Strasser Kreisel" in Ebern ein. Strass im österreichischen Zillertal, die Patenstadt von Ebern, war übrigens schon Ziel der Eberner Radler. An diesem Samstag haben sich einige spontan zu einer kurzen Radtour getroffen. "Das funktioniert meist über WhatsApp", erläutert Maik Werner, den man häufig mit seinem Bike sieht. Geplant ist eine Tour über den Hambach und dann entlang des Itzgrundes. Nach einer kurzen Besprechung wird in die Pedale gestiegen. Los geht es in Richtung Untermerzbach mit einen Tempo, bei dem man als Laie nur staunen kann.

Sie sind alle begeisterte Rennradfahrer im Alter von 26 bis 78 Jahren: die Mitglieder des Radsportclubs Ebern. Und der Verein auf eine lange Tradition zurück blicken kann. Bereits im Jahr 1895 wurde der Club auf amtliche Anordnung gegründet, hat dann, wie viele Vereine und Clubs in den Wirren der Kriegsjahre pausiert. Seit 1999 gibt es die begeisterten Radler in der heutigen Form.

Frank Hoff war es, der den Club im Jahr 1999 wieder aktiviert hat, Radsportbegeisterte um sich scharen konnte und den Radclub bis 2004 geführt hat. In dieser Zeit gab es neben Ausfahrten auch regelmäßige Treffen der damaligen Rennradler am Stammtisch. "Nach 2004 wurde der Radclub als Abteilung in den TV Ebern eingebunden und jeder der Lust am Rennradeln hatte, konnte Mitglied werden", sagt Bernhard Schmidt. Harald Barth, Wolfgang Barth, Rainer Haseloff, Frank Hoff, Bernhard Schmidt und Mario Siegel waren quasi die "Gründer" des derzeitigen Radclubs. Ein eingetragener Verein ist es nicht, gehört aber neben der Abteilungszugehörigkeit zum TV Ebern auch zum Sport- und Kulturverein Ebern.

Derzeit hat der Fahrradclub 41 aktive Mitglieder. Die beiden Senioren im Club sind Josef Gebhardt aus Ebern und Rainer Haseloff aus Rentweinsdorf. "Wir sind beide 78 Jahre, wobei Gebhardt drei Monate älter als ich ist", sagt Rainer Haseloff. Er war gezwungen Fahrrad zu fahren, als er mit vierzehn Jahren zur Schule ging. "Ich hatte einen Schulweg von 15 Kilometern und da war man schon froh einen Drahtesel zu haben", sagt Rainer. Ins "Rennen" eingestiegen ist er im Jahr 1978 und hat seitdem Aufzeichnungen über seine Touren und Strecken im Computer. "Die letzten 15 Jahre bin ich jährlich im Durchschnitt etwa 11 000 Kilometer gefahren. Hochgerechnet kommen so 165 000 Kilometer zusammen. "Das ging natürlich nicht immer alles ohne Blessuren. Mehrere Stürze, meist wegen Glatteis oder wegen Laub auf der Straße, hat er zu verzeichnen. Meine schlimmste Verletzung war ein Beckenanbruch", sagt der leidenschaftliche Radrennfahrer. Rainer schmunzelt: "Jetzt, in meinem Alter, werden die Berge immer höher und die Kilometer immer länger." Trotzdem hat er heuer eine Tour durch den Thüringer Wald geplant - mit 250 Kilometer am Tag. Jeden ersten Freitag im Monat treffen sich die Radler in ihrem Vereinslokal "Bei Peppo" in Sandhof um Erfahrungen auszutauschen und um in gemütlicher Runde zusammen zu sein. "Derzeit ist das leider wegen Corona nicht möglich", sagt Schmidt.

Bei der Radtour am Samstag ist auch Norbert Arndt aus Eyrichshof dabei, der mit seinen 57 Jahren an diesem Tag der Älteste der sechsköpfigen Gruppe ist. Seit zehn Jahren radelt er im Club mit. "Hobbymäßig fahre ich im Jahr mit meinem Rennrad um die 2500 Kilometer und mit meinem Mountainbike nochmal so 1500 Kilometer. Welche gemeinsame Unternehmungen stechen im Tourenplan heraus? "Wir hatten ein Trainingslager über zehn Tage auf Mallorca. Des Weiteren wurde die Partnerstadt von Ebern im Strass im Zillertal im Rahmen von Mehrtagesfahrten besucht. Im Frühsommer folgt sporadisch eine Radwoche in Südtirol oder Kärnten, wo unsere Mitglieder mehrere Pässe, wie das Stilfser Joch, den Karer- und Mendelpass, das Penser Joch, den Jaufenpass und das Timmelsjoch in Angriff nehmen", erläutert Bernhard Schmidt.

Ab dem 27. Juni 2020 nehmen die Radler aus Ebern an einer Bayernrundfahrt teil. "Diese hat Maik Werner hervorragend geplant", lobt Schmidt seinen Radlerkollegen. Die Rennradler haben durch ihre Trikots ein einheitliches Erscheinungsbild. Mit all der hochwertigen Ausrüstung bleibt die Frage nach den Kosten nicht aus. "Unsere aktiven Mitglieder haben überwiegend Carbonräder mit hochwertigen Komponenten, wo die Preise jenseits von 3000 Euro liegen und nach oben offen sind", so Schmidt.

Wie viele Kilometer jeder im Jahr fährt, hänge von der persönlichen Verfassung ab. "Meine Jahresleistung liegt so zwischen vier- und sechstausend Kilometer", sagt Schmidt. Maik Werner aus Ebern, der seit elf Jahren Rennrad fährt (acht davon im Radclub), hat etwas mehr "auf dem Buckel". "Im letzten Jahr habe ich 15 000 Kilometer und dieses Jahr bin ich gut dabei und denke, dass ich die 20 000-Marke erreiche", sagt er. Sein aktuelles Bike hat er seit dem Jahr 2016. Dafür musste er tief in die Tasche greifen. "Das hat 4500 Euro gekostet", sagt Maik.

Schmidt beklagt mangelnde Rücksicht von Autofahrern. Oft würde der 1,5 Meter Sicherheitsabstand beim Überholen nicht eingehalten - trotz des drohenden Bußgeldes. Das dürfe aber wohl immer eine Beweisfrage sein. Schön sei es aber, dass man auf Touren mit vielen Menschen in Kontakt komme. "Es ist ein tolles Gefühl mit Gleichgesinnten beim Stammtisch über Ausfahrten und Technik zu sprechen", sagt Schmidt. Radsport sei nicht nur aufs Rad zu steigen und in die Pedale zu treten. Man müsse auch verstehen was dabei im Körper vorgeht, man muss durch trainieren einschätzen können, was man sich zumuten kann.

Autor

Helmut Will
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Veröffentlicht am:
28. 06. 2020
18:06 Uhr

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Helmut Will

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Veröffentlicht am:
28. 06. 2020
18:06 Uhr



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