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Hassberge

Die digitale Gesellschaft

Die Redaktion des Wallburg-Express diskutiert mit Experten über die Medien und das Internet. Im Fokus steht die Meinungsbildung im Wandel der Zeit.



Einen "Premiumpreis" über einen Tag zur "digitalen Gesellschaft" erhielt das Redaktionsteam des "Wallburg-Express"; hier mit Schulleiter Raimund Willert und SZ-Redakteurin Anna Günther (von links), dem Chef der SZ-Bayernredaktion Sebastian Beck und betreuenden Lehrer Richard Künzel (von rechts) sowie Programmleiterin Silke Zimmermann (4. von rechts). Foto: Geiling
Einen "Premiumpreis" über einen Tag zur "digitalen Gesellschaft" erhielt das Redaktionsteam des "Wallburg-Express"; hier mit Schulleiter Raimund Willert und SZ-Redakteurin Anna Günther (von links), dem Chef der SZ-Bayernredaktion Sebastian Beck und betreuenden Lehrer Richard Künzel (von rechts) sowie Programmleiterin Silke Zimmermann (4. von rechts). Foto: Geiling   » zu den Bildern

Eltmann - "Die Digitalisierung heute ist ähnlich wie die Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es ist aber eine Chance, die wir annehmen sollten. Die Schülerzeitung hilft Schülern, zu hinterfragen, mündige Bürger zu werden und nicht alles zu glauben, was daher gequatscht wird. Es gibt auch eine Gegenmeinung." Diese Aussage stand unlängst im Mittelpunkt des "Mensa-Gespräches" an der "Georg-Göpfert-Mittelschule" in Eltmann, das sich mit der "digitalen Gesellschaft" befasste.

Schulleiter Rektor Raimund Willert stellte bei seiner Begrüßung mit Stolz heraus, dass die Eltmanner Schülerzeitung "Wallburg-Express" in den letzten 15 Jahren siebenmaliger Landessieger und nunmaliger Bundessieger wurde sowie zwölf Mal bundesweit prämiert wurde. Novum sei nun bei der letzten Auszeichnung als Landessieger gewesen, dass man als Preis einen Workshop und eine Abendveranstaltung erhalten habe, der von der "Süddeutschen Zeitung" und der "Nemetschek-Stiftung" unterstützt werde.

In Workshops sei es nun an diesem Tag um die Themen gegangen "deine Stimme zählt", "Ethik & Journalismus" sowie "Fake News" und am Nachmittag habe es auch eine Redaktionssitzung mit der Schülerzeitung gegeben. Nun wolle man in der Abendveranstaltung mit den Schülerredakteuren, Lehrern und Eltern sowie den Verantwortlichen der Stadt im "Mensa-Gespräch" diskutieren, "wie der technische Umbruch Journalismus, Demokratie und Bildung beeinflussen" und dazu Fachleute wie Sebastian Beck, Chef der SZ-Bayernredaktion, Anna Günther, SZ-Redakteurin für Bildung- und Hochschulpolitik und Silke Zimmermann, Programmeleiterin der Nemetschek-Stiftung ganz offen Rede und Antwort stehen. Silke Zimmermann nannte das Ziel der Stiftung, den demographischen Halt und die Demokratie zu fördern und über demokratische Themen mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. In Zeiten von Fake News gelte es die Argumentationsfähigkeit zu stärken.

Sebastian Beck gestand ein, dass sich auch das Berufsbild des Journalisten in den letzten Jahrzehnten völlig geändert habe. Dieses Geschäftsmodell sei in einer tiefen Krise und man sehe dies auch daran, dass viele Medien oder regionale Zeitungen schon weg seien. Und die noch da wären, hätten keine Leute oder Reporter mehr für eine Sache. "Wir haben früher Zeitung gemacht und natürlich jetzt auch noch, aber wir gehen auf verschiedenen Kanälen heraus und versuchen, Schritt zu halten." Dabei ging er darauf ein, was die digitalen Medien verändert hätten. "Die Gesellschaft wird polarisiert, der Ton wird schärfer, das Klima hat sich verändert; die Spaltung zwischen Stadt und Land vertieft und das alles macht uns auch Sorge." Man habe eben auch nicht mehr die Meinungsführerschaft, während auf der anderen Seite Youtouber Rezo 10 Millionen auf sein Video ziehe oder auch beim Spiegel Relotius in der Branche zwar kein Erdbeben, aber viele Diskussionen ausgelöst habe.

Redakteurin Anna Günther sah es als wichtige Aufgabe an, "das Vertrauen der Leser zu gewinnen und Geschichten für die Leser zu schreiben. Aufgabe ist es natürlich auch aufzuklären. Wenn wir aber lügen, haben wir keine Berechtigung da zu sein. Unser Anspruch ist die Sorgfalt bei der Recherche und das rechtfertigt, dass der Leser dafür auch bezahlt." Im Hinblick auf die Digitalisierung in der Schule, wüssten alle nicht, wie es weitergehe. Digitalisierung bedeute auch Ungewissheit und Verunsicherung, "was wird kommen und muss ich mich verändern. Aber wir brauchen jetzt die Ausstattung und Technik dazu."

Sebastian Beck stellte fest, "dass die Aufmerksamkeitsspanne mit der Digitalisierung kürzer wird und es stellt sich schon die Frage, ob man das sinnvoll in den Unterricht integrieren kann oder auch wieder mehr zur Kreide kommt." Aus dem Zuhörerkreis kam die Bestätigung, dass auch die Lehrer verunsichert würden oder auch die Eltern, wie das mit den Kindern in der Schule weitergehe. Auf keinen Fall dürfe natürlich "Digitalisierung heißen: alter Wein in neue Schläuche". Natürlich gebe es auch viele Möglichkeiten und Vorteile der Digitalisierung wie zeitversetzte oder andere lokale Kommunikation. Hochschulredakteurin Anna Günther meinte dazu "WLAN und Glasfaser muss in jede Schule. Das heißt aber nicht alle alten Methoden über Bord zu werfen."

Ein Zuhörer aus der IT-Branche wies auf die schnelle Veralterung der Technik hin, aber auch darauf, wie man dies in der Schule umsetzen könne. In der Wirtschaft seien derzeit zehn Prozent der Mitarbeiter mit der Funktion der Digitalisierung beschäftigt. Wenn man dies auf die Schule übertrage, dann müssten bei einem Lehrerkollegium von 40 Personen auch 4 Personen für diese Wartung abgestellt sein. Und das sei nirgends der Fall.

Anna Günther warf bei der Zielsetzung auch einen Blick in die Welt und fragte. "Wollen wir, dass uns die Chinesen überrennen? Oder wollen wir dafür sorgen, dass unsere Jugendlichen vorne dabei sind? Dazu muss man aber auch richtig Geld einstellen." Die Schulhäuser, gerade wie in Eltmann seien hübsch und prima, aber jetzt müsse man auch noch die Kinder vorwärts bringen mit dem entsprechenden Budget.

Bürgermeister Michael Ziegler nannte als Sachaufwandsträger in diesem Zusammenhang die Ausführungsbestimmungen oft das Problem. "Auf der einen Seite bekommen man die Wünsche der Schulleitungen auf den Tisch, aber wir wissen noch nicht, wie viel Geld wir bekommen und müssen zu lange warten. Wir haben von der Stadt in den letzten Jahren 15 Mio Euro investiert und brauchen aber noch mehr Unterstützung. Manche Kommunen können sich das auch nicht leisten."

Schulleiter Raimund Willert zeigte das Ziel auf. "Wir wollen mit den Weg gehen, dass sich unsere Schüler in der digitalisierten Welt zurechtfinden. Das kostet Zeit und Geld und dazu müssen wir unsere Lehrkräfte auch im eigenen Haus fortbilden. Die Frage ist nur, was wir tun müssen, damit dies möglich ist!"

Schließich kam auch noch die schlimme Gesprächskultur im Internet zur Sprache und wie die sozialen Medien eingesetzt würden. Zum Teil wurden sie sogar als "demokratiegefährdend" eingestuft. Sebastian Beck machte dazu die Aussage: "Die Kinder müssen lernen, wie sie mit diesen Medien umgehen können." Unternehmen wie Facebook müsse man auch einer demokratischen Kontrolle unterziehen und im Idealfall ein rechtliches Dach dafür finden. Junge Leute könnten nämlich oft nicht unterscheiden, was Journalismus und was PR sei. Die drei externen Gesprächsteilnehmer waren von ihrem Praxistag in Eltmann begeistert und meinten, "da wächst ein Nachwuchs daher, der stolz macht. Es war schön bei euch. Mit eurer Schülerzeitung müsst ihr bei der Prämierung jetzt einmal ein Jahr aussetzen, damit auch andere einmal drankommen. Wir wünschen euch aber weiterhin viel Erfolg."

Autor

Günther Geiling
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
13. 06. 2019
10:02 Uhr

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Günther Geiling

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Veröffentlicht am:
13. 06. 2019
10:02 Uhr



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