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Hassberge

Ein Aufruf zum Gespräch

Eine Bürgerinitiative ist gegen einen möglichen Solarpark in Buch. Jetzt erklärt der Verpächter seine Beweggründe und fordert die Kritiker zum Dialog auf.



Der Gemeinderat Untermerzbach hat kürzlich die Bauleitplanung für einen Solarpark auf einer Fläche von 21 Hektar nahe den Ortsteilen Buch und Gereuth in der Nähe des Panoramaweges einstimmig angestoßen. Ähnlich wie in diesem Beispielbild eines Solarparks in Brandenburg würden dort auf rund 16 Hektar der des Areals Solarmodule auf Gestellen angebracht. Da diese über drei Meter hoch aufragen, fürchtet eine Bürgerinitiative von Bewohnern aus Buch um die Schönheit der Örtlichkeit - und will den Bau der Anlage verhindern.	Symbolfoto: Bernd Settnik/dpa
Der Gemeinderat Untermerzbach hat kürzlich die Bauleitplanung für einen Solarpark auf einer Fläche von 21 Hektar nahe den Ortsteilen Buch und Gereuth in der Nähe des Panoramaweges einstimmig angestoßen. Ähnlich wie in diesem Beispielbild eines Solarparks in Brandenburg würden dort auf rund 16 Hektar der des Areals Solarmodule auf Gestellen angebracht. Da diese über drei Meter hoch aufragen, fürchtet eine Bürgerinitiative von Bewohnern aus Buch um die Schönheit der Örtlichkeit - und will den Bau der Anlage verhindern. Symbolfoto: Bernd Settnik/dpa   » zu den Bildern

Buch/Untermerzbach - Stefan Dinkel aus Buch ist "total genervt", wie er sagt. Jeder wolle Atomkraft, Kohleenergie und Diesel abschaffen. Wenn es aber um Alternativen wie Solarenergie gehe, dann sei der Widerstand oft groß. "Jeder ist dafür aber keiner will es haben", kritisiert der 41-jährige Familienvater. Dass diese "Nicht-bei-uns-Mentalität" zur Bildung einer Bürgerinitiative gegen den kürzlich vorgestellten "Solarpark Buch" geführt habe (wir berichteten), verwundere kaum.

Stimme aus dem Rathaus

Siegfried Kirchner, 2. Bürgermeister der Gemeinde Untermerzbach, informiert auf Nachfrage, dass der von der BI eingereichte Antrag auf einen Bürgerentscheid über den "Solarpark Buch" noch immer geprüft werde. Ganz persönlich sehe Kirchner die Natur jedoch nicht eingeschränkt. Ganz im Gegenteil: Mit dem Bewuchs durch Hecken und Blumenwiesen könne das Wasser bei starkem Regen zumindest teilweise daran gehindert werden, den Hügel hinab ins Tal zu strömen. Man verhindere also weitere Erosion.

Abgesehen davon sei Kirchner skeptisch, ob das Solarpark-Projekt auf mehr Akzeptanz stoßen würde, wenn man sich für eine andere Fläche entscheiden würde - ein Vorschlag, den die Vertreter der Bürgerinitiative gemacht hatten.


Mit dem Solarpark verhalte es sich allerdings nicht so, wie die Bürgerinitiative es darstelle, erklärt Dinkel bei einem Gespräch mit der NP . "Ein Solarpark Buch wäre eben nicht auf Kosten der Allgemeinheit, sondern zu deren Nutzen", ist er überzeugt. Dies sei auch einer der Gründe, warum der Nebenerwerbslandwirt sein Land für ein solches Vorhaben verpachten wolle. Dinkel ist Eigentümer, der 21 Hektar Ackerfläche, auf der die Photovoltaikanlage errichtet werden soll.

Die Vertreter der Bürgerinitiative (BI), die Bucher Ehepaare Wöger, Weis und Köhler, sind der festen Überzeugung, dass der "Solarpark Buch" die natürliche Schönheit des Areals, an dem auch ein Teil des Friedrich-Rückert-Wanderweges entlang führt, für Anwohner aber auch Wanderer weniger attraktiv machen - geradezu "zerstören" - würde. Eine Behauptung, die Stefan Dinkel nicht so stehen lassen möchte. "Natürlich wird das auffallen", räumt Dinkel ein. Wenn er auf seinem Feld wie im vergangenen Jahr zwei Meter hohe Maispflanzen stehen habe, sehe man vom Waldrand aus aber ebenfalls nichts mehr von der Landschaft. Selbst ein Feld voller Weizen würde schon ausreichen, um die Sicht in manche Richtung zu behindern. Die Aussicht vom Panoramaweg auf den Itzgrund ist jedoch davon nicht beeinträchtigt

