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Bankräuber muss drei Jahre in Haft

Einer mutigen Angestellten ist es zu verdanken, dass ein Banküberfall in Oberschwappach misslang. Sie nahm den Täter, hinter schusssicherem Glas sitzend, nicht ernst und scherzte mit einer Kollegin.



Bankräuber muss drei Jahre in Haft
Bankräuber muss drei Jahre in Haft  

Bamberg - Die Mühlen der Justiz mahlen bekannterweise langsam - aber sie mahlen. Das musste am Mittwoch ein 52-jähriger Speditionskaufmann aus dem Landkreis Kronach am Landgericht am eigenen Leib erfahren. Die Zweite Strafkammer verurteilte ihn wegen dreier Banküberfälle aus den Jahren 2001 und 2002 zu einer dreijährigen Haftstrafe.

Seinen ersten Raubzug startete der Mann am 28. September 2001. Mit einer Clowns-Maske über dem Kopf, weißen Handschuhen und einer Spielzeugpistole in der Hand betrat er um 17.28 Uhr eine Bankfiliale in Ützing, Gemeinde Bad Staffelstein, und forderte die beiden weiblichen Angestellten auf, ihm das Bargeld auszuhändigen. Die ältere der beiden Frauen übergab ihm 16180 DM aus dem Tresor. Anschließend mussten die Frauen ihre Handys abgeben. Sie wurden von dem Täter mit Klebeband an ihre Bürostühle gefesselt und im Tresorraum eingesperrt. Danach flüchtete der Räuber mit dem Auto der älteren Frau.

Ohne Erfolg blieben zwei weitere Überfälle. Am 10. Dezember 2001 ging der Täter gegen 16.15 Uhr in die damalige Sparkassenfiliale in Oberschwappach. Diesmal trug er eine Nikolaus-Maske über dem Kopf und forderte Geld. Doch die Angestellte nahm den Täter nicht ernst. Im Zeugenstand erinnerte sie sich kichernd, dass sie dem Täter sagte: "Das geht jetzt nicht. Des Geld ist schon im Tresor und der ist mit einem Zeitschloss gesichert." Sie habe hinter einer schusssicheren Glasscheibe gesessen und sich daher sicher gefühlt, sagte sie dem Gericht. Als eine Kollegin hereinkam, habe sie lapidar gesagt: "Ich werde gerade überfallen".

Während der Unterhaltung mit dem Räuber drückte sie den Alarmknopf und informierte den Täter darüber, dass sie bereits die Polizei alarmiert habe. "Ich hab gedacht, der Oti Schmelzer (Komödiant aus Oberschwappach) spielt mir einen Scherz", gab sie zu Protokoll.

Weniger lustig nahm es der Täter. Auf der Anklagebank beklagte er, dass ihn die Dame nicht für voll genommen habe. Er sei dann aus der Bank geflüchtet und habe ein Auto angehalten, das ihn mitnahm. Dummerweise für ihn hinterließ er dabei einen Fingerabdruck auf der Beifahrertür, der ihn Jahre später überführen sollte. Auch der dritte Coup war nicht von Erfolg gekrönt. Am 7. Januar 2002 wartete der Angeklagte im Vorraum der Raiffeisenfiliale in Trunstadt bei Bamberg. Als die Angestellte die Filiale aufschließen wollte, bedrohte er sie mit einer Clowns-Maske verkleidet mit seiner Spielzeugpistole. Die Bedrohte schrie laut auf und rannte weg. Sie sei zehn Wochen lang krankgeschrieben gewesen und habe Angstzustände gehabt, schilderte sie ihr Schicksal vor Gericht.

Auch die beiden Angestellten in Ützing brauchten noch lange, um die Tat zu verarbeiten. Mit der älteren der beiden vereinbarte der Angeklagte die Zahlung von 1000 Euro Schmerzensgeld.

Dass er überhaupt nach der langen Zeit gefasst werden konnte, ist dem Fortschritt der Technik im Kriminalwesen zu verdanken. Das Bayerische Kriminalamt teilte der Kripo in Schweinfurt im Juli vergangenen Jahres mit, dass sie einen "Treffer" zur damaligen Fingerspur am Fluchtauto habe. Daraufhin überwachten die Kriminalbeamten die Telefonkommunikation der Verwandten des Angeklagten und schließlich dessen Handy. Die Rentenversicherung habe ihnen dann die Adresse das Angeklagten in Berlin mitgeteilt, sagte der ermittelnde Beamte im Zeugenstand. Seine DNA stimmte mit den an den Tatorten gefundenen Spuren überein.

Ein Sondereinsatzkommando nahm den Täter am 16. Oktober 2018 fest. Seitdem sitzt er in U-Haft in Bamberg. Auf der Anklagebank war der 52-Jährige voll geständig. Die Taten begründete er mit seiner Spielsucht, der er bereits als 18-Jähriger im Jahr 1985 erlegen sei. Er stammt aus gutem Haus. Sein Vater habe seine Sucht mit rund 300 000 DM finanziert. Das Geld habe er vor allem mit Sportwetten verzockt. Im Zeitraum vor den Banküberfällen habe er sich 7000 DM von zwielichtigen Russen geliehen, denen er 10 000 DM zurückzahlen sollte. Da er das Geld am Rückzahlungs-Tag nicht hatte, entschied er sich zu den Überfällen. Er kundschaftete telefonisch die Banken aus, in denen nur weibliches Personal beschäftigt war.

Nach den Taten tauchte der Angeklagte unter. Er lebte in München, Ludwigshafen, Bad Steben und seit 2009 in Berlin, wo er in Studentenwohnungen zur "Zwischenmiete" wohnte. Über Wasser gehalten habe er sich mit Wetten.

Laut eines psychiatrischen Gutachters war der Angeklagte bei seinen Taten voll schuldfähig. Staatsanwalt Andreas Ullstein beantragte daher eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren. Verteidiger Christian Barthelmes sah einen minderschweren und atypischen Fall vorliegen. Sein Mandant sei seit zwölf Jahren straffrei. Das Leben im Untergrund sei für ihn sehr belastend gewesen. Eine Haftstrafe würde bei ihm "mehr kaputt machen". Daher hielt der Anwalt eine zweijährige Bewährungsstrafe für angemessen. Das Gericht verhängte die Haftstrafe. Die Taten seien "an der Schwelle zum Dilettantismus" gewesen, sagte Richter Christian Lang in der Urteilsbegründung. Wenn der Angeklagte nach seiner Haftentlassung wieder zu Geld kommt, muss er das gestohlene Geld an die Bank zurückzahlen, verfügte das Gericht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Martin Schweiger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
23. 05. 2019
18:04 Uhr

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Martin Schweiger

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23. 05. 2019
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