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Hassberge

Andenken wichtiger denn je

Den Kopf senken, aber nicht hängen lassen. Unter diesem Motto beging, wie viele andere Kommunen im Kreis, auch die Stadt Ebern den Volkstrauertag.



Zum Volkstrauertag am Sonntag machte sich eine Prozession von mehreren Dutzend Menschen auf den Weg durch Eberns Innenstadt.
Zum Volkstrauertag am Sonntag machte sich eine Prozession von mehreren Dutzend Menschen auf den Weg durch Eberns Innenstadt.   » zu den Bildern

Ebern - Im Duden kann man es nachlesen: "trauern" bedeutet ursprünglich "den Kopf sinken lassen" oder "die Augen niederschlagen". Und genau das sollte man angesichts der Entwicklungen weltweit und auch in Deutschland gerade nicht tun.

Vor nunmehr 100 Jahren wurde vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Einführung eines Volkstrauertags als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs angeregt und am 1. März des Jahres 1925 erstmalig begangen. Seit 1952 gilt der vorletzte Sonntag vor dem ersten Advent in der Bundesrepublik zwar nicht als Feiertag, aber als "zu schützender Tag", an dem der Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Terrorismus und der im Auslandseinsatz gefallenen Soldaten der Bundeswehr gedacht wird.

Während der Gedenkfeier in Ebern ging Bürgermeister Jürgen Hennemann auf die Frage ein, ob man fast 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch einen Volkstrauertag brauche. Angesichts von Millionen Opfern von Krieg und Gewalt, angesichts von 213 gewaltsam ausgetragenen zwischen- und innerstaatlichen Konflikten allein im Jahre 2018 sei diese Frage unbedingt zu bejahen. Es bedürfe weiterhin der Momente des Innehaltens und der Orte des Gedenkens, damit das, was geschehen ist nicht verdrängt wird. Man lebe schon seit fast 75 Jahren in Frieden mit den europäischen Nachbarn, aus ehemaligen Feinden seien Freunde geworden. Man gehe aufeinander zu und versuche sich gegenseitig zu verstehen. Beispielhaft sei der Besuch der Feierlichkeiten anlässlich des 75. Jahrestages des Kriegsendes in der Eberner Partnergemeinde Trun in der Normandie.

Das Blasorchester Ebern umrahmte die Veranstaltung musikalisch. Traditionell erklangen das Lied "Der gute Kamerad" und die Nationalhymne. Delegationen der Eberner Vereine legten im Ossarium drei Kränze nieder und nach dem ehrenden Gedenken erteilte Pfarrer Bernd Grosser den Anwesenden den (ökumenischen) kirchlichen Segen. Auch er unterstrich die Notwendigkeit der Einrichtung Volkstrauertag. Trauern solle man aber nicht im Wortsinne mit niedergeschlagenen, vor der Realität verschlossenen Augen.

Ganz im Gegenteil müsse man sich umschauen und gucken, was vor sich geht. Radikalismus und Rassismus, Hassmorde, neue Kriegsherde im Nahen Osten und damit verbundene neue Flüchtlingsbewegungen, Megathemen wie die Bedrohung von Natur und Umwelt durch unseren ausufernden Lebensstil seien Probleme, über die man nicht hinwegsehen könne, die man in der Gegenwart angehen müsse, damit eine Zukunft überhaupt möglich bleibe.

Als eine Art gedankliche Erweiterung des Volkstrauertages nimmt die Stadt Ebern am Vorabend des Weihnachtsmarktes, 30. November, wieder an der Veranstaltungsreihe "Städte gegen Todesstrafe" teil. Ab 18 Uhr wird die Straßenbeleuchtung am Marktplatz ausgeschaltet und die Bevölkerung ist eingeladen zu einem Treffen mit Kerzen zusammen zu kommen, ein stilles Zeichen der Stadt vielleicht nicht nur gegen die Todesstrafe.

Autor

Rudi Hein
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Veröffentlicht am:
17. 11. 2019
19:16 Uhr

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Rudi Hein

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Veröffentlicht am:
17. 11. 2019
19:16 Uhr



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