Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Hassberge

Biotope als Trittsteine für die Natur

Die Grünen fordern im Gemeindewald Oberaurach, einen Teil des Forsts aus der Bewirtschaftung zu nehmen. Die Teilflächen sollen sich über die gesamte Fläche verteilen.



Totholz ist ein Lebensraum für viele seltene Pilz- und Insektenarten. Geht es nach der Fraktion der Grünen in der Gemeinde Oberaurach sollen künftig fünf Prozent der gemeindlichen Forstfläche sich selbst überlassen werden, um die Artenvielfalt zu fördern. Archivfoto: Christian Licha
Totholz ist ein Lebensraum für viele seltene Pilz- und Insektenarten. Geht es nach der Fraktion der Grünen in der Gemeinde Oberaurach sollen künftig fünf Prozent der gemeindlichen Forstfläche sich selbst überlassen werden, um die Artenvielfalt zu fördern. Archivfoto: Christian Licha  

Oberaurach - Ein Naturschutzkonzept des Forstbetriebes Ebrach könnte möglicherweise auch im Gemeindewald Oberaurach umgesetzt werden. Das sogenannte "Trittsteinkonzept" stellte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Julian Bayer, am Donnerstag dem Gemeinderat in seiner Sitzung vor. Vorausgegangen dazu war ein schriftlicher Antrag an den Gemeinderat. Von Seiten der Gemeindeverwaltung wurde eine Stellungnahme von Förster Albrecht Hartung angefordert, die dieser voraussichtlich in der nächsten Gemeinderatssitzung vorstellen wird.

Der Steigerwald ist eines der bedeutendsten Laubwaldgebiete Deutschlands. Der obere und nördliche Steigerwald ist geprägt von großen zusammenhängenden Staatswäldern. Wegen ihrer Naturnähe und der verbliebenen Artenfülle haben die Laubwälder des Steigerwalds eine europa- und weltweite Bedeutung für die Erhaltung der biologischen Vielfalt (Biodiversität). Allein die Anzahl der Holz bewohnenden Käferarten, eine der wichtigsten Weisergruppen für die Biodiversität in Wäldern, wird auf 480 Arten geschätzt. 440 davon sind bereits in den vom Forstbetrieb Ebrach betreuten Staatswaldungen nachgewiesen.

Das ‚Regionale Naturschutzkonzept‘ des Forstbetriebs Ebrach ist ein integratives Konzept, welches ein Nebeneinander von Artenschutz und Holznutzung auf der gesamten Waldfläche des Forstbetriebs anstrebt. Für die Sicherung der Biodiversität auch in Wirtschaftswäldern sind

Strukturvielfalt und der Zugang zum Holz lebender und abgestorbener Bäume entscheidend. Kern des Konzeptes ist ein sorgfältig ausgewähltes und vernetztes System von dauerhaften Hiebsruhe- und Extensivierungsflächen.

Ein Ziel des Trittsteinkonzeptes ist es, Teilflächen aus der Bewirtschaftung nehmen. Nach dem Willen der Grünen in Oberaurach sollen dort fünf Prozent der Waldfläche in Hiebsruhe gestellt werden. Diese sollen über die gesamte Waldfläche verteilt sein (sogenannte Trittsteine). Weiterhin sollen Biotopbäume erhalten werden, die mit Spechthöhlen, Faulstellen, Pilzkonsolen, Astabbrüchen und Greifvogelhorsten Lebensräume für seltene Arten bieten. Solche Biotopbäume entstehen in Wäldern immer wieder durch Naturereignisse (Stürme, Schneebruch) oder durch Spechte, wie Bayer erklärte. Für den Gemeindewald Oberaurach wünschen sich die Antragsteller zehn Biotopbäume pro Hektar, die markiert und erhalten bleiben sollen. Durch das Vertragsnaturschutzprogramm Wald wird das Vorhaben mit 125 bis 195 Euro je Baum gefördert. Auch die Erhaltung von Totholz, das ein Lebenraum für viele seltene Pilz- und Insektenarten ist, sieht der Antrag vor. Durch Nutzungsverzicht abgestorbener und von Kronen gefällter Bäume kann Totholz gezielt angereichert werden. Angestrebt wird eine Verteilung mit 15 Kubikmeter liegendes Totholz, fünf Kubikmeter stehendes Totholz inklusive Kronentotholz und 5 Kubikmeter Stöcke. Da Totholz, je nach Baumart und Stärke, 30 bis 50 Jahre im Wald verbleibt, bis es komplett zersetzt ist, bedeutet dies einen jährlichen Nutzungsverzicht von rund 0,5 Festmeter je Hektar, heißt es im Antrag. Bei einem jährlichen Zuwachs von mindestens 7 Festmeter je Hektar und Jahr entspricht der Nutzungsverzicht nur rund sieben Prozent. Das wertvolle Stammholz und ein Großteil des Brennholzes kann also weiter genutzt werden, stellte Bayer klar. Für stärkeres Totholz über 40 Zentimeter Durchmesser kann ebenfalls ein Zuschuss nach dem Vertragsnaturschutzprogramm Wald gewährt werden. Dieser beträgt 90 Euro je Stück.