Dinkel selbst gehe mit seiner Familie auch an Sonntagen auf dem Panoramaweg und den angrenzenden Wegen spazieren. In den ersten zwei bis drei Jahren werde es einen Einschnitt geben. Stehe der Bewuchs erst, dann ist sich der Bucher aber auch sicher, dass das Areal mit der Solaranlage "nicht mehr so sehr" störe. "Wir wollen die schöne Aussicht, alle anderen sollen den Strom für uns erzeugen", funktioniere für Dinkel einfach nicht.

Natürlich spiele auch das Geld eine Rolle, gibt der Landwirt geradeheraus zu. 2007 habe er rund 38 Hektar Acker und eine kleine Schweinezucht von seinem Vater übernommen. Inklusive weiterer gepachteter Flächen habe er auf 56 Hektar Mais oder auch Weizen angebaut. In den vergangenen Jahren habe er jedoch immer mehr Verordnungen gegenübergestanden. Inzwischen habe er nur noch wenige hundert Euro Deckungsbeitrag pro Hektar Fläche erzielt. Und bei der Schweinezucht habe er 50 Euro für die Aufzucht eines Ferkels investieren müssen, um 30 Euro dafür zu bekommen.

Schon vor vier Jahren hätten andere Betreiber angefragt. Damals habe er jedoch nicht zugesagt. Stattdessen sei er der Meinung gewesen, dass man Windräder im Wald hätte installieren sollen und die Äcker für die Lebensmittelproduktion behalten solle. "In den letzten Jahren sind die Preise aber in den Keller gefallen", erklärt der Landwirt.

Derzeit stünden die letzten Schweine im Stall. Vor rund drei Jahren habe Dinkel angefangen als Fahrlehrer zu arbeiten, weil er seine Frau und die sechs Kinder nicht mehr von der Landwirtschaft alleine ernähren habe können. Durch die Pacht, die er von den Betreibern des Solarparks bekäme, könne er etwa doppelt so viel verdienen, wie er es mit dem Anbau von Bodenfrüchten konnte. "Ich muss sehen, dass ich von dem was ich habe auch lebe", sagt der Bucher.

Abgesehen davon freue er sich darüber, dass die Energiebauern ein solch durchdachtes Konzept hätten. Man rede von Blühstreifen oder Reihen von Obstwiesen. Das sei gut für die Natur. Die Erzeugung von Sonnenenergie wiederum helfe dem Klimaschutz. Wen den Vertretern der Bürgerinitiative ihr unverstellter Blick in die Landschaft wichtiger sei, müsse man die Frage stellen, wem eigennütziges Handeln auf Kosten der Allgemeinheit vorzuwerfen sei. "Ich habe sechs Kinder, denen ich eine Welt hinterlassen möchte, in der man leben kann", sagt der sechsfache Vater.

"Man könnte sogar einen Aussichtsturm aufstellen", schlägt Dinkel vor. So könne man vielleicht neue Wege schaffen, die Natur dort oben zwischen Buch und Kurzewind zu genießen. Die Energiebauern hätten sich bisher in allen Belangen gesprächsbereit gezeigt. Ganz im Gegensatz zu den Vertretern der BI selbst, wie der Bucher informiert. Zwar hatten sie Bürgermeister und Gemeinderäten mangelnde Kommunikation auf ihre Petition hin vorgeworfen, die Familien Wöger oder Weis seien aber auch selbst nie bei ihm als Verpächter der Grundstücks vorbeigekommen, um das Gespräch zu suchen.

Für Dinkel gebe es zwei Möglichkeiten, wie man mit einer Photovoltaikanlage in Buch umgehen könne: Man könne sich am Anblick der Module stören oder sich nach ein paar Jahren an Hecken, Blumenwiesen oder blühenden Obstbäumen freuen. "Es kommt eben darauf an, was man aus dem Projekt macht", sagt Dinkel und richtet einen Appell an die Mitglieder der Bürgerinitiative. "Und das müssten wir im Gespräch miteinander klären."

Autor

Christian Schuster
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
13. 06. 2019
10:00 Uhr

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Christian Schuster

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13. 06. 2019
10:00 Uhr



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