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Hassberge

58-Jährigem brennen alle Sicherungen durch

Wegen seiner drohenden Scheidung tickt er aus: Ein 58-Jähriger beleidigt Polizisten. Für einen Tritt in den Unterleib erhält er eine Bewährungsstrafe.



Haßfurt - Weil seine Ehe nach zwölf gemeinsamen Jahren zu zerbrechen drohte, sind einem 58-Jährigen aus dem Maintal am 6. September vergangenen Jahres mit später festgestellten 2,26 Promille Alkohol intus alle Sicherungen durchgebrannt. Er ohrfeigte seine Ehefrau und zerstörte in der Mietwohnung in einem Mehrfamilienwohnhaus drei Türen.

Als kurz vor Mitternacht eine von Nachbarn alarmierte Polizeistreife eintraf, bekamen die Beamten die Rage des Mannes zu spüren. Er titulierte sie unter anderem als "Drecksbullen" und drohte ihnen mit "ich mach euch kalt". Da er sich gegen eine Fesselung wehrte, brachten die Beamten den Wüterich zu Boden, um ihm die Fesseln anzulegen. Dabei erlitt er eine Wunde am Kopf. Als die Beamten ihn abführten, versuchte er einem der mittlerweile vier Polizisten einen Kopfstoß zu verpassen, was ihm jedoch nicht gelang. Im VW-Bus angekommen, trat er einem der Beamten in den Unterleib. Einen Weiteren versuchte er zu bespucken, was ihm aber nicht gelang.

Auch als der 58-Jährige endlich in der Ausnüchterungszelle war, war der Spuk für die Beamten noch nicht vorbei. Er drohte sich zu strangulieren und sich den Schädel an den Gitterstäben einzuschlagen, steckte seinen Kopf in die Kloschüssel und betätigte die Spülung. Als die Beamten der Nachtschicht eingreifen wollten, drohte er ihnen die Zähne einzuschlagen und die Kollegen abzustechen. Gegen sechs Uhr morgens entschieden sich die Beamten, den 58-Jährigen ins Bezirkskrankenhaus nach Werneck zu bringen, wo er fünf Tage lang bleiben musste.

Am Freitag bekam der Arbeiter seine Quittung am Amtsgericht, das ihn zu einer viermonatigen Freiheitsstrafe verurteilte, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Als Auflage muss er 400 Euro an die Stiftung der Polizeigewerkschaft berappen. Auf der Anklagebank entschuldigte sich der bislang nicht vorbestrafte Angeklagte für seinen Ausraster. Seine Mutter sei damals schwer erkrankt gewesen, die Scheidung habe ins Haus gestanden. "Er hatte keinen Boden mehr unter den Füßen", erklärte Verteidiger Jürgen Wagner die damalige Ausnahmesituation. Mit seiner Frau habe er sich am selben Abend noch versöhnt. Einen Strafantrag wegen der Ohrfeige habe sie nicht gestellt, so der Angeklagte. 100 Euro Schmerzensgeld-Anzahlung habe er dem Polizeibeamten bereits gezahlt, dem er in den Unterleib getreten hatte.

Schwere Anschuldigungen erhob der damalige Vermieter des Angeklagten im Zeugenstand. Der 58-Jährige habe mit seiner Frau die Wohnung "bei Nacht und Nebel" verlassen. Rund 1000 Euro habe er an Schaden hinterlassen. Ein Jahr lang habe er keinen Strom bezahlt und vier Monatsmieten seien offen. Ausgerastet sei er, weil seine Frau fremdgegangen sei, habe der Angeklagte zu ihm gesagt. Eine am Einsatz beteiligte Polizistin sagte, dass der elfjährige Sohn der Ehefrau des Angeklagten sich verkrochen habe, was jedoch nicht als für ihn ungewöhnlich erschienen habe.

Anklagevertreter Ilker Özalp tadelte den Angeklagten für seinen "massiven Widerstand" gegen die Vollstreckungsbeamten und forderte eine "moderate" fünfmonatige Bewährungsstrafe plus 500 Euro Geldauflage. Der Verteidiger führte an, dass die Beamten keine bleibenden Schäden davontrugen und dass die Schuldfähigkeit seines Mandanten durch den hohen Alkoholpegel zumindest eingeschränkt war. Der Anwalt plädierte daher auf eine dreimonatige Bewährungsstrafe sowie eine Geldauflage im Ermessen des Gerichts.

Richterin Ilona Conver blieb in der Mitte der Anträge und gestand dem Verurteilten, der kaum noch Erinnerung an die Tat hat, eine verminderte Schuldfähigkeit zu. Die Tat sei allerdings nicht im Bagatellbereich. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Martin Schweiger
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Veröffentlicht am:
01. 07. 2019
11:04 Uhr

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Martin Schweiger

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Veröffentlicht am:
01. 07. 2019
11:04 Uhr



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