Jan-Michael Derra vom Ingenieurbüro Stubenrauch aus Königsberg stellte dem Gremium die Planungen für die Erweiterung des Baugebietes "Löhlein" in Tretzendorf vor. Auf Vorschlag von Bürgermeister Thomas Sechser wurde der Beschluss über die Billigung des Vorentwurfes der zweiten Änderung des Baubauungsplanes auf die nächste Sitzung vertagt. Grund dafür ist eine bei der Vorstellung aufgekommene Diskussion über die Regenrückhaltebecken in dem Baugebiet. Ursprünglich vorgesehen war ein großes Becken für einige Grundstücke zusammen und separate Einzel-Rückhaltebecken bei bestimmten Bauplätzen. Im Zuge der Gleichbehandlung sprach sich der Gemeinderat dafür aus, das jedes Grundstück ein eigenes Regenrückhaltebecken vorhalten soll. Diese Änderung wird nun vom Ingenieurbüro in den Plan mit eingearbeitet.

Autor

Christian Licha
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 06. 2020
18:08 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Biodiversität Biologie Biotope Bäume Holz Kommunalverwaltungen Laubwälder Naturereignisse Thomas Sechser Totholz Wald und Waldgebiete
Oberaurach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Revierförster Wolfgang Meiners berichtete im Gemeinderat über die Situation des gemeindlichen Forsts. Hitze und Trockenheit hätten ihren Tribut gezollt - und seien auch 2020 noch nicht ausgestanden.	Archivfoto: Christian Licha

21.01.2020

Freudensprünge in Pfarrweisach bleiben aus

Der Jahresbericht über dem Pfarrweisachs Wälder fällt verhalten aus. Aber auch ein Vorschlag des Bürgermeisters stößt auf wenig Gegenliebe. » mehr

Der Amphibienschutzzaun an der Staatsstraße Haßfurt - Ebern schützt die Tiere davor, überfahren zu werden. Vor allem bei den aktuell schwnaken Temperaturen kann der Weg für die Tiere gefährlich werden. Fotos: Haubensack

04.03.2020

Einsatz für die Landschaftspflege

Landwirtschaft und Naturschutz engagieren sich für biologische Vielfalt. Auch heuer finden im Landkreis Haßberge wieder umfangreiche Maßnahmen statt. » mehr

Über Stock und Stein führt so manch naturnaher Weg durch Wald und Wiesen. Nicht immer am bequemsten, dafür aber Natur pur, so erhoffen sich viele Wanderer ihre Tour. Archiv-Foto: Ruprecht

03.03.2020

Naturnahe Wanderwege in Gefahr

Kleinen Pfade und einfache Feldwege verschwinden. Der Deutsche Wanderverband möchte etwas dagegen unternehmen. » mehr

Deutlich zu sehen sind hier die Fraßgänge unter der Rinde (oben) und die Bohrlöcher des Borkenkäfers.	Foto: Licha

24.07.2019

Wechsel auf nicht einheimische Baumarten

Der Fichte geht es nun doppelt an den Kragen: Gab es im letzten Jahr in der Region vermehrt Kupferstecher, die den Wald kaputt machten, so kommt heuer der Buchdrucker hinzu. » mehr

In den Käppeleswald führte der Waldgang des Stadtrates Ebern. Fotos: Licha

15.07.2019

Käppeleswald hat gute Zukunftschancen

Betriebsleiter Jürgen Hahn macht sich Sorgen um den heimischen Wald. Vor allem in der Region sieht er den Bestand in Gefahr. Doch er bezweifelt, dass schon alle die drohende Lage erkannt haben. » mehr

Waldbesitzer im Wettlauf gegen die Käfer

17.04.2020

Waldbesitzer im Wettlauf gegen die Käfer

Winter und Frühjahr waren nass und mild. Ein Segen vor allem für die Wälder. Allerdings kündigt sich schon jetzt wieder ein großer Schädlingsbefall an. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw bleibt in Unterführung stecken

Lkw bleibt in Unterführung stecken | 09.07.2020 Coburg
» 13 Bilder ansehen

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Autor

Christian Licha

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 06. 2020
18:08 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.