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Hassberge

Das Gras steckte in einer Socke

Ein 24-Jähriger erhält eine einjährige Bewährungsstrafe und 1000 Euro Geldauflage wegen des Handels mit Rauschgift. Man fand bei ihm Marihuana.



Das Gras steckte in einer Socke
Das Gras steckte in einer Socke  

Haßfurt - Den Beamten der Rauschgiftkommission darf man ein gerütteltes Maß an Gründlichkeit attestieren. Als sie am 13. September 2018 die Wohnung eines 24-jährigen Metallarbeiters im Maintal durchsuchten, fanden sie nicht nur eine Vielzahl von abgepackten Tütchen mit Marihuana samt Feinwaage. Die Ermittler entdeckten außerdem eine schwarze Dose mit Drogeninhalt, die der junge Mann kurzerhand auf das Dach des Nachbarschuppens geworfen hatte sowie eine graue Socke, in der 7,6 Gramm Rauschgift versteckt waren.

Nach fast dreistündiger Verhandlung verurteilte das Schöffengericht den ledigen Angeklagten wegen unerlaubten Besitzes und Handel-Treibens mit Betäubungsmitteln zu einem Jahr auf Bewährung, verbunden mit einer 1000-Euro-Geldstrafe. Auf die Spur des Drogendealers kamen die Fahnder, als sie Mitte 2018 das Handy eines anderweitigen Verdächtigen aus dem Drogenmilieu auswerteten. Nachdem sie eine richterlich angeordnete Durchsuchung erwirkt hatten, schlugen sie zu. In der Wohnung des Industriearbeiters fand sich neben den bereits beschriebenen Gegenständen auch Bargeld in Höhe von 1450 Euro.

Anschließend übernahm ein Polizeibeamter der Schweinfurter Rauschgiftfahndung die weiteren Ermittlungen. Wie er im Zeugenstand berichtete, schickte er das "Gras" an das Landeskriminalamt nach München. Dort berechneten die Experten, wie viel Tetrahydrocannabinol (THC) darin enthalten war. Mit 7,63 Gramm THC-Gehalt ergab sich ein Wert, der ganz knapp über dem juristischen Grenzwert von 7,5 Gramm für eine geringe Menge liegt. Das ist überaus wichtig, weil Besitz und Handeltreiben mit "nicht geringen Mengen" drastisch bestraft werden.

Bei der Gerichtsverhandlung verhielt sich der Beschuldigte eher teilnahmslos und ließ in erster Linie seinen Rechtsanwalt Marc Brab für sich sprechen. Dieser gab zwar den unerlaubten Besitz zu, versuchte aber das Schöffengericht davon zu überzeugen, dass sein Mandant den vorgefundenen Stoff nicht verkaufen, sondern selber konsumieren wollte. Da ein großer Teil des "Grases" nur von minderer Qualität gewesen sei, habe die Drogenmenge in etwa für eine "Monatsration" ausgereicht. Zudem sei dem Arbeiter eine Gewinnerzielungsabsicht nicht nachzuweisen.

Dass das Rauschgift lediglich für den Eigenkonsum gedacht gewesen sei, wertete der Staatsanwalt als Schutzbehauptung. Er begründete seine Auffassung mit folgenden Indizien: Zum einen mit der vorgefundenen Feinwaage und zum anderen mit der Stückelung des ebenfalls aufgefundenen Bargeldes. Die 1450 Euro lagen nämlich ausschließlich in 20 und 50 Euroscheinen vor. Das, so der Vertreter der Anklage, sei eindeutig "eine drogentypische Stückelung". In seinem Plädoyer forderte er eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie eine 2000-Euro-Geldauflage.

Strafrechtlich gesehen ist der Angeschuldigte kein unbeschriebenes Blatt. Bereits vier Mal musste er sich vor dem Jugendgericht verantworten. Zweimal, weil er ohne Fahrerlaubnis hinter dem Steuer eines Fahrzeugs erwischt worden war, je einmal wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses sowie wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichterin Ilona Conver folgte der Argumentationslinie des Staatsanwalts und war überzeugt, dass der Drogenbesitzer "zumindest in gelegentlichem und geringem Umfang" mit dem Stoff gehandelt habe.

Das Strafmaß wurde allerdings reduziert, weil der Verurteilte einen festen Arbeitsplatz hat und sozial eingebunden ist. Die 1000-Euro-Geldauflage muss er an die Tierschutzinitiative Haßberge überweisen und das sichergestellte Drogengeld wird eingezogen. Als Verurteilter hat er zudem die Gerichtskosten zu tragen und muss seinen Anwalt bezahlen. Der Richterspruch wird erst rechtskräftig, wenn keine der Parteien binnen einer Woche Einspruch erhebt.

Autor

Martin Schweiger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
17:06 Uhr

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Martin Schweiger

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Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
17:06 Uhr



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