Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Hassberge

Drogendealer zeigen sich gegenseitig an

Ein 38-jähriger muss sich vor Gericht verantworten, weil er Drogen bei einem anderen bestellt hat. Diese wollte er jedoch nie abnehmen, im Gegenteil. Er verpfiff den Kontrahenten. Der sann auf Rache.



Drogendealer zeigen sich gegenseitig an
Drogendealer zeigen sich gegenseitig an  

Neuschleichach/Maroldsweisach -

Weil ein 38-jähriger Drogendealer aus dem südlichen Landkreis einen anderen der Polizei "ans Messer lieferte", rächte sich dieser und zeigte seinerseits den 38-Jährigen an. Die Staatsanwaltschaft ist dabei der lachende Dritte: sie stellte Strafantrag gegen beide Dealer, die nun in Untersuchungshaft sitzen.

Am Dienstag dieser Woche musste sich der 38-jährige Lagerist am Landgericht verantworten, weil er selbst mit Drogen handelte und einen anderen dazu anstiftete. Dabei hätte er überhaupt nicht auf der Anklagebank Platz nehmen müssen, wäre er am 7. März dieses Jahres nicht auf die Idee gekommen, bei einem ehemaligen Arbeitskollegen, der ebenfalls mit Rauschgift handelt, zwei Kilogramm der Droge Amphetamin zum Preis von 12 000 Euro zu bestellen.

Der nun Angeklagte hatte laut Anklage jedoch nie vor, den Stoff auch abzunehmen, geschweige denn zu bezahlen. Stattdessen informierte er die Kriminalpolizei Schweinfurt darüber, dass bei dem Dealer aus dem nördlichen Landkreis etwas Illegales zu finden sei.

Bei einer Hausdurchsuchung vier Tage später, am 11. März dieses Jahres, wurden die Beamten dann auch fündig. Sie stießen nach Angaben des ermittelnden Kripo-Beamten auf ein "Sammelsurium von Drogen", beschlagnahmten 1,6 Kilogramm Amphetamin und nahmen den verdutzten Dealer fest.

Nachdem ihm die Beamten mitgeteilt hatten, von wem sie den Tipp erhalten hatten, sann er im Gefängnis sitzend auf Rache und belastete seinerseits den, der ihn "verpfiffen" hatte. Er gab an, dass der Angeklagte ihm angeboten hätte, ihm für 1300 Euro 26 Gramm Methamphetamin vom sogenannten "Vietnamesenmarkt" in der Tschechei zu besorgen. Er habe ihm das Geld gegeben, aber drei Tage später nur 13 statt der vereinbarten 26 Gramm der künstlichen Droge erhalten. Als ihn dann der Angeklagte später gebeten habe, zwei Kilogramm Amphetamin für 12 000 Euro zu besorgen, habe er die Chance gewittert, auch ihn über den Tisch zu ziehen. Er habe ein Kilogramm bestellt, das er dann auf zwei Kilogramm habe strecken wollen, sagte er im Zeugenstand vor Gericht.

Durch die Aussage des Inhaftierten wurde der nun Angeklagte am 11. Mai festgenommen. Er sitzt seitdem in U-Haft. Vor Gericht schwieg er zu den Vorwürfen. Für ihn steht viel auf dem Spiel, denn ein Unbekannter ist er vor Gericht nicht. Elf Vorstrafen stehen in seinem Strafregisterauszug. Im Mai 2017 wurde er wegen Rauschgiftdelikten zu einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt und in einer Entziehungsanstalt untergebracht. Bereits zwei Jahre später wurde er aus der Haft entlassen. Der Rest der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Im Alter von 15 Jahren begann seine kriminelle Karriere mit einer gefährlichen Körperverletzung, als er sich in einer Jugendeinrichtung prügelte. Es folgten Diebstahl, Tank- und Mietbetrug und eine weitere Körperverletzung im Jahr 2012. Zum Fremdschämen war ein Fall aus dem Jahr 2013, als er Schulden bei seiner Schwiegermutter mit den Ersparnissen seiner beiden Kinder bezahlen wollte und bei der Geldübergabe der Schwiegermutter ins Gesicht schlug.

Leicht hatte es der Angeklagte in seiner Kindheit allerdings nicht. Seinen leiblichen Vater hat er bis zu seinem 15. Lebensjahr nicht kennen gelernt. Er fand sowohl seinen Großvater als auch seinen Bruder, nachdem sie sich das Leben genommen hatten. Sein Stiefvater war ein gewalttätiger Alkoholiker. Seine erste Ehefrau erwischte er zweimal mit deren Ex-Mann im Bett. Es folgte die Trennung sowie ein verlorener Sorgerechtsstreit um seine beiden Kinder, was er mit Drogen kompensieren wollte. Hinzu kam die Spielsucht, die unter anderem daran schuld ist, dass er auf einem Schuldenberg von 30 000 Euro sitzt. Zwei Therapieaufenthalte halfen nur vorübergehend.

