Topthemen: NP-FirmenlaufSerie: Mein CoburgVerkehrslandeplatzStromtrasseHSC 2000 Coburg

Hassberge

Breite Front gegen P 44

Sollte die Stromtrasse gebaut werden, ist auch der Landkreis betroffen. Beim CSU-Gespräch in Ibind ziehen Redner die Notwendigkeit in Zweifel.



In Anspielung auf die derzeit blühenden Wiesen und Fluren überreichte CSU-Ortsvorsitzender Hermann Niediek Landrat Wilhelm Schneider (links) und Landtagsabgeordnetem Steffen Vogel "Bienenstich"-Likör.	Foto: Klemens Albert
In Anspielung auf die derzeit blühenden Wiesen und Fluren überreichte CSU-Ortsvorsitzender Hermann Niediek Landrat Wilhelm Schneider (links) und Landtagsabgeordnetem Steffen Vogel "Bienenstich"-Likör. Foto: Klemens Albert   » zu den Bildern

Ibind/Burgpreppach - Da waren sich alle einig: Wir brauchen sie nicht und wir wollen sie nicht, die drohende Stromtrasse P 44 durch den Landkreis Haßberge. Der CSU-Ortsvorsitzende und Bürgermeister von Burgpreppach, Hermann Niediek, hatte zu einem Gespräch der Bürger mit dem Landtagsabgeordneten Steffen Vogel und Landrat Wilhelm Schneider (beide CSU) in den Saal des Gasthauses Rädlein eingeladen.

Vogel nannte als Ausgangslage die laufende Energiewende, denn nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima sei auf Druck der Bevölkerung der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen worden. Aber irgendwoher müsse der Strom kommen, von dem es im Norden zu viel gibt und im Süden zu wenig. Eine Stromleitung von Schalkau in Thüringen nach Bergrheinfeld "könnte uns treffen" meinte der MdL, zumal nach dem Grundsatz einer Bündelung von Belastungen für eine Trassenführung entlang der B 303 ins Auge gefasst werden könnte.

Der Netzbetreiber Tennet habe, so Vogel die Trasse P 44 bei der Bundesnetzagentur (BNA) angemeldet. Die Bayerische Staatsregierung habe dagegen klar geäußert, dass man diese Leitung nicht brauche, die BNA dagegen sage "doch!". Da diese dem Wirtschaftsministerium unterstehe, müsse jetzt der Bundestag entscheiden. Und dabei, so bedauerte Vogel, stimmten viele ab, die eine solche Leitung nicht berühre. Man könne, so Vogel, im Süden dezentral genügend Strom produzieren, doch Tennet wolle Strom vom Norden nach Süden transportieren, auch weil Deutschland einen hohen Überschuss erziele und Strom nach Österreich und Tschechien exportieren wolle.

Ziel bei der jetzigen Diskussion müsse sein, so war man sich einig, dass nicht über eine eventuelle regionale Verschiebung der Planungen geredet werden dürfe, sondern dass die Leitung überhaupt abgelehnt werden müsse. Sie sei aus verschiedenen Gründen nicht nötig.

Laut Landrat Wilhelm Schneider sei noch nicht klar, ob die Leitung überhaupt und gegebenenfalls wo sie gebaut werden soll. Trotzdem sei es wichtig, den Protest dagegen aufrecht zu erhalten. Derzeit seien Resolutionen der von den Plänen tangierten Landkreise Haßberge, Schweinfurt und Coburg sowie der betroffenen Gemeinden und der politischen Vertreter der Region anhängig oder im Entstehen.

Gerald Hellmuth aus Maroldsweisach stellte dar, dass sein Arbeitgeber, die Stadt Coburg, nur noch dezentral gewonnenen Strom kaufe. Er forderte die Bürger auf, sich zu wehren gegen die drohende Stromtrasse durch den Landkreis. Drastisch schilderte er deren Ausmaße. Egal, ob bei einer Überlandleitung (Höhe der Masten etwa 60 bis 70 Meter) oder einer Erdverkabelung: Es entstehe über viele hundert Kilometer jeweils eine 100 Meter breite Schneise durch den Wald.

Bisher haben sich nach Aussage des Bürgermeisters noch nicht viele Bürger in die Protestlisten eingetragen. Diese liegen, wie er sagte, im Dorfladen in Burgpreppach und bei den zuständigen Verwaltungsgemeinschaften aus.

Ein weiteres Thema, das viele Bürger unmittelbar betreffen kann, ist eine Änderung der Straßenausbausatzung, die eine Abschaffung der Anliegerbeiträge vorsieht. MdL Vogel gab unumwunden zu, dass bereits 2016 festgestellt worden sei, dass etwas geschehen müsse angesichts einer bestehenden Ungerechtigkeit. In der CSU sei man im Blick auf die näher rückenden Landtagswahlen und dem gleichzeitig eingeleiteten Volksbegehren der Freien Wähler "nervös geworden" und habe jetzt schnell gehandelt.

Die Entlastung der Bürger solle rückwirkend zum 1. Januar greifen. Im Gegensatz zum Volksbegehren der Freien Wähler sehe der Entwurf der Staatsregierung, der in erster Lesung behandelt worden sei, auch eine Entlastung der Gemeinden vor. Denn die entfallenden Beiträge, die Gemeinden von den Bürgern hätten bekommen können, werde der Staat in voller Höhe übernehmen (Siehe auch Seite 10 ).

Zu den zu erwartenden zahlreichen Umsetzungsprobleme nahm der Jurist Steffen Vogel ausführlich Stellung. Sollte die Regelung wie geplant kommen, könnten beispielsweise die Bürger von Ueschersdorf Glück haben, weil bei ihnen der Straßenbau zwar abgeschlossen sei, die Bescheide aber noch nicht verschickt wurden.

Die zahlreich anwesenden Bürger äußerten den beiden Politikern gegenüber noch weitere Fragen und Wünsche wie etwa Geschwindigkeitsbegrenzungen an der B 303 bei Abzweigungen und einen Radweg entlang dieser Straße Richtung Hofheim. Zum Tierheim in Zell gab der Landrat bekannt, dass dies grundsätzlich Aufgabe der Gemeinden sei, vom Landkreis aber kräftig subventioniert werde. Am 12. Mai werde es seiner Bestimmung übergeben.

Hinsichtlich des künftig verbotenen Verbrennens holziger Gartenabfälle erläuterte Vogel, dass eine Ausnahmegenehmigung per Verordnung abgeschafft worden sei. In knappen Worten nahm er abschließend noch Stellung zu Entwicklungen in der bayerischen Regierungspolitik.

Autor

Klemens Albert
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 04. 2018
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesnetzagentur Bürger CSU Deutscher Bundestag Die Bayerische Freie Wähler Hermann Niediek Landtagsabgeordnete Reaktorkatastrophe von Fukushima Reaktorkatastrophen Rhetoriker Stadt Coburg Steffen Vogel Stromtrassen Tennet Volksbegehren Wilhelm Wilhelm Schneider
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Verschiedene Mandatsträger fanden sich in der "Alten Schule" in Lendershausen ein, um die gelungene Sanierung zu sehen. Von links Architekt Sebastian Pollach, Kreisrat Thomas Wagenhäuser, Landrat Wilhelm Schneider, Landrat Thomas Habermann, Bürgermeister Wolfgang Borst, Landtagsabgeordneter Steffen Vogel und Stadtrat Gerd Scheller. Foto: Schmidt

10.01.2018

Auf dem Land lebt es sich prinzipiell schöner

Auch, wenn es mal zu Disputen kommt: Am Ende der Diskussion "Jetzt red i" sind sich alle einige, dass eine Metropole nicht nur Vorteile bietet und dass sich kleinere Kommunen nicht verstecken müssen. » mehr

Diese Neumitglieder freuen sich, ein Teil der CSU zu sein. Sie hatten die Gelegenheit, Dorothee Bär bei ihrem ersten Auftritt als "Staatsministerin für Digitales" in ihrer Heimat zu erleben. Fotos: Licha

27.03.2018

Staatsministerin begeistert in Wonfurt

Die CSU hat sich zum Neumitgliederempfang in Wonfurt getroffen. Mit dabei auch Dorothee Bär. Sie hatte ihren ersten heimischen Auftritt, seit sie mit ihrer neuen Aufgabe betraut wurde. » mehr

Der Netzentwicklungsplan 2030 sieht weiter eine zentrale Erzeugung von Strom und dessen Transport vor - mit P 44 auch durch den Haßbergkreis.

16.10.2017

Kreistag unter Strom

Die Kreisräte in den Haßbergen nutzen am Montag die letzte Gelegenheit, um gemeinsam ein Signal gegen die P43 und P44 zu setzen. Wahrscheinlich ist wohl eine Trassenführung entlang der B 303. » mehr

Steffen Vogel und Staatssekretär a. D. Albert Meyer, beide ehemals JU.

10.04.2018

Glückwünsche vom Ministerpräsidenten

Die Rudolf-Mett-Halle in Königsberg kann die Gäste kaum fassen, die der Jungen Union zum 60. gratulieren wollen. Vor allem aber sind sie aber wohl wegen eines bestimmten Gratulanten gekommen. » mehr

Stimmlich etwas angeschlagen kam Steffen Vogel zu seinen Parteifreunden nach Geroldswind, um über die aktuelle Lage aufzuklären. Fotos: Schmidt

16.02.2018

Vogel kritisiert SPD

Die CSU kam in dieser Woche auch in Geroldswind zusammen, um über die aktuelle politische Lage zu diskutieren. Dabei äußern Bürger auch Unmut. » mehr

Die CSU-Kandidaten für die nächsten Wahlen Wilhelm Schneider (Listenkandidat Bezirkstag), Bezirksrat Thomas Habermann, Staatssekretärin Dorothee Bär, Juliane Demar (Listenkandidatin Landtag) und MdL Steffen Vogel (Landtag).	Foto: Günther Geiling

17.09.2017

100 Prozent für jeden

Die CSU im Stimmkreis 604 demonstriert Geschlossenheit: Einstimmig bestimmen die Delegierten ihre Kandidaten für die Landtags- und Bezirkstagswahl 2018. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Kundgebung für ein humanes Europa Coburg

Kundgebung für ein humanes Europa | 19.07.2018 Coburg
» 39 Bilder ansehen

Städtetag

Empfang Bayerischer Städtetag in Coburg | 18.07.2018 Coburg
» 81 Bilder ansehen

Scheunenbrand bei Höfles

Scheunenbrand bei Höfles | 17.07.2018 Höfles
» 6 Bilder ansehen

Autor

Klemens Albert

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 04. 2018
00:00 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".