Ein neuer Nackenschlag folgte im September vergangenen Jahres, als seine neue Lebensgefährtin das gemeinsame Kind verlor. Dieser Schicksalsschlag habe bei ihm "den Schalter rum gedreht" und er habe wieder angefangen, zu konsumieren, gab er zu Protokoll. Mittlerweile sei seine Frau wieder schwanger, gab er als Lichtblick bekannt.

Laut Psychiater Dr. Christoph Matern leidet der Angeklagte nicht unter einer Psychose. Er sei intelligent. Die Steuerungsfähigkeit sei nicht beeinträchtigt, trotz des jahrelangen Konsums harter Drogen, wie Methamphetamin. Eine erneute Unterbringung im Maßregelvollzug erachtete der Arzt nicht als erfolgversprechend, allenfalls eine kurze, sechsmonatige Therapie. Verteidiger Maximilian Glabasnia verlangte die Anhörung weiterer Zeugen.

—————

Die Verhandlung wird am 27. Juli

um 9 Uhr fortgesetzt.

Autor

Martin Schweiger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 07. 2020
15:30 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angeklagte Entziehungskliniken Festnahmen Häftlinge Körperverletzung und Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit Polizei Psychiater Schicksalsschläge Sorgerechtsstreits Untersuchungshaft Zeugen
Neuschleichach Maroldsweisach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Symbolbild - Methamphetamin Schädigt Nervenzellen und verursacht Psychosen: Methamphetamin, besser bekannt als Crystal Meth.	Foto: dpa

06.08.2020

Mutmaßliche Rauschgifthändler in Haft

Zwei Kilogramm Amphetamin, 50 Gramm Crystal-Meth und kleinere Mengen Marihuana haben Beamte der Kripo Schweinfurt in Knetzgau sichergestellt. Zwei Tatverdächtige sind in Untersuchungshaft. » mehr

Jedes Mal, wenn der nun vor dem Haßfurter Amtsgericht angeklagte Mann auffällig wurde, war er stark betrunken. Foto: Symbolbild / picture alliance/dpa

17.12.2019

Harte Strafe für betrunkenen Rüpel

Trotz verminderter Schuldfähigkeit erhält ein alkoholabhängiger 25-Jähriger eine Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Zudem muss er in eine Entziehungsanstalt. » mehr

Immer wieder sahen die Nachbarn den nun Angeklagten dabei, wie er Kennzeichen von einem Auto ab- und an einem anderen wieder anschraubte. Zudem hegten sie den Verdacht, dass er ohne Führerschein unterwegs sein könnte. Symbolbild: AdobeStock/Jens Rother

22.01.2020

Nachbarn überführen Wiederholungstäter

92 nachgewiesene Schwarzfahrten haben einem 50-Jährigen nun eine Haftstrafe von 13 Monaten eingebracht - ohne Bewährung. » mehr

Walther-Tankstelle überfallen

26.08.2020

Bewaffneter Überfall auf Tankstelle: Tatverdächtiger in Haft

Nachdem bewaffneten Überfall auf eine Haßfurter Tankstelle hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. » mehr

Dealerin muss hinter Gitter

07.07.2020

Dealerin muss hinter Gitter

Eine 39-Jährige muss wegen bewaffneten Drogenhandels und -besitzes für zwei Jahre und neun Monate in Haft. Ihr eigene Drogenkarriere begann mit 13 Jahren. » mehr

Streit um 30 Euro endet in Gewalt

13.03.2020

Streit um 30 Euro endet in Gewalt

Ein junger Mann musste sich in dieser Woche vor Gericht verantworten, weil er einen anderen in die Gleise gestoßen haben soll. Doch das war nicht der einzige Vorwurf. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Parking Day in Coburg

Parking Day in Coburg | 18.09.2020 Coburg
» 23 Bilder ansehen

Schaeffler Aktionstag in Eltmann Eltmann

Schaeffler Aktionstag in Eltmann | 16.09.2020 Eltmann
» 7 Bilder ansehen

WG: Totschlags-Prozess Coburg

Gerichtsprozess in Coburg | 14.09.2020 Coburg
» 16 Bilder ansehen

Autor

Martin Schweiger

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 07. 2020
15:30 Uhr